Donnerstag, 28. August 2008
Storm und Rothaar wanken ziellos durch die Wüste. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Sie kennen sich nicht aus, sind am Ende ihrer Kräfte. Ein Aufenthalt zwischen Felsen lässt sie auf einen Fremden treffen. Und damit beginnen auch schon die Schwierigkeiten. Der Fremde ist auf der Flucht und seine Häscher sind über die ungebetenen Widersacher nicht begeistert. Wenig später sind Storm und Rothaar zwar besser aufgehoben, aber dafür in Gefangenschaft.
Die hageren Aborigines aus Australien mögen äußerlich – abgesehen von der kalkweißen oder auch grauen Hautfarbe – Pate gestanden haben für das Wüstenvolk, das Dick Matena und Don Lawrence hier in den Mittelpunkt ihrer Erzählung von Storms neuen Abenteuern stellen. (Natürlich sind sie nur in dieser Auflage neu.) Ihr gesamtes Aussehen generiert sofort Mitleid. Hager, unterernährt und, wie es sich nach wenigen Seiten herausstellt, versklavt. Ein Volk harrt der Befreiung.
Storm und Rothaar geraten hier auf ihrer langen Wanderung durch diese veränderte in ein Abenteuer, das in einen Aufstand mündet. Nicht zum ersten – und nicht zum letzten - Mal betätigt sich Storm als Befreier. Ähnlich wie bereits im Serienauftakt hat ein Bösewicht seine ganz eigenen Methoden gefunden, um sich zu bereichern und seine Pfründe zu sichern. Helfershelfer sind schnell gefunden, folgen hündisch ergeben und verstecken sich hinter Helmen mit Visieren – die allerdings im gleißenden Licht der Wüste einen Sinn ergeben.
Denn hier ist selbst die Natur der Feind, wie gleich das Cover des vorliegenden Bandes Das Wüstenvolk zeigt. Ohne besonderen, oder wenigstens notdürftigen Schutz, findet binnen Sekunden eine Erblindung statt.
Storm ist kein strahlender Held, dem alles sofort und ohne jedes Problem gelingt. Zwar setzt er sich beherzt zur Wehr, doch auch er tappt in eine Falle oder muss sich den Umständen – vorerst – geschlagen geben. Die Verwundbarkeit Storms, seine Normalität macht den Reiz der Figur wie auch der Serie aus.
Mit einer guten alten Geiselnahme des Bösewichts namens Banjo will sich Storm zusammen mit Rothaar aus der misslichen Lage befreien. Leider unterschätzt er seine Gegner.
Dick Matena, nach Philip Dunn und Martin Lodewijk der neue Autor im Bunde, entwirft eine endzeitliche Stimmung, ein Szenario einer untergegangenen Zivilisation, wie sie mit ihren Wüsten, Ruinen und aus der Not geborenen Lebensweise sich häufiger in SF-Geschichten findet.
Anders als ich solchen Szenarien, die sich auch in Rollenspielen finden, übertreibt Matena es nicht. Die Gründe für die Transformation des Wüstenvolks sind sehr rational, die ursprünglichen Motive eigentlich sinn voll und ehrenhaft. Leider – und hier findet sich eine bekannte Komponente – haben die Handlanger eines ehrenhaften Mannes eher niedere Motive, die natürlich in Machtgier und der Verlockung von Reichtum zu finden sind.
Die Technisierung, von Don Lawrence optisch möglichst realistisch umgesetzt, ist schlicht und effektiv. In den unterirdischen Gefilden erinnert die Steinformationen an das verschwundene Meer, aber auch an andere unterirdisch stattfindende Fantasy-Erzählungen, womit Matena und Lawrence hier angesichts des Alters der Geschichte einiges von Abenteuern neueren Datums vorweg nehmen.
Richtig schön strahlende Farben, beinahe pompös zu nennende harte Kontraste aus Rot, Gelb, Blau, Grün und dem Grau des Wüstenvolkes schaffen eine tolle Plastizität der Bilder.
Besonders mit Mustern kann Lawrence seinem Hang und auch seinem Talent zur Farbgebung frönen, ganz besonders bei der Gestaltung von Kleidung fällt dies immer wieder auf.
Wer als Don Lawrence Fan einmal eine andere Seite von ihm entdecken möchte – eine erotische – wird sich über die kleine Episode von Carrie – Im Spielzeugland freuen. Sicherlich mit einem etwas pubertären, aber nicht uncharmanten Humor hat eine junge Frau ihr ganz spezielles Abenteuer in einem Kaufhaus.
Ein Klassiker in neuem Gewand, der durch seine drucktechnische Umsetzung zeigt, was der Meister alles konnte und wie er mit der Farbe zu spielen verstand. Ein feiner Anhang mit zusätzlichen Informationen und Grafiken rundet diese Sammlerausgabe mehr als nur wohltuend ab.
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Stichwörter: don lawrence, dick matena
Mittwoch, 16. Juli 2008
Die Jagd auf das Vielhorn war erfolgreich. Endlich können Storm und Rothaar sich wieder einmal richtig satt essen. Aber da die beiden auch manchesmal Pechvögel sind, lassen auch hier unglückliche Umstände nicht lange auf sich warten. Alsbald sind sie in den Fängen eines Sklavenjägers. Storm und Rothaar werden unfreiwillige Mitglieder in einer Mischung aus Zirkus und Gladiatorenschule. Storm verwundert seine neuen Herren und Kameraden durch seltsame Kombinationen im waffenlosen Kampf, doch im Kampf mit dem Schwert hat er noch viel zu lernen.
Außerdem hat er viel über die ungeschriebenen Gesetze des Landes zu lernen. Ein Zirkus wie auch eine Gladiatorenschule macht sich nicht bei den Dörfern und Städten unbeliebt, die es bereist. Hinzu kommt, dass man auf keinen Fall den Champion des jeweiligen Ortes herausfordern und ihn am Ende auch noch besiegen sollte. Cush, der Besitzer des Zirkus weiß das, Storm weiß es nicht. So kommt es wenig später zum Eklat. Cush sieht nur einen Ausweg. Storm muss an die Stelle des alten und besiegten Champions treten. Mehr noch, da man ahnt, dass Storm seine Aufgabe nicht zwanglos erfüllen wird, ist schnell ein Druckmittel gefunden: Rothaar.
Nachdem wir die beiden Helden zuletzt auf einem kleinen Floß über die Wellen treiben sahen, durchstreifen sie nun das Land. Allerdings steht dieser Streifzug unter keinem guten Stern. Autor Martin Lodewijk lässt Storm und Rothaar kaum Zeit, um den Augenblick zu genießen. Am Ende der zweiten Seite wartet schon der Wendepunkt, der die beiden in das Abenteuer hineinrutschen lässt.
Ungewöhnliches, Zirkus, Gladiatoren – und in dem Augenblick, in dem der Leser sich über den weiteren Weg der Geschichte klar ist, kommt es ganz anders. Lodewijk bringt ein Relikt aus der Vergangenheit ins Spiel, von dem zunächst nicht gesagt werden kann, was es sein wird. Mit höchstem Geschick mischt er Fantasy-Elemente mit Science Fiction und mengt unheimliche Faktoren wie auch kleine Puzzle- und Rätselstücke mit unter.
Das Titelbild dieser Auflage sagt einiges über die phantastischen Teilstücke der Geschichte Der letzte Kämpfer aus. Der-gefüttert-werden-muss ist ein Heiligtum, extrem realistisch ausschauend für den Betrachter und umso geheimnisvoller, denn es wird keine weitere Erklärung darüber abgegeben, um welche Art Heiligtum es sich handelt. Der Schlund sagt alles. Wer hineinfällt, ist weg. Mit dieser Vorgehensweise, nicht alles haarklein zu erklären, hält Lodewijk beständig das Interesse wach und die Spannung hoch.
Das Palais des Todes, das gestrandete Raumschiff ist ein anderes Beispiel für diese erzählerische Taktik. Zwar ist es ein Kernelement der Erzählung, doch seine Herkunft wird nicht erläutert. Gegen Ende gewinnt man den Eindruck, dass sich Lodewijk ein wenig beeilen musste, um seine Erzählung noch innerhalb der Seitenanzahl beenden zu können. Es entstehen mit Storms Rückkehr aus dem Palais ein paar Sprünge, die einen Zeitraffereffekt zur Folge haben.
Don Lawrence, der sich nach Lodewijks Vorgaben richtet, hat es leichter. Er kann sich der Ausstattung widmen. Das Vielhorn gleich zu Beginn ist lediglich eine harmlose Abwandlung bestehender Tierarten. Viel interessanter ist die Riesengarnele, die der Sklavenjäger als Reittier benutzt. Der Aufmarsch der Zirkusmitglieder ist phantastisch in Form und Farbe, ein Aspekt, den Lawrence bei der übrigen Gestaltung des Bandes beibehält. Fast könnte man es als phantastischen Zuckerbäckerstil bezeichnen. Wer die Stadt, in der der Zirkus gastiert, sich ansieht oder auch das erwähnte Palais des Todes kann diese Bezeichnung schnell nachvollziehen.
Wer genau hinschaut und auch mit Trigan vertraut ist, wird eine gewisse Ähnlichkeit des Stadtoberhaupts der kleinen Stadt mit dem Berater Perik, der Trigan zur Seite steht, feststellen. Diesen kleinen Seitenblick erlaubt sich Don Lawrence ganz bestimmt mit Absicht, denn die Ähnlichkeit ist frappierend und bei all seinen anderen Bildern ist es unwahrscheinlich, dass ihm ausgerechnet hier die Ideen ausgegangen sein mögen und er auf Altbewährtes zurückgriff.
Immer noch – und gerade hier durch die besondere Drucktechnik ungeheuer schön zu sehen – hat Lawrence Vorbildcharakter. Selbst in dieser relativ frühen Phase hat er mit dem betriebenen Aufwand jeder einzelnen Seite manch anderer Produktion viel voraus – und: Das hier ist Handarbeit mit richtiger Farbe! Das soll die Arbeit am Rechner nicht abwerten, aber es entsteht ein anderes Gefühl für das Werk (jedenfalls für den Künstler, wie es für den Leser ist, weiß ich nicht). Wie immer bin ich voll des Lobes für den großen Meister, der Maßstäbe setzte. Ich kann leider nicht anders
Phantastische Bilder dieser untergegangenen Welt mit phantastischen Wesen, Kriegern und Hintergründen mit einem hervorragenden Blick für Perspektive und Licht von Don Lawrence umgesetzt. Lodewijk lässt seiner Phantasie freien Lauf, vermischt einige bekannte Versatzstücke und mengt neue unerwartete Zusatzstoffe hinzu. So machen Abenteuer Spaß.
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Stichwörter: martin lodewijk, don lawrence
Montag, 07. April 2008
Die Verabschiedung ist herzlich, die Sorge ernst gemeint, als der Weltraumpilot Storm die Kontrolle über sein Schiff verliert und mit ihm hilflos im großen Sturm des roten Flecks auf dem Planeten Jupiter daher trudelt. Wenig später geht die Verbindung zur Raumstation verloren.
Plötzlich endet die enorme Beschleunigung, die Storm bewusstlos werden ließ. Zu seinem Erstaunen ist der rote Fleck wie auch die Raumstation verschwunden. Storm setzt Kurs auf die Erde. Die automatische Steuerung übernimmt den Rest. Doch die Landung auf dem Kennedy Space Center gerät zum Fiasko. Florida, einst heiß und tropisch, liegt unter einer Schneedecke begraben.
Der Silbermann führte einen Aufstand der Menschen gegen die Fischwesen an. Commander Grek konnte schließlich über Kundar, das Fischwesen mit dem Gesicht eines Feuerfischs siegen. – Mehr oder weniger jedenfalls.
Das war ein Anfang, aber nicht der Anfang. Das Grundkonzept von Storm ist aber bereits erkennbar. Für eine Serie konnte Commander Grek nicht taugen. Am Ende war er zu einem Mischwesen geworden, einem Mittler zwischen den Völkern.
Die Geschichte um Storm beginnt in der Welt einer raumfahrenden Menschheit. Bereits nach dem kurzen Einstieg möchte man mehr über diese Welt erfahren. Leider kommt es nicht dazu. Allerdings, im weiteren Verlauf, erhält der Leser später einen kleinen Überblick über die Geschichte eines Teils der Menschheit. Der Mandroid erläutert Storm und Rothaar, Storms neuer Begleiterin, das Schicksal dieser merkwürdigen Welt.
Es ist eine klassische Science Fiction Abenteuergeschichte, die den Leser mit auf eine Reise nimmt. Philip „Saul“ Dunn erzählt im Stile einer Endlosgeschichte und schlägt immer wieder neue Haken. Nachdem die Handlung zuerst im Weltall beginnt und später auf die eisigen Höhen eines Hochplateaus wechselt, findet sich der Held in der tiefen Welt wieder. An dieser Stelle fällt der Startschuss zu einer Handlung, in der von da an alles möglich ist.
Storm erlebt mit seiner Neuauflage auch eine optische Überarbeitung, die nach all den Jahren aufzeigt, was in Don Lawrence alles drin steckte. In älteren Ausgaben war seine Farbtechnik bereits bewundernswert und vorbildhaft, in dieser Neubearbeitung lassen sich durch das erneute Einscannen der Originalvorlagen und der Anwendung eines frequenzmodulierten Rasters im Druck völlig neue Einsichten über die Techniken von Don Lawrence gewinnen.
Jeder einzelne Farbauftrag, jeder Strich, genauer jedes Strichlein ist erkennbar und zeigt, wie der Altmeister in seinen jungen Jahren zu Werke ging.
Wer sich die Fülle dieser kleinen Striche genauer ansieht, kann sich wenigstens ausmalen, dass in einer einzelnen Seite von der Bleistiftskizze bis zum fertigen Farbbild sehr viel Arbeit steckt. In einem Interview von 1986 zu Storm (im Band Vandal der Zerstörer) äußerte sich Lawrence zu seiner Arbeit und erwähnte, dass ihn das Kolorieren eher langweilt. Sollte das tatsächlich der Fall gewesen sein, dürfte er nicht nur zu den akribischsten, sondern auch zu den diszipliniertesten Künstlern im Comic-Genre gehört haben.
Architektonisch gibt es keine großen Herausforderungen in diesem Band. Landschaftlich jedoch versteht Lawrence sich auf die verschiedensten Bereiche. Dschungel und die anschließenden Wassermassen dürften ihn – um aus dem alten Interview zu schöpfen – in der Tat sehr gelangweilt haben, denn was sich dem Auge hier bietet, ist sehr viel Arbeit.
Die Gestaltung der einzelnen Kleidungen, der Geräte und Waffen ist ein Zeichen ihrer Zeit. Bereits in Trigan konnten die eher schlichten Fahrzeuge begutachtet werden, die optisch den Eindruck vermittelten, einem Zweck zu dienen. Irgendwie konnte stets das Grundprinzip Starfighter angewendet werden: Es muss fliegen und sollte nach Möglichkeit nicht herunterfallen. Lange Röhren mit Stummelflügeln, praktische Konstruktionen, die nie einen Design-Preis gewinnen würden, zogen sich durch das alte Reich. Diese Linie zog sich erst einmal in Storm fort. Wer Storms Schiff oder die kleine Personenbahn betrachtet, versteht sehr schnell, was gemeint ist. Diese Einfachheit setzte sich auch in der Kleidung fort. Beispielhaft hierfür sind die Anzüge der Wachen auf der großen Mauer.
Seltsamerweise – und hier muss der Trick verborgen liegen – kommt nicht der Eindruck auf, dass man als Leser etwas vermissen muss. Ganz offensichtlich funktionieren all die Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände ganz hervorragend. Bewundert habe ich stets die Schwerter, die so gar nichts von der Eleganz in anderen Bildproduktionen haben, sondern vielmehr ungeschlacht und grob durch ihre sehr breiten Klingen erscheinen. Aber auch hier gilt: Funktion vor Aussehen. Mit ihren schartigen Schneiden komplettieren sie nur eine dicht ineinander verwoben entworfene Welt.
Ein Neubeginn, auf den die Fans lange warten mussten, in einer Qualität, die es bisher so nicht von Storm zu sehen gab. Ein sorgfältiger Anhang mit weiteren Informationen und Grafiken von Lawrence – besonders sehenswert alternative Cover- und Posteransichten – setzen dieser Neuausgabe der Collectors Edition das Sahnehäubchen auf.
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Stichwörter: don lawrence, philip dunn
Montag, 24. Dezember 2007
In Sachen Comics war die Serie Storm, gestaltet von Don Lawrence, immer mein absoluter Hit und Lawrence mein Held. Wer frühe und späte Werke dieses genialen Künstlers vergleicht, wird sofort feststellen, wie sehr er seine Kunstfertigkeit mit fortschreitendem Alter in irre Höhen getrieben hat. Und ich finde, dass es auch heutzutage auf dem Comic-Markt nur wenige Zeichner gibt, die mit dieser Qualität mithalten können. - Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass man gegen Ende sehr gewusst haben mag, was man an Lawrence hatte. So konnte er sich wohl die Zeit nehmen und die Seiten mit großer Feinfühligkeit gestalten.
Nun ist Storm wieder da. Ab Frühjahr 2008 erscheint es im Splitter Verlag in einer neuen Edition. (Details nachzulesen unter www.comiczeichner.eu.) Eine verbesserte Druckqualität durch neues Scannen vorbereitet und neue Cover vom Meister persönlich versüßen diese Neu-Edition zusätzlich. Und nicht nur das: Storm wird fortgesetzt. Band 23 von Molenaar und De Vos geht zeitgleich mit der Neuauflage an den Start. Das Cover sieht überaus vielversprechend aus, als habe man sich bemüht, den Stil des Altmeisters aufzunehmen.
Wenigstens das Comic-Jahr 2008 fängt schon einmal gut an. - Der Rest wird sich finden.
Stichwörter: storm, don lawrence