Dienstag, 03. Juni 2008
Die Nacht vergeht – doch der Schaden, den Luuna angerichtet hat, bleibt. Die junge Frau, die von einem Fluch beladen mit den kleinen Waldgeistern durch die Lande streift, macht sich bei der Bewohnern der Natur nicht gerade beliebt.
Die Angst geht um vor diesem Wesen, dass zwar hübsch ist, aber gefährlich. Die Wesen des Waldes wollen ihr eine Chance geben. Während ihre beiden Totems noch darüber diskutieren, wer die größere Macht über Luuna besitzt, klettert die Indianerin in ein uraltes Höhlensystem hinunter.
Dabei war die Reise hierher schon merkwürdig genug. Die drei kleinen Pipintus, Waldgeister, die an der Seite von Luuna reisen, halten mit ihren Bemerkungen einfach nicht inne. Wompat, einer der drei, geht sogar seinen anderen beiden Brüdern ein wenig auf die Nerven – und das will etwas heißen.
Plötzlich zerreißt es die Luft vor ihnen, ein Platschen ertönt: Vor ihnen rappelt sich ein Fischadler wieder auf die Beine. Etwas benommen fragt er sich, wo die Lachsforelle abgeblieben sein mag, die er gerade noch gefangen hat. Ohne den Beobachtern irgendeine Aufmerksamkeit zu schenken, macht er sich wieder auf den Weg.
Diejenigen, die den Reisenden größere Aufmerksamkeit schenken, sind die Shinakas. Den Pipintus sehr ähnlich, haben diese fliegenden Shinakas nur ein Ziel: Wiedergutmachung. Wenn Luuna nur ein bißchen am Wald – und an ihrem Seelenheil – liegt, dann wird sie auf das Angebot der Shinakas eingehen und die Blume von Ha Wah Taka pflücken.
In der dritten Episode begegnet Luuna dem großfüßigen Oh-Mah-Ah, einem Vertreter der …
Bigfoots? Vielleicht auch unter dem Namen Sasquatch bekannt? Dieses seltsame Wesen, manchmal im Norden der USA und in Kanada gesichtet, war einst ein Freund der Kleinfüßler, bis die Eifersucht die Klein- gegen die Großfüßler aufwiegelte. So groß und gewaltig diese urtümlichen Riesen auch aussehen, so sanft sind sie auch und so wenig hatten sie eine Chance gegen die gewalttätigen Kleinfüßler, den Menschen.
Sie sind schlecht gemalt! Man erkennt gar keine Details!
Die Farben sind doof!
Obwohl die Pipintus sich derart über die Wandmalereien aufregen, trifft ihr Urteil weder auf diese Höhlenbilder zu, noch auf den Comic selbst.
Der disneyeske Zeichenstil von Nicolas Keramidas passt weiterhin wunderbar zu diesem inidianischen Abenteuer. Der Sasquatch könnte in der Tat dieser bekannten Animationswerkstatt entsprungen sein. Die beiden Rückblicksdoppelseiten, auf denen Oh-Mah-Ah vom Schicksal seines Volkes erzählt, bilden nicht nur einen Mittelpunkt des Bandes, sondern wirken wie ein Herz der Geschichte.
Damit liegt auch ein gutes Beispiel für die grafische Aufbereitung des Bandes vor. Sicherlich schafft Keramidas tolle Vorlagen für die einzelnen Seiten, aber was Bruno Garcia farblich daraus macht, hat nicht nur einen ganz besonderen Charme, sondern es vermittelt auch ein fantastisches Flair im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein dunkler bedrohlicher Wald in der Nacht, ein goldener Tag unter glänzendem Geäst, eine grünlich schimmernde Höhle, ockerfarbene Wandmalereien und mit weiteren optischen Eindrücken, so wechseln sich die Szenarien ab und unterstreichen die märchenhafte Atmosphäre.
Durch die comichafte Farbgebung und den Tuschestrich im Vordergrund und den mehr dem Realismus zugeneigten Impressionen im Hintergrund entstehen schöne plastische Effekte.
Ähnlich wie seinerzeit Bigfoot an der Seite der Hendersons Unsinn trieb und Spaß verbreitete, ist auch Oh-Mah-Ah an der Seite von Luuna zu Späßen aufgelegt.
Um gänzlich rein zu sein, musst du deine Kleider ausziehen.
Beinahe wäre Luuna darauf hereingefallen. Aber nur beinahe, denn der kleine Zweifüßler an Oh-Mah-Ahs Seite stellt die Angelegenheit richtig.
Autor Didier Crisse wiegt den Leser durch den Humor zuerst in Sicherheit, bevor er mit einem konzeptionellen Hammer zuschlägt und den Leser mit einem grauenhaften Cliffhanger im Stich lässt.
Traumhaft gut, weil traumhaft anders. Ein leicht erzähltes indianisches Abenteuer, sehr mystisch und liebevoll geschildert von Didier Crisse, hervorragend bebildert von Nicolas Keramidas und Bruno Garcia. Wer den Einstieg verpasst hat, sollte dies schnell ändern.
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Stichwörter: didier crisse, nicolas keramidas, bruno garcia
Mittwoch, 26. März 2008
Luunas Weg ist noch weit. In Begleitung der kleinen Pipintus, jener vorwitzigen Waldgeister, hat sie sich in die kalten Regionen vorgewagt. Der Schnee liegt knietief. Die junge Kriegerin und ihre drei Begleiter kommen nur sehr beschwerlich voran.
Die kleinen Geister tragen durch ihre vielfältigen Beschwerden nicht dazu bei, Luuna zu beruhigen. Dabei gibt es für keinerlei dieser Beschwerden einen Grund. Denn Pipintus besitzen kein Gespür für Temperatur, noch empfinden sie Hunger oder Durst. Aber, wie es sich für sie gehört, wollen sie bei allem ein Wörtchen mitreden.
Geister haben es nicht leicht. Das Gespenst von Canterville oder auch Hui Buh können ein Lied davon singen. Die Motive der Geister des Abendlandes sind allerdings nicht so verschieden von denen anderer Kulturen. In der Dämmerung des Luchses hat ein einsamer Mann noch eine Aufgabe zu erfüllen, hat er Reue zu zeigen, muss er an den Ursprung zurückkehren. Aber alleine kann er das nicht bewerkstelligen.
Auf ganz eigene Weise entwirft Didier Crisse eine märchenhafte Welt innerhalb der indianischen Mythologie, kindlich, witzig, geheimnisvoll. Die Welt der amerikanischen Ureinwohner ist eine kräftige Welt mit vielen Ideen, Geistern, Natur und großer Phantasie. Die verschiedenen Entwicklungen und Ansichten, der Reichtum der Landschaft innerhalb eines einzigen Kontinents prädestiniert geradezu zu einer langen Wanderung, zu der Luuna durch ihre beiden völlig gegensätzlichen Totems gezwungen ist.
Gleich nach Beginn der Geschichte stößt Luuna auf eine Grabstätte. In zahlreichen Kulturen ist die Form der Hochbettung (auch mit anschließender Verbrennung) verbreitet. Crisse vermeidet es allerdings, die Geschichte allzu traurig oder düster anmuten zu lassen. Zu diesem Zweck helfen ihm die Pipintus bei vielen Gelegenheiten aus. So auch hier. Die Grabesstimme, die von dem Lager ertönt, gehört keinem Toten, sondern einem dieser kleinen Waldgeister. Die Situation wird durch ein Lachen entschärft, bis …
Die Erzählung balanciert zwischen Abenteuer, Komödie und einem weiteren Genre. Nicht nur die kleinen Pipintus reizen zum Lachen. Auch der weise alte Mann trägt zum Humor bei. Von anderen alten Männern weiß der Leser um all die Weisheiten, die sie verbreiten. Dieser weise Mann ist nicht so leicht zu verstehen. Da auch Luuna zugibt, die Moral seiner kleinen Episoden nicht gleich zu begreifen, atmet man an ihrer Seite auf.
Und wer an dieser Stelle glaubt, er befinde sich nun wirklich nur in einer Komödie, wird sehr zügig eines besseren belehrt.
Das Schicksal des alten Mannes ist alles andere als lustig, sondern sehr ernsthaft einerseits und auch sehr traurig andererseits.
Und damit nicht genug: Bald wird der Vollmond wieder am Himmel zu sehen sein. Luunas dunkle Seite wird die Oberhand gewinnen. Urplötzlich schwenkt die Geschichte erneut. Das geheimnisvolle Abenteuer bekommt Züge einer Gruselgeschichte – was nicht ausbleibt, wenn Luuna eine Art von Werwolf wird.
Didier Crisse lässt sich nicht einengen. Er erzählt, wie es ihm gefällt. Das macht die Geschichte frisch, unverbraucht und für den Leser besonders wichtig: unerwartet.
Nicolas Keramidas kann den Vergleich mit einer Disney-Produktion immer noch nicht von sich weisen. Qualitativ bewegt er sich mit Pocahontas auf Augenhöhe, pflegt aber seinen eigenen Stil. Die breiten Nasenrücken der Gesichter sind ein Markenzeichen dieser Produktion. Dieser Ausgefallenheit stellt Keramidas eher normale Körper gegenüber. Diese sind zwar immer noch in einem gängigen Comic-Stil abstrahiert, wirken aber nicht vollkommen anders.
Grafisch für den Leser interessant und auch spannend ist der Wechsel zwischen der eigentlichen Handlung und den Erzählungen in der Erzählung.
Für die moralischen Geschichten, die der alte Unsichtbare Luchs erzählt, wählte Kolorist Bruno Garcia eine etwas andere Technik, die wirkt, als sei man mit Buntstift bei der Arbeit gewesen. Das ist bei der Ansicht der sonstigen Computer-Kolorierung nicht anzunehmen, aber so liegt doch wenigstens der Verdacht nahe, dass hier der Einsatz des Buntstifts simuliert wurde. Auch dieser Effekt, die optische Trennung der Erzählstränge, wirkt sehr gut und gibt den Weisheiten des Luchses Bilderbuchcharakter.
Sehr gut gelungen ist die farbliche Grundstimmung. Zu Beginn ist es schon durch die winterliche Atmosphäre düster, dann wird es kurz aufgerissen durch einen Sonnenaufgang, bis eine lilafarbene Dämmerung Einzug hält und schließlich von der amerikanischen Nacht abgelöst wird.
Eine märchenhafte Abenteuergeschichte mit einer sehr ausgewogenen Mischung der Hauptcharaktere. Didier Crisse zeigt, wie gut er sich in neue Erzählstränge mit mythologischem Hintergrund einfinden kann. Nicolas Keramidas beweist, wie fein er Crisse’ Geschichte umzusetzen weiß. Flüchtig betrachtet, könnten die Bilder einem Zeichentrickfilm entnommen sein und wissen noch mehr als im ersten Teil zu gefallen.
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Stichwörter: didier crisse, nicolas keramidas
Mittwoch, 12. Dezember 2007
Luuna verabschiedet sich von ihrem Vater und macht sich auf den Weg in den Wald. An ihrer Seite sind die kleinen Naturgeister Wompat, Wambat und Wimlat. Sie sind keine richtige Hilfe, sorgen jedoch für sehr viel gute Laune. Und ein heiteres Gemüt braucht Luuna auf ihrem Weg, denn in dieser Nacht soll sie endlich ihrem Totem begegnen.
Aber ihr Weg wird beobachtet. Luuna trifft auf den alten Elch Papaki. Mit ihm stößt sie auf eine kleine Versammlung von Tieren, die sich allesamt vor dieser Nacht gefürchtet haben. Unkui, der schlimmste der bösen Geister, treibt in dieser Nacht sein Unwesen.
Sind die Tiere auch schlau genug, diesem Geist aus dem Weg zu gehen, erhoffen sich andere Waldbewohner geradezu eine Begegnung mit diesem mächtigen dunklen Wesen. Ausgestoßene Indianer, die sich dem Bösen verschrieben haben, beschwören, beten, murmeln rituelle Formeln, einzig, um ihn gnädig zu stimmen.
Das Glück ist ihnen hold. Und Unkui hat auch sofort eine Aufgabe für sie. Sie sollen Luuna jagen.
Die Jäger können nicht ahnen, dass Unkui Luuna längst verdorben hat. Schließlich nimmt sie ihr Schicksal an und verteidigt sich – sehr zum Verdruss der Fremden, die mit einer solchen Gegenwehr nicht gerechnet haben.
Autor Didier Crisse ist abenteuer- und fantasy-erprobt. Mit Serien wie Canari, Ishanti oder Atalante wandelt er über die Kontinente, durch exotische Länder oder durch Mythen. Er stellt ganz offensichtlich gerne Frauen in den Mittelpunkt seiner Geschichten, Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Luuna ist eine solche Frau. Ihre Wurzeln hat sie bei einem ganz besonderen indianischen Stamm, den Paumanoks. Diesen Menschen ist es vergönnt, mit Tieren und Naturgeistern sprechen zu können. Wir begegnen Luuna, als sie sich aufmacht, um ihren Initiationsritus zu absolvieren.
So ist der Einstieg für den Leser schnell gefunden, denn für Luuna beginnt ein vollkommen neues Leben, welches mit den Tagen bisher nicht vergleichbar ist. Crisse lässt den Leser Seite an Seite mit der Hauptfigur in diese neue Welt eintauchen. Zuvor jedoch präsentiert er eine Schrecksekunde zum Auftakt. Die ausgestoßenen Indianer sammeln neue Trophäen, Büffelherzen, um den dunklen Geist milde zu stimmen. Die Szenerie ist gruselig, düster und auch brutal, aber die optische Inszenierung ist milde und geht nicht ins Detail.
Es könnte einmal mehr als disneyische Konzeption betitelt werden. Milder Grusel ist auch dort Trumpf. Die reißerischen Eckzähne des Anführers der Bösewichter spricht Bände. Dem gegenüber steht der Humor. Die Waage schlägt eindeutig zu den Lachern hin aus – alles überdacht von einem gut durchdachten Abenteuer mit einer Prise Prinzessin Mononoke. Der Zauber der Natur, all die Geheimnisse, die zu Naturvölkern einfach dazu gehören, die Gedanken- und Mythenwelt bilden stets eine gute Grundlage für eine märchenhafte Geschichte, die für gute Unterhaltung sorgt. Hier finden sich zusätzlich Aspekte, wie sie aus dem japanischen Unterhaltungs-Kulturkreis her bekannt sind. Luuna verfügt, entgegen der erzählten Norm, über zwei Totems, eine Konsequenz aus dem zweifelhaften Pakt des dunklen Geistes und des Herzens des Waldes. Luuna erhält charakterliche Wolfsmerkmale. Die ehemals eher sanfte junge Frau wird zum kämpferischen Tier – ein Nebeneffekt, den der dunkle Geist wollte, aber dessen Folgen er nicht richtig abgeschätzt hat.
Außerdem wird die junge Frau von den kleinen Waldgeistern begleitet. Darüber hinaus findet in einem anderem Waldgeisterstamm neue Freunde. (Das äußere Erscheinungsbild kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe gesucht, kann aber leider keinen Bezug herstellen. Doch dieses knuffige, etwas anarchische Äußere sehe ich nicht zum ersten Mal.) Eine sehr schöne Parallele zu Prinzessin Mononoke ist Kauyumari, der Herrscher des Waldes, der in Form eines kapitalen Hirsches auftritt. Und auch diesem Gott trachtet man nach dem Leben.
Ungeachtet der Ähnlichkeiten entwickelt Luuna eine sehr große Eigendynamik. Luuna steht allein. Natürlich hat sie Freunde an ihrer Seite, doch es läuft nichts, ohne dass sie den Stein ins Rollen bringt. Aus Freude wird Verzweiflung, aus Verzweiflung wird Kampf. Auf den Kampf folgt die Hoffnung und die Aussicht auf die nächste Folge.
Auf der Basis der Handlung, während der Didier Crisse seine Heldin Luuna auf eine Berg- und Talfahrt schickt, baut Zeichner Nicolas Keramidas seine Zeichnungen auf, die einen ziemlich eigenen Stil haben. Ein Augenmerk liegt dabei auf den Nasen, mit denen er sich von anderen Künstlern unterscheidet. Die Nasen sind kantig und mit einem breiten Rücken ausgeführt. – Wie sehr Nasen zu einem Wiedererkennungseffekt werden können, hat z.B. Albert Uderzo eindrucksvoll vorgeführt. Keramidas hat einen sehr sympathischen Strich. Der Elch Papaki wächst einem sofort ans Herz.
Zwar schränkt Keramidas das Äußere seiner Figuren durch die Kantigkeit und geringe Details selber ein, trotzdem vermitteln die Figuren jegliches erforderliche Gefühl mit großes Genauigkeit, auf den Punkt gebracht. So kann sich auch der Kolorist Bruno Garcia zurücknehmen, da die Zeichnungen auch sehr gut allein in Schwarzweiß wirken könnten – Es wäre jedenfalls schön einmal einen reinen Schwarzweiß-Comic von Keramidas zu sehen.
Perfekte Abenteuer-Unterhaltung in indianischer Umgebung. Mythen, Geister, Grusel, Humor, eine sympathische Hauptfigur ergeben die Mischung für einen soliden und spannenden Start in eine neue Reihe. Wer Indianergeschichten mag – und wer aus dem Lande des Karl May mag sie nicht – bekommt hier sehr schönes Lesefutter.
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Stichwörter: didier crisse, nicolas keramidas, bruno garcia
Dienstag, 21. August 2007
Wayne betrachtet das Abbild der unbekannten Gottheit in diesem Teil des Dschungels. Eigentlich sollte die Statue, die sich hier so nah am Strand findet, bekannt sein. Seltsamerweise scheint aber niemand genaueres zu wissen.
Wayne und seine Freunde geraten immer tiefer in ein seit Jahrhunderten gehütetes Geheimnis. Der junge Mann erfährt durch eine alte Frau zu Melinas Entsetzen von seiner wahren Bestimmung.
In der Vergangenheit gerät Canari von einer furchtbaren Situation in die nächste. Das Zusammentreffen mit den Göttern kann ihr kein Trost sein, da sie von ihnen keine Hilfe erhält. Während der Abwesenheit der Schwestern in himmlischen Gefilden schwebt ihr kleiner in größter Gefahr. Er soll von seinem eigenen Vater den Göttern geopfert werden. Können die Schwestern rechtzeitig zurückkehren, um ihn zu retten?
Die schlechte Nachricht in Canari 2 – Die letzte Welle kommt gleich zu Beginn: Der abschließende Band ist in Vorbereitung. Einerseits ist es begrüßenswert, dass es eine abgeschlossene Geschichte ist. Andererseits ist es keine gute Nachricht, dass das wunderbare Zusammenspiel von Didier Crisse und Carlos Meglia vorbei sein soll. – Doch vorab gilt es erst einmal die zweite Ausgabe zu genießen!
Im zweiten Teil findet eine deutlichere Zweiteilung der beiden Handlungsstränge statt. Gleich zu Beginn verfolgt der Leser gemeinsam mit Wayne die Rätsel, die von der Zeit zurückgelassen wurden. Der Fund im Dschungel, grafisch imposant, ist bereits mit einer gruseligen Atmosphäre umgeben. Crisse und Meglia verstärken den rätselhaften Effekt mit einer ganz einfachen Kameraeinstellung. Die kleinen Geister im Gebüsch sind nur ganz kurz zu sehen und dennoch regt dieses Bild auf ganz tolle Art die Phantasie des Lesers an. Hinzu kommt, dass einer der kleinen Racker einem anderen den Mund zuhält, damit sich die Bande nicht verrät.
Waynes Freunde sorgen für den Humor. Sie sind die ewig streitenden und Faxen machenden letzten kiffenden Surfer – so hat es den Anschein. Für die beiden dürren Hippies gehen der Sommer und die Jugend scheinbar nie zu Ende. Nichts ist ihnen heilig, immer haben sie einen lockeren Spruch auf den Lippen. Nur einmal bleibt auch ihnen jedweder Satz im Halse stecken. Am Ende kann der Leser diese Sprachlosigkeit nur teilen, denn dieser Höhepunkt ist traurig, gigantisch, sehr ernsthaft, aber sehr passend nach einem langen mittleren Abenteuer dieser Trilogie.
Neben Waynes Ausflügen in den Dschungel dürfen wir einen kurzen Blick auf das städtische Mexiko erhaschen. Wer sich in die Bilder einliest, wird einen guten Vergleich zu Produktionen wie Der Weg nach El Dorado ziehen. Optisch existiert eine enge Verwandtschaft. Man mag wieder einmal den Eindruck gewinnen, gerade beim Anblick der Indianer und Mexikaner, dass diese Albentrilogie aus dem Hause Dreamworks entsprungen ist. Das ist natürlich nicht der Fall, aber angesichts der überragenden Qualität des Bandes kann man mit der Überschrift Traumarbeit über diese Ausgabe nicht viel falsch machen.
Meglia lässt die Augen des Betrachters nicht zur Ruhe kommen. So verwendet er keine einheitlichen Seitenraster, an denen man sich festhalten könnte. Der Aufbau ist stets anders. Mal wählt er nur kleine Bilder mit vielen Details oder Großaufnahmen, ein anderes mal weicht er auf doppelseitige Darstellungen aus, die einem mit ihrer Pracht förmlich ins Auge explodieren. Dazu lässt er dunklere Farben auf grelle Farbblitze treffen. Das können nächtliche Himmel, dunkle Gewässer und farbenfrohe Kleidung oder goldener Schmuck sein, der hier optisch aufeinander trifft.
Meglias Spezialität sind große Augen. Er schafft es tatsächlich in unbewegten Bildern Mitleid mit Waynes Freundin Melina, aber natürlich auch mit Canari selbst zu wecken. Die Abenteuer letzterer und ihr Schicksal ist hier dank des Ideenreichtums von Crisse besonders märchenhaft geworden. Das Zusammentreffen mit den Göttern in ihrer ureigenen Sphäre ist eine gelungene Mischung aus Spannung und Humor. Die Sequenz mündet in einer Szene, die Canari und ihre Geschwister auf einem Ritt auf Schwertwalen zeigt. Das Cover des vorliegenden Bandes zeigt einen eigens angefertigten Ausschnitt dieser Szene. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die grafische Qualität des Covers durchgängig im ganzen Album zu finden ist. Wer all die Arbeit, die im Cover zu finden ist, auf den gesamten Band hochrechnet, mag sich mit staunenden Augen ausmalen, wieviel Arbeitszeit in der zweiten Folge von Canari steckt.
Citlaligua, die Göttin des Himmels, ist meine persönliche Favoritenfigur dieses Bandes. Ihr Auftritt ist mit viel Sinn für Atmosphäre und Theatralik in Szene gesetzt worden. Ihr Sternenumhang und der Gang durch das Dimensionstor fesseln das Auge. Die Sprachlosigkeit, die Canari beim Anblick des Himmelsreiches ins Gesicht geschrieben steht, kann man als Leser nur teilen.
Das Ende des zweiten Teils ist pure Dramatik für das Herz und das Auge. Wayne hat seine Bestimmung erkannt und unternimmt das, was ihn auch nach Mexiko geführt, das, von dem er träumte. Doch es dauert lange, bis die Geschichte in diesem Szenario gipfelt, denn die Handlung springt in beiden Erzählsträngen von einer Spannungsspitze zur nächsten. Canari 2 – Die letzte Welle hält, was der erste Teil versprochen hat und setzt noch einen drauf!
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Stichwörter: didier crisse, carlos meglia, canari
Sonntag, 04. Februar 2007
Ishanti führt ein schönes Leben im Palast. Ihre Ausbildung zur heiligen Tempeltänzerin verläuft gut, doch irgendwie ist sie nicht zufrieden. So nutzt sie jede Gelegenheit, um den Palast zu verlassen. – Sehr zum Leidwesen ihres guten Freundes Mun.
Mun hat es nicht leicht mit dem jungen Mädchen. Zu ihrem Glück ist er ein Mann von großer Geduld. Eines Tages geschieht etwas Aufregendes. Besuch aus Saba trifft am königlichen Hof ein. Und mit diesem Besuch kommt Ofra Nektu, eine begnadete Tänzerin, der jede Tempeltänzerin nur nacheifern kann.
Doch dieser dient nicht nur den schönen Künsten. Ofra hat noch ein ganz anderes Ziel.
Hinter den Kulissen haben sich einige Götter zusammengetan, um etwas Unordnung, oder auch eine neue Ordnung in den Götterhimmel zu bringen. Allen voran Anubis und Horus haben einen Weg gefunden, wie sie sich an die Spitze der Götterschar zu bringen gedenken. Natürlich denken die Götter gar nicht daran, sich selbst die Finger schmutzig zu machen. Dafür haben sie immer einen Handlanger parat. Dieser Halunke heißt Razor El Naktub. Von Hause aus in einer verantwortungsvollen Position und sehr unangenehm für Menschen in niedrigen Stellungen, buckelt Razor wohlweislich vor Anubis und folgt den göttlichen Anweisungen.
Ohne es zu wollen wird Ishanti von ihrem Freund Tyi, einem Baulehrling, in ein haarsträubendes Abenteuer hineingezogen.
Ishanti ist der Prototyp eines jungen Mädchens, das mit einem enormen Talent in einem bestimmten Bereich gesegnet ist und dennoch auf ein noch reicheres Leben hofft, in dem es mehr erleben kann und die Welt da draußen kennenlernt. Sie ist ein bißchen jugendlich naiv, sehr freundlich, abenteuerlustig – mit einem Wort ist sie überaus sympathisch.
Die Welt, in der sie lebt, könnte für uns aus heutiger Sicht fremder nicht sein. Es ist eine Welt, in der Götter lebendig und Teil des Alltags sind.
Es ist aber auch eine Welt der Abenteuer und der Wunder. Der Nil ist ein Lebensspender und göttlich. Er kann helfen und töten. Tiere sind ein fester Bestandteil des Lebens, als Freund, zur Nahrung und als Feind.
Diese Welt betrachtet Ishanti gemeinsam mit ihrem kleinen Katzenbegleiter Ramses durch riesengroße, braune Kulleraugen. Tyi, der ihr richtiger Freund sein will und sie am liebsten vom Fleck weg heiraten möchte, und Mun, der väterliche Freund, sind als genaue Gegensätze konzipiert. Der eine ist die Versuchung in Person und sehr unvernünftig, der andere versucht den Ärger von Ishanti fernzuhalten.
Ishantis Welt und ihr Abenteuer sind für den Leser aber auch mit großem Humor durchdrungen. Es beginnt im Kleinen mit Ramses, der als Katze ein außergewöhnlicher Racker ist. Er besitzt einen ähnlichen Charakter wie die kleinen Katzenkinder in Aristocats und ist auch ein wenig kindlich wie Idefix, einer der tierischen Gefährten im Comic-Genre schlechthin. Wie sehr Ramses tatsächlich eine Verbeugung vor diesem Comic-Hund sein kann, findet sich in vielen Anspielungen. Besonders deutlich wird dies in einer Szene, in der Razor und sein Gefährte im Nil Schiffbruch erleiden. Der Kommentar von Razors Diener: Fluctuat Nec Mergitur, bei Teutates! Was ist das für eine komische Sprache? will Razor wissen. Keine Ahnung, es kam einfach so über mich, gibt der Diener zur Antwort.
Dadurch wird sehr deutlich in welche Richtung die Verbeugung von Crisse und Besson geht: Uderzo und Goscinny, durch Asterix und Obelix im Comic-Olymp gelandet sind.
Freilich haben Crisse und Besson noch nicht ganz zum Asterix’schen Humor gefunden, aber auch der kleine Gallier startete nicht von Null auf Hundert. Außerdem kann Ishanti noch nicht von einer ganzen Reihe von Insider-Witzen zehren.
Aber insgesamt besticht Ishanti durch einen derart liebenswerten Humor, dass man die Geschichte einfach lieben muss. Schuld daran sind nicht zuletzt Razor und seine göttlichen Spießgesellen. Selten haben sich Götter derart präsentiert. Außer Anubis und Horus, der ein wenig kurz geraten ist, geben sich auch Opet und Sobek (in gestalt von Nilpferd und Krokodil) die Ehre. Hier wird intrigiert, was das Zeug hält im besten Sinn einer besonders gemeinen Soap-Opera.
Ähnlich wie im Serienauftakt Canari entsteht unter der Zeichenfeder von Didier Crisse und Fred Besson ein Bilderfeuerwerk, die eine hohe Kunstfertigkeit der beiden Macher zur Schau stellt. Anders lässt es sich nicht beschreiben. Aber Crisse und Besson gehen noch einen deutlichen Schritt weiter. Was hier gezeigt wird, ist eine exzellente Computerkolorierung, die so perfekt ausschaut, dass es mich wirklich interessieren würde, wie lange die beiden für eine Seite gebraucht haben.
Es heißt, dass Don Lawrence, Altmeister von Trigan und Storm, am Ende ca. eine Woche für eine Albenseite gebraucht hat – und er arbeitete noch auf herkömmliche Weise. Zum Vergleich möchte ich behaupten, dass bei machen Seiten mit großer Detailvielfalt ähnlich viel Zeit ins Land gegangen ist. Künstlerisch und technisch betrachtet ist Ishanti ein absoluter Augenschmaus geworden.
Wie die erwähnten Uderzo und Goscinny haben auch Crisse und Besson ihre Charaktere überzeichnet, knubbelig, grazil oder wuchtig und in vielen anderen Formen, aber stets im besten frankobelgischen Stil, der bereits vor vielen Jahrzehnten bgeisterte, doch hier auf penible Weise in ein neues Jahrtausend transportiert wurde.
Großartige Grafiken, sehr cartoony, sehr detailverliebt, sehr penibel ausgearbeitet und mit einem feinen Humor geschrieben. Lange gab es nicht mehr ein so liebevoll gestaltetes Szenario im alten Ägypten.
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Stichwörter: didier crisse, fred besson, ishanti
Mittwoch, 22. November 2006
Das Schiff mit den karibischen Gästen nähert sich langsam der mexikanischen Küste. Canari will sich mit ihren Geschwistern aufmachen, um heiliges Wasser zu holen. Gerade dieses Wasser lässt sich gut bei den Gästen verkaufen. Der Ausflug in den Dschungel wird durch das Gequengel und die Unberechenbarkeit der kleinen Geschwister erschwert. Canari, als ältester Tochter, wird die Verantwortung bald zu groß. Kya, die Schwester, und Xuma, der zweitjüngste Sohn, finden sich nach einem Bad im heiligen Wasser schnell wieder, aber der jüngste, Xaotil, bleibt verschwunden.
Voller Sorge machen sich die Drei auf die Suche nach dem Bruder, allen voran Canari, die genau weiß, welche Verantwortung auf ihr lastet. Und sie weiß, dass sie das in sie gesetzte Vertrauen ihrer Eltern enttäuscht hat. Die Panik treibt die Kinder dazu an, sich in noch verbotenere Gefilde zu wagen.
In der Folge eignet sich Xuma einen Armreif an, der eigentlich als Opfergabe für die Götter gedacht war. Das Abenteuer nimmt seinen Lauf.
Andernorts. Wayne ist ein begeisterter Surfer. Warum er ausgerechnet in diesen kleinen verschlafenen mexikanischen Ort wollte, ist seinen Begleitern ein absolutes Rätsel. Er kann es weder ihnen noch sich selbst so recht erklären, was ihn hierher führte. Eines Tages erhielt er eine Postkarte aus dieser Gegend. Es fehlt der Absender, aber er ist neugierig geworden und seither besucht er diesen Ort, sooft er kann. Fakt ist, dass er sich hier wohl fühlt.
Wayne wartet auf den Tsunami, auf die Riesenwelle, die er eines Tages reiten will.
Canari kann nicht warten. Die Suche nach ihrem Bruder wird zum Abenteuer ihres Lebens. Plötzlich erwarten sie fremde Krieger, Dimensionstore und untote Monster, die den Geschwistern hinterher jagen. Gnome, Panther und Götter kreuzen ihren Weg, doch die Kinder geben nicht auf.
Canari – Die goldenen Tränen überrascht den Leser mit grandiosem Artwork und einer Geschichte, die Abenteuer pur ist! Selten hat eine Serie wohl einen so tollen Start hingelegt.
Mittel- und Südamerika bieten für phantastische Geschichten dank einer hohen historischen und mythologischen Dichte einen hervorragenden Nährboden für gute Szenarien. Ein solches haben Autor Didier Crisse und Zeichner Carlos Meglia kreiert.
Crisse ist zum Beispiel mit der Serie Atalante mythologisch vorbelastet und konnte dort bereits zeigen, wie er mit hohem Einfallsreichtum an eine solche Aufgabenstellung herangeht. Canari ist ein junges Mädchen eines archaischen Volkes. Die Götter sind allgegenwärtig, die Natur ist berauschend und bunt, aber auch feindselig. Es kreucht und fleucht an allen Ecken, Vögel fliegen bei Störung auf, Panther sind auf der Jagd, kleine rote Kobolde machen den Menschen das Leben schwer. (Oder verwirren sie wenigstens.) Die Atmosphäre und die Umgebung sind absolut stimmig. Die sorgfältige Gestaltung betrifft auch die Charaktere. Jeder einzelne ist rundum nachvollziehbar und fügt sich hervorragend in das Szenario ein.
Kleine Details, Malereien, Schminke, Schmuck und vieles mehr komplettiert jede Figur höchst individuell.
Canari startet recht harmlos, geheimnisvoll. Der Stil erinnert an alte Zeiten, in denen abendfüllende Disney-Filme noch etwas Besonderes waren. Canari ist im besten Sinne auf dem gleichen Niveau wie Das Dschungelbuch oder Taran und der Zauberkessel.
Wie Canari, Xuma und Kya habe ich als Leser die Handlung mit großen Augen verfolgt. Der Dschungel, der Dimensionssprung der Kinder ist gleichfalls ein Dimensionssprung für den Leser, denn er wird mit all der Fülle der Einzelheiten von der Geschichte festgehalten, bis sie zu Ende ist.
Das wirklich Besondere des vorliegenden ersten Teils von Canari ist die zeichnerische Ausführung, denn die nimmt sehr starke Anleihen am Zeichentrickfilm. Schwarze Outlines gibt es nicht. Wie eben im Vergleich zu Disney angesprochen, erinnert auch die Ausgestaltung optisch an diese Klassiker – handwerklich ist die Ausführung top. Carlos Meglia arbeitet mit allen Finessen: fein ausgearbeitete Hintergründe, beinahe gemäldeartig, vordergründig finden sich eher wenig schattierte Figuren. Farbige Outlines erhöhen den Zeichentrickcharakter, hier und dort verwendete Unschärfen erhöhen den Effekt von Kameraeinstellungen. Meglia verwendet auch die Möglichkeit, den Leser im Rücken der agierenden Figuren zu postieren, als vierte Person, wenn man es so nennen will.
Da Meglia intensiv mit Perspektiven arbeitet, die Kamera auch mal schräg hält, sind die Wirkungen der einzelnen Seiten sehr dynamisch. Die jeweilige Aufteilung ist stets anders und hält neue Überraschungen bereit.
Canari ist ein aufwendig gestaltetes, optisches Meisterwerk.
Toller Auftakt, eine phantastische Geschichte mit sympathischen Charakteren und spannender Handlung. Die Bilder sind ein Hammer!
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Stichwörter: canari, didier crisse, carlos meglia