Donnerstag, 30. Oktober 2008
Zayne Carrick hat eigentlich andere Probleme, solche, die groß genug sind. Schließlich wird er wegen Mordes gesucht. Da liegt es nicht unbedingt nahe, sich in der Unterstadt herumzutreiben, wo an der Oberfläche ein Krieg tobt, wo es darunter dunkel ist, heimtückisch und schrecklich entstellte Monster Jagd auf alles machen, was sich auch nur im geringsten bewegt. Doch Zayne hatte schon häufiger eine Art Schutzengel oder Glück im Unglück, so streckt auch jetzt ein Lichtschwert die Angreifer nieder, von denen sich Zayne und sein Freund Gryph schon in Stücke gerissen sahen.
Celeste Morne, eine Jedi, ist nicht auf Taris gelandet, um Zayne für seine angeblichen Verbrechen zu jagen. Sie hat andere, wichtigere Dinge im Sinn, die ihre ganze Aufmerksamkeit erfordern. Sollte Zayne durch Zufall in der Unterstadt zu Tode kommen, ist es ihr gleich, sollte er überleben, es kümmert sie auch nicht. Viel wichtiger ist der Fund eines Gegenstands, den die Mandalorianer in ihre Gewalt gebracht haben: Der Muur-Talisman.
Wie lässt sich eine Crossover-Verbindung über einen Zeitraum von 4000 Jahren hinweg schaffen? Selbst für ein Star Wars-Universum voller Möglichkeiten ist dies kein einfaches Vorhaben. Die beiden Autoren John Jackson Miller und Mick Harrison haben das Unterfangen gewagt und ein Artefakt ins Spiel gebracht, das für die Sith von besonderer Bedeutung ist. Ähnlich wie früher – vor vielen Jahren – der Kaiburr-Kristall unterstützt der Muur-Talisman seinen Träger mit einigen erstaunlichen Fertigkeiten.
In der Galaxis grassiert eine Seuche, die aus den Infizierten monströse Gestalten macht, die alles und jeden angreifen. Geistlos attackieren sie ihre Opfer. Wer nicht gefressen, sondern nur gebissen wird, infiziert und verwandelt sich nach kurzer Zeit. Auch hier lässt sich eine Parallele zu anderen allseits bekannten Monstren herstellen, die sich ebenfalls gerne ungehemmt vermehren, besonders durch Bisse: Zombies, Vampire oder Werwölfe. Diese Star Wars-Variante, Rakghouls gerufen (der Name sagt eigentlich genug), kann vom Träger des Talismans beherrscht und kommandiert werden. Da die Seuche sich rasend schnell ausbreiten kann, stehen einem Träger binnen kürzester Zeit loyale Truppen zur Verfügung, deren Geistlosigkeit durch den Willen und die Intelligenz des Talisman-Trägers ersetzt werden.
So weit, so furchtbar für die alte Republik, wo der Leser diesen Wesen erstmalig begegnet. Eher sehr cartoony ist die Art der Bilder, die Scott Hepburn hier zeichnet. Das nimmt dem Szenario ein wenig die Bedrohlichkeit und hebt es auf das kinderverträgliche Niveau einer Nachmittagszeichentrickserie. – Das könnte der Leser jedenfalls anfänglich glauben. Die Handlung belehrt ihn sehr bald eines besseren. Denn die Aufbereitung der Optik und die Handlung widersprechen sich. Letztlich erreicht es nicht ganz die Action eines der Kinofilme, doch die Zuschauer der Clone Wars-Filme, der Zeichentrickvarianten wie auch der Animationsumsetzung, werden auf ihre Kosten kommen.
Nachdem der Leser Zayne Carrick und seinem Freund Gryph auf ihrem Abenteuer gefolgt ist, gelangt er wieder in Gefilde, die vertrauter sind und auch ein deutlich erwachseneres Erscheinungsbild haben. Doug Wheatley gehört zu den Star Wars-Stammzeichnern. Gerade in den Bereichen der Clone Wars hat er immer wieder mit seinen Bildern auf sich aufmerksam gemacht. Nach einem Zeitsprung, der den Leser von den Knights Of The Old Republik zu den Dark Times bringt, tritt endlich wieder Darth Vader auf den Plan.
In 4000 Jahren kann viel geschehen und es können sich viele neue Mythen entwickeln. Der Mythos um eine geheimnisvolle Truhe mit noch ungewissem Inhalt geistert seit vielen Jahren durch die Galaxis. Einige haben eine Ahnung, was sich dahinter verbergen könnte, darunter auch Vader, der es sich wünscht eine Waffe in die Hände zu bekommen, mit der er seinen Meister töten kann.
Die Szenerie ist nicht so geräumig wie noch im ersten Teil mit Zayne Carrick. Es ist eine Art Kammerspiel mit Sith, einer Jedi, künftigen Rebellen, einem Wissenschaftler und Klonkriegern. Die Inszenierung ist gruselig, düster, auch dank des Geistes eines Sith-Lords, der die in der Macht Starken am Ort dieses Geschehens für seine Zwecke zu umgarnen versucht.
Wheatley fängt die Atmosphäre dieser Szene toll ein, aber - auch das ist immer wichtig in diesem Zusammenhang – das Duo Dan Parsons (Tusche) und Dave McCaig (Farben) hat einen großen Anteil am Gelingen dieses Abschnitts.
Ein beinahe episches Crossover quer durch die Zeitzonen von Star Wars. Gut aufgebaut ist es eine grafisch tolle Jagd auf ein Artefakt, das einiges ändern könnte. Man darf richtig gespannt sein, wie das Kleinod seine Reise in die Zukunft des Sternenkrieges fortsetzen wird.
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Stichwörter: doug wheatley, scott hepburn
Donnerstag, 13. Dezember 2007
Die Klonkriege sind nicht nur im Kino ein Großereignis gewesen. Stärker noch als im Kino gehen die Klonkriege beinahe nahtlos in den Ursprungs-Krieg der Sterne über. Mit der dritten Premium-Ausgabe sind für den Leser das Finale wie auch der fließende Übergang zusammengefasst.
In einem letzten Aufbäumen versuchen die Jedi der Angriffe unter der Führung von Count Dooku Herr zu werden. In die nächste Nähe des Counts wurde der Jedi Quinlan Vos entsandt. Nicht nur die Nähe des Counts ist ein Problem. Da Quinlan sich immer wieder als Überläufer beweisen muss, ist er der dunklen Seite schon sehr nahe gekommen. Zu nah?
Quinlan ist zweifellos ein sehr kriegerischer Geist. Bereits vor seiner Begegnung mit Dooku war er häufig in Versuchung seinem Zorn zu erliegen. Etwas besser ist es nur geworden, da Quinlan die Liebe erfuhr – für die er sogar bereit ist, nach dem Ende der Kampfhandlungen sein Jedi-Dasein aufzugeben.
Doch wie weit wird Quinlan am Ende zur Erfüllung seines Auftrages gehen? Das Zusammentreffen mit seinem alten Meister Tholme spricht eine deutliche Sprache. Im Kampf stürzt Tholme in den Tod. – Wirklich? Oder ist das alles nur ein Trick, um Count Dooku zu täuschen? Quinlan ist jedenfalls vom Tod seines früheren Meisters überzeugt.
Die Comic-Erzählungen (die Romane natürlich auch nicht) haben ein noch breiteres Spektrum der Hintergrundinformationen, als es in den Filmen möglich war – obwohl die Clone Wars-Episoden den Krieg der Sterne natürlich noch viel weiter auffächern. Hier kommt ein interessanter Aspekt eines neuen Klon-Stoßtrupps hinzu. Nur kämpfen diese Klone auf der falschen Seite. Außerdem handelt es sich nicht um Menschen. Morgukai, eine echsenähnlich aussehende Rasse, werden geklont und als Attentäter trainiert, speziell um mit besonderen Waffen gegen Jedi anzutreten. Beinahe geht der Plan auf.
Die Jedi setzen sich ehrenvoll und kraftvoll zur Wehr, aber nichts kann den Niedergang der Republik verhindern.
Ein Rückblick entführt hin zu einer geheimen Mission von Obi-Wan und Anakin. Auf einem riesigen Raumschiff treffen sie auf einen alten Feind, einen, der sich selbst als Jedi-Killer bezeichnet und der für diese Ritter tatsächlich ein furchtbarer Gegner ist. Obi-Wan hatte während der Clone Wars eine Begegnung mit ihm, konnte ihn aber zurückschlagen.
Jetzt ist Durge wieder da, fest entschlossen, das zu Ende zu bringen, was ihm beim ersten Mal nicht gelang.
Damit nicht genug – ausgezeichnet für den Leser, denn das pralle Lesevergnügen scheint kein Ende zu finden. General Grievous, Dooku und Ventress stellen sich in einer Schlacht den versammelten Jedi. In diesem gewaltigen Kampf kommt es zu einigen unvorhersehbaren Wendungen.
John Ostrander ist ein sehr guter Star Wars-Autor. Manche Autoren absolvieren ein, zwei Geschichten, Comic oder Roman. Nicht so Ostrander, der ganze Handlungsstränge anfertigt und in den offiziellen Erzählstrang optimal einflechtet. Hervorragend sind die Jedi dargestellt, die der Leser vielleicht nur aus Randbildern im Kinofilm her kennt. Quinlan Voss, Aayla, Rancisis sind nur einige wenige Namen dieser Jedi. Die Geschichten um diese Jedi, wie auch ihre charakterliche Ausprägung ist sehr schön ausgearbeitet und auch interessant zu nennen – bieten sie doch ein gutes Gegengewicht zu den allseits bekannten Charakteren aus den Filmen wie Mace Windu, Obi-Wan und natürlich Yoda (der auch im Comic eine tiefere Charakterdarstellung erfährt und so viel mehr Tiefe erhält als in den Filmen, was dem alten Jedi außerordentlich zu Gesicht steht).
Grafisch wird nichts dem Zufall überlassen. Mit Jan Duursema und Doug Wheatley sind nicht nur Zeichner mit einem ähnlichen grafischen Stil bei der Sache, sondern auch Zeichner, die sehr realistische Darstellungen bevorzugen. Die Unterschiede im Stil sind minimal, weshalb vermutlich jeder Leser mit sich hadern wird, darüber, was besser aussieht.
Durch eine etwas andere Kolorierung wirken die Bilder von Wheatley weicher, skizzenähnlicher. Würde Dan Parsons die Bilder tuschen, würde es auf den ersten Blick nicht auffallen, dass es sich um die Arbeiten von zwei verschiedenen Zeichnern handelt. Die Arbeit von Brad Anderson und Ronda Pattison, beide Koloristen, darf weder vergessen noch geschmälert werden. Besonders letztere ist bestimmt mit für die Spitzenqualität der Bilder von Wheatley verantwortlich.
Beeindruckend, und letztlich das, was Star Wars ausmacht, ist die Fremdartigkeit. Die Handlungsorte, die Technik sind sicherlich reizvoll. Die fremden Völker, die Farben, die Kleidung finde ich persönlich noch reizvoller. Es ist ein Markenzeichen von Star Wars, dass solche Wesen beinahe einen Blick auf eine andere Kultur erlauben, denn derart ausgefeilt präsentieren sich diese Figuren. Auch im vorliegenden Band wird diese Linie beibehalten. – Das ist besonders gut, weil einige Völker und Kreaturen in den Filmen zu kurz kamen.
Ein Muss, ein Muss, ein Muss, nicht nur für Star Wars-Fans, sondern auch für alle, die Spaß an einer riesigen Space Opera haben, die inzwischen eine solche universale Dichte aufweist wie kaum ein zweites Weltenszenario – sieht man einmal von Rollenspielen ab. Wer die regulären Ausgaben der Klonkriege VII, VIII und IX verpasst hat, kann bedenkenlos zugreifen. Und für alle anderen ist es vielleicht ein geballter Einstieg – der süchtig machen kann.
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Stichwörter: john ostrander, doug wheatley, jan duursema