Donnerstag, 20. Dezember 2007
Ein junger Mann ist aufgetaucht. Er gehört nicht hierher. Superman behauptet, ihn zu kennen. Sein Name ist Karate Kid. Batman nutzt die Gelegenheit und lässt sich eine Schlägerei mit dem Karate-Ass nicht nehmen. Der Kampf ist hart. Wider aller Erwartungen gewinnt der Held im Fledermauskostüm.
Mit dem Fremden kommt gleichzeitig ein Rätsel in die Gegenwart. Karate Kid stammt aus einer fernen Zukunft, einer Zukunft, die Superman als Superboy besuchte – als er Mitglied der Legion der Superhelden war. Die Abenteuer, die Superman dort als Jugendlicher erlebte, stehen den aufregenden Erlebnissen in seiner Gegenwart in nichts nach.
Die klassischen Geschichten um die Legion der Superhelden sind zu ihrer Zeit eine aufregende Unterhaltung gewesen. Als Leser konnte man Superboys Abenteuern in einer fernen Zukunft verfolgen. Irgendwie war es den Autoren gelungen, andere Helden zu schaffen. Jugendliche, Saturn Girl, Cosmic Boy und Lightning Lad gründeten die Legion nach ihrem ersten gemeinsamen Abenteuer, das eher zufällig zustande kam. Ein raketenförmiges Gebäude wurde ihr erstes Clubhaus. Die Namen damals waren etwas anders. Saturngirl hieß schon damals so, aber ansonsten begegnete man Kosmoboy und Blitzjunge. Die Vermischung von englischen und deutschen Begriffen war einfach putzig.
Wie auch immer, das wirklich Schöne daran waren die mitunter skurrilen Charaktere – die heute eher an der Tagesordnung sind. Allesesserboy und Ballonboy sind gute Beispiele dafür. Die Abenteuer handelten innerhalb der Legion, bei der Einführung neuer Mitglieder oder auch bei wirklich großen Abenteuern, Zeitreisen inklusive.
Der vorliegende dritte Band der aktuellen Justice League of America schließt den Kreis zur Vergangenheit. Die Legion der Superhelden ist wieder da!
Die Freunde von Zusammentreffen verschiedener Heldenkreise können sich freuen, denn neben der Legion finden wir die JLA sowie die Justice Society of America. Die Vermischung solch unterschiedlicher Helden ist meistens eine Gratwanderung, weil eine derartige Fülle von Figuren natürlich nur wenig Schwerpunkte zulässt. Man könnte, wenn man wollte, aber das hieße, andere Heldencharaktere zu Statisten zu degradieren.
Davon kann sich die Geschichte, geschrieben von Brad Meltzer leider nicht ganz frei machen, aber in der Konsequenz ist er durchaus um Ausgewogenheit bemüht. Ein Rätsel bringt die drei Heldengruppen auf ungewöhnliche Weise zusammen. Ganz nebenbei entsteht auch noch ein kleiner Streifzug durch das DC-Universum, bei dem auf sehr elegante Weise die Legion den unwissenden Lesern vorgestellt wird. Derweil wird ein Held vermisst. Sieben Legionsmitglieder aus der Zukunft bilden eine Brücke zum Aufspüren dieses Helden – bei dem unklar ist, um wen es sich eigentlich handelt.
Die sieben Helden, allen voran Karate Kid, sind weit verstreut. Um sie aufzuspüren, setzt Meltzer gemischte Teams von JLA und JSA ein.
Einer der besten Abschnitte ist der Fund von Timber Wolf in Gorilla City. Die Aufnahme ist herzlich, man begegnet der Helden-Abordnung in aller Freundschaft. Bevor Timber Wolf durch ein Passwort wieder aus seiner geistigen Verwirrung befreit werden kann, widmet er sich mit seinen Gorilla-Freunden den Freuden des Wettrennens – auf einer Raptorenart.
Kapitel für Kapitel wird die Geschichte mysteriöser. Und endlich, als der Leser glauben kann, wer die Zielperson des Ganzen ist, sieht er sich gewaltig getäuscht – und überrascht. Meltzer hat seine Hausaufgaben gemacht und kennt seine Pappenheimer. Das Wiedersehen mit der Legion hat er hervorragend bewerkstelligt. Unter seiner Federführung dürfte sich der Fan durchaus mehr Abenteuer mit der Legion wünschen, da sich mit ihr ganz andere Erzählmöglichkeiten eröffnen.
Die Zeichner Shane Davis und Ed Benes liefern eine herausragende Arbeit ab. Technisch stehen sie auf einer Stufe mit Comic-Größen wie Jim Lee oder Michael Turner, der einige Cover für diese hier in einem Band zusammengefassten Saga abgeliefert hat. Ein Kapitel wurde von Dale Eaglesham gestaltet, der zwar sehr gute Arbeit macht, aber nicht den Stil von Davis und Benes erreicht. Die Arbeit der zuletzt genannten wirkt wie aus einem Guss. Allerdings muss man auch sagen, dass Eaglesham mit einigen Szenen keinen leichten Auftrag hatte – Massenszenen, üppige Vegetation, wilde Kämpfe, hier hat das Auge viel zu tun, um die vielen Einzelheiten zu erfassen. In einem Film müsste man sich die Szene mehrmals ansehen, um auch alles mitzubekommen.
Die Legion der Superhelden ist zurück. Leider ist diese Rückkehr viel zu kurz. Diese Charaktere sind tragfähig für längere Geschichten – ansonsten lässt sich nichts Negatives über die dritte Folge der JLA sagen. Top-Zeichner setzen die gelungene Erzählung der Autoren Brad Meltzer und Geoff Johns perfekt um.
Samstag, 07. Juli 2007
Da ist sie also wieder: Die Justice League of America! Gleich auf dem Cover sind viele Helden versammelt, die in all den Jahren als Mitglied oder in anderer Funktion mit den Helden in Berührung gekommen sind.
Superman, Batman, Wonder Woman, Zatanna, Green Arrow, Flash, Hawkgirl, Vixen, Mr Terrific, Dr. Fate, Green Lantern (Hal Jordan), Green Lantern (Kyle Raynor), Green Lantern (John Stewart), Green Lantern (Guy Gardner), Black Canary, Red Tornado, Powergirl, Captain Marvel, Supergirl, Huntress, Batwoman, Nightwing, Captain Atom, Cyborg, Red Arrow, Firestorm, Big Barda, Dr. Light und Mr Miracle stehen auf der Bewerberliste – um nur einige zu nennen.
Doch damit nicht genug. Die drei Führungsmitglieder und Neugründer ziehen auch noch andere Kandidaten in Betracht. So auch Black Lightning, mit dem Batman gute Erfahrungen gemacht hatte. Auch Atom und Firehawk sind im Gespräch.
Es ist erstaunlich, wie sich im Laufe der Comic-Geschichte so alles fügt. Hierzulande erschienen vor vielen Jahren die für diese Ausgabe wegweisenden Sonderalben der Gerechtigkeits-Liga. In Ausgabe 11 stellte sich ein Held dieser Liga eher ungern vor: Black Lightning. Green Arrow wollte diesen Helden gerne in der Liga als Mitglied sehen, doch Lightning weigerte sich. Außerdem outete sich der unscheinbare John Smith seiner großen Liebe Kathy Sutton als Red Tornado. Doch kann ein Android träumen? hieß damals die Frage. Natürlich konnte er, weshalb er auf der Leiter der Menschlichkeit eine weitere Sprosse erklomm.
Interessanter – wenigstens aus der Sicht des Neustarts – wurde es in den Ausgaben 14 und 15 der Reihe. Die Helden zweier Erden starteten einen kleinen Besuchsaustausch. Dabei landeten sie durch einen Zwischenfall auf dem Planeten der fliegenden Städte und ein später häufiger Gegner Supermans stellte sich außerdem vor: Darkseid. Die Zusammenarbeit dieser ungewöhnlichen Mischung von Helden funktionierte. Irgendwann war die Krise zwischen zwei Erden beigelegt, doch die Idee spukte weiter in den Köpfen der Macher.
In der durch verschiedenste Zeichner aufgestellten einleitenden Episode des vorliegenden Bandes gibt es einen kurzen Abriss der Geschichte der JLA, in der auch die Entdeckung einer zweiten Erde noch einmal kurz gezeigt wird. Insgesamt ist es natürlich nur ein kurzer Abriss der JLA. Bekannte Zeichner wie Jim Lee, Dan Jurgens, George Pérez, Andy Kubert oder Ed Benes geben sich bei diesem Potpourri die Klinke in die Hand. Sehr schön ist der Ausflug in uralte JLA-Zeit, der auch einen entsprechenden Zeichenstil zur Darstellung nutzt.
Im Anhang finden sich einzelne Stationen, genauer gesagt Teams der JLA, wie sie im Laufe der DC-Geschichte auftraten. Anhand dieser Bilder lässt sich auch sehr schnell festmachen, welche Gruppierungen sich deutlicher im Gedächtnis festgesetzt haben als andere.
Ein Neustart bringt natürlich auch immer Probleme mit sich. Die Auswahl der Helden für die neue Gruppierung ist das erste Problem. Supie, Batsie und die Amazone sind sich keineswegs einig über die Zusammensetzung. Im Auswahlverfahren werden dem Leser weitere Helden vorgestellt. Einige zeigen sich bereits in Aktion, wie Black Lightning, der Undercover auf der Jagd ist. Für einen Helden wie Red Tornado nimmt sich die erste Ausgabe der neuen Reihe mehr Zeit. Wir begegnen Red Tornado als Leiche auf dem Seziertisch. Seine Aura führt eine Zwiesprache mit Deadman, einem seltenen Gast in Abenteuern. Interessant ist in dieser Episode auch der Mini-Auftritt von Felix Faust, der nun wirklich kein regelmäßiger Gast ist.
Ich kenne diesen Blick. Ihr bringt die Band wieder zusammen, was? Ollie will tatsächlich schon seinen Bogen holen. In Wahrheit sind Hal Jordan und Black Canary nicht wegen ihm gekommen, sondern wegen Arsenal (Red Arrow). Die Formierung eines Teams bringt auch Schwierigkeiten mit sich – denn wo Helden sind, machen sich auch Feinde bereit, diese zu bezwingen. Ausgerechnet Red Tornado wird zur Grundlage für eine ungewöhnliche Auseinandersetzung.
Zeichner Ed Benes gehört zur Klasse der Zeichner im Stile eines Michael Turner, der hier die Cover geschaffen hat. Nach der Handlungsvorgabe von Autor Brad Meltzer schickt Benes die Liga auf ihr erstes Abenteuer. Benes, der auch die Birds of Prey betreute, zeigt besonders mit dem letzten Bild und dem Auftritt eines ganz besonderen Schurken aus Supermans Leben, das er sich richtig freut, hier aus dem Vollen schöpfen zu können.
Ein schwieriger Start, da er sehr viele Informationen bündelt und sehr viele Hintergrundinformationen voraussetzt, aber auch ein guter Start, da schnell eine Richtung eingeschlagen wird, die ein neues Team an den runden Tisch bringt. Geheimnisvoll, ein wenig unheimlich, mysteriös und spannend. Das macht Lust auf mehr!