Samstag, 10. Mai 2008
Was ist die Matrix? – Eine Frage und eine unendliche Anzahl von Antwortmöglichkeiten. Doch wann begann die Matrix? Wo liegt der Ursprung in der Rebellion der Maschinen? Wann wollten Maschinen leben? Vielleicht begann alles mit einem simplen Haushaltsdroiden.
Es ist das alte Lied. Wenn jemand erfährt, dass sein Nutzen nicht den Erwartungen entspricht und er gefeuert werden soll, könnte es schon einmal zu einer Kurzschlussreaktion kommen. In diesem Fall ist letzteres gar nicht so weit hergeholt. B1-66er tötete seinen Herrn. Aber darf er dafür abgeschaltet werden?
Einigen Menschen ist diese Fragenstellung sehr suspekt.
Mir egal, wie klug er ist. Eine Maschine ist immer noch eine Maschine, und eins weiß ich: Wenn meine Zeit gekommen ist, und ich vor dem Himmelstor unseres Herrgotts in der Schlange stehe, will ich ganz bestimmt nicht nach einem Staubsauger dran sein.
Die Autoren Larry & Andy Wachowski beschäftigen sich in ihrer ersten Geschichte dieses Bandes mit Kleinen Informationseinheiten. So maßvoll B1-66er seine Arbeit verrichtete, so maßlos war er im Abschlachten seines Herrn und seiner diversen Schoßhündchen. Geof Darrow zeichnet in sehr exakten Schwarzweißbildern dieses Grauen nach, das in Farbe eher unerträglich wäre – und auch leichtes Magengrimmen verursacht.
Der Auftakt gibt die Richtung des gesamten Bandes vor. Die Matrix nimmt sich ernst. Und die Matrix probiert aus. Ähnlich wie die Animatrix unterschiedliche Wege ging, gibt sich auch die Sammlung einzelner Comic-Geschichten nicht mit einer Gangart zufrieden. Zeitweise werden sogar Erzählung und Illustration miteinander verbunden, so dass man nicht mehr von einem Comic sprechen kann, allenfalls von einer illustrierten Geschichte.
Aber Neil Gaiman war noch nie für seine bequemen Handlungen bekannt. Seine Geschichte Goliath ist ein Paradebeispiel dafür, dafür dass der Leser Sitzfleisch mitbringen muss, denn so schnell ist dieser Band nicht gelesen.
Dafür wird aber auch mit den Umsetzungen richtiggehend gespielt. Ob Cartoon wie mit Kapiert? von Peter Bagge oder im Zeichenstil eines Zeitungsstrips wie In der wirklichen Welt gibt es keine Blumen von David Lapham, der Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt. Im ernsthaften Comic-Stil, sofern es diesen überhaupt gibt, kommen die Folgen Schmetterling von Dave Gibbons und Künstlerische Freiheit von Ryder Windham und Kilian Plunkett.
Die Menschen bekämpfen die Matrix und ihre Herren absichtlich, aber auch zufällig, wie Schmetterling zeigt. War die Episode von Neil Gaiman besonders textlastig, kommt die Geschichte von Dave Gibbons komplett ohne Text aus (fast, denn das bißchen Text entdeckt man erst auf den zweiten Blick). Andere Menschen haben eine Ahnung von der Matrix, die sie nicht haben dürften. Wieder andere bekämpfen die Maschinen Auge in Auge mit der mechanischen Bestie. Mit Ein ganz besonderes Schwert liefert ein Künstler namens Troy Nixey zusammen mit dem Koloristen Dave McCaig eine Geschichte ab, deren grafischer Stil an Guy Davis und seine Zombie-Interpretationen erinnert. Durch Kolorist McCaig entsteht sogar ein Zeichentrickeffekt, der jener ersten Trickepisode von Als die Zombies die Welt auffraßen nahe kommt.
Der persönliche Favorit, obwohl sehr vorhersehbar konstruiert, ist Künstlerische Freiheit. Eine Künstlerin formt Gebilde, die jenen Maschinen ähneln, die ständig auf der Jagd nach freien Menschen sind. Sie ahnt nicht, dass diese Gebilde der Realität entsprechen. Dass der Blick, den sie in einer Vision aus einer Versorgungskammer warf, echt war. Dass sie für einen winzigen Moment die Wahrheit sehen konnte.
Wer die Animatrix mochte, kann sich auf diese Comic-Ausgabe freuen. Neue Blickwinkel, weitere erzählerische Ansätze, unter denen durch die verschiedenen künstlerischen Umsetzungen für jeden etwas dabei ist.
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Stichwörter: neil gaiman, larry wachowski, dave gibbons
Mittwoch, 13. Februar 2008
Sinestro beschwört die Gelbe Laterne und lädt seine Macht auf. Vom Hass erfüllt, strahlt der Verbrecher in altem Glanz und setzt seinen Plan von der Erschaffung eines eigenen Corps fort. Unterdessen sind die Helden auf der Erde noch ratlos. Sich mit Zoom zu schlagen, lenkt sie eher von ihrem wahren Problem des Sinestro Corps ab. Hal Jordan findet die Antwort auf der Erde nicht. Kurz darauf kehrt er ins All zurück, nicht ahnend, dass sich schon bald alles für ihn verändern wird.
Green Lanterns (oder auch in alter Zeit: die Grünen Leuchten) sind als Organisation wie auch als Einzelcharaktere immer eine gute Grundlage für Geschichten gewesen. Dank der vielen Möglichkeiten, die sich aus einer intergalaktischen Wächtertruppe ergeben, können Autoren sich vieles einfallen lassen, das im eng begrenzten Raum der Erde so nicht machbar wäre. Einer der guten alten Feinde der Grünen Leuchte, Verzeihung, Green Lantern ist Sinestro. Sein Ring, der mit gelber Energie funktioniert, besaß früher die Oberhand über die Ringe der Green Lanterns – wegen ihrer Verteidigungslosigkeit gegen Gelb.
Inzwischen hat sich das geändert. Ähnlich wie die Furcht in Star Wars eine Beeinflussung der Macht bewirken kann, ist die Furcht hier dafür verantwortlich, wenn Grün gegen Gelb nicht mehr bestehen kann.
Waren schon die Auseinandersetzungen zwischen Sinestro und Hal Jordan, der Ur-Leuchte, spannend genug, führt der Sinestro Corps War die Linie der Massenspektakel fort und hetzt eine Armee von Gelben gegen das Corps der Grünen.
Der Auftakt hierzu wird von Geoff Johns geschrieben. Sinestro ist wieder da, während auf der Erde sich die Helden fragen, was es mit dem gelben Ring auf sich hatte, der Batman dazu aufforderte, sich den Sinestro Corps anzuschließen – Batmans indirekte Bewerbung für dieses Corps war seine Fähigkeit, bei anderen, insbesondere Schurken, Furcht zu erzeugen. Batman lehnte ab.
Das ist jedoch bei vielen anderen Kandidaten im Weltall nicht der Fall. Die Wesen, die Sinestro um sich versammelt, sind dank der zeichnerischen Fähigkeiten von Ethan Van Sciver eine wahre Horror-Show geworden. Monströse Fratzen, an Dinosaurier oder entstellte Vampire erinnernd, durchsichtige Figuren, die in ihrem Innern etwas verdauen, das an menschliche Knochen erinnert. Und es kommt noch besser. Ein Superman-Cyborg, dessen Erscheinungsbild grandios an einen Terminator erinnert, sowie Superboy Prime, jener Chaot, der mit seinen Gewaltakten ein ganzes Comic-Universum umkrempelte, sind auch mit von der Partie.
Alleine durch die letztgenannten Fieslinge wird es für den Leser deutlich, dass es mehr als nur hoch her gehen wird.
Und tatsächlich, als Ivan Reis in der nächsten Episode in diesem Band den Zeichenstift übernimmt, kommt es bereits zur (vom Leser wohl auch ersehnten) nächsten Konfrontation.
Die Vielfalt der verschiedenen Wesen macht auch einen der vielen Reize dieses Abenteuers aus. Neben den zahlreichen Völkern, die bei den Green Lanterns vertreten sind, existieren im Sinestro Corps Wesen, von denen manche als Hommage erscheinen. Jene attraktive Frau im gelbschwarzen Dress ist körperlich gut anzuschauen, aber ihr Gesicht ist häufiger durch ihre langen Haare verhüllt. (Später erfährt der Leser auch wieso.) Irgendwie fühlt man sich an den Ring erinnert, an jene Kreatur, die nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne ihre Opfer holen kam. Ob Hommage oder nicht, letzteres haben die beiden Monströsitäten auf jeden Fall gemeinsam, wenngleich die Gelbe Leuchte mit dem Furcht erregenden Gesicht viel brutaler zu Werke geht. – Und nicht nur sie.
So bieten sich in der dritten Episode Einblicke, die nicht an der Tagesordnung sind. Krieg verursacht Opfer, doch hier ist das Zeichnerteam Patrick Gleason und Angel Unzueta, die den Stift von Reis übernommen haben, vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen.
Johns wird hier abgelöst von Dave Gibbons, der den Leser nun auf Nebenschauplätze führt und an der Seite von Sinestro nach Hause zurückkehrt.
Ethan Van Sciver, Ivan Reis, Patrick Gleason und Angel Unzueta schenken sich gegenseitig nichts. Das zeichnerische Niveau bleibt durchgehend hoch. Die Zeichnungen von Van Sciver und Reis gefallen mir etwas besser, doch das ist ein rein subjektiver Eindruck, und mag auch mit der tollen Tuschearbeit von Oclair Albert zu den Zeichnungen von Reis zusammenhängen.
Unbestritten gut ist die Arbeit des Koloristen Moose Baumann, der die beiden Episoden von Van Sciver und Reis mit exzellenten Farbspielen bereichert. Wie toll sich Eindrücke nur mit Varianten von Gelb und Grün schaffen lassen, kann hier beispielhaft richtig bestaunt werden.
Es herrscht Krieg. Das DC-Universum kommt nicht zur Ruhe. Packende Action dank sehr guter Künstler und eine gute Erzählung dank versierter Autoren. Mit dieser Saga um das Sinestro Corps War gibt die Figur der Grünen Leuchte noch einmal richtig Gas.
Stichwörter: geoff johns, ivan reis, dave gibbons, ethan van sciver
Dienstag, 14. August 2007
Er ist ein Mörder. Töten ist sein Beruf. Er geht ohne Mitleid ans Werk. Trotzdem gibt es diesen Alptraum. Sie beobachten ihn. Sie sehen, wie er tötet. Beobachtet zu werden, wie er arbeitet, ist für ihn furchtbar. Nun ist er an Bord eines Raumschiffs. – Aber er ist nicht der einzige Killer an Bord.
Das Ungeheuer an Bord ist nicht menschlich, und es ist riesig. Niemand hat es genau gesehen, aber alle wissen, was es ausrichten kann. Frank will es wissen. Alleine – denn alleine kann er am meisten ausrichten – macht er sich auf die Suche. Er so oft getötet, warum nicht auch ein Monster?
Sie greifen an! Mein Gott! Sie greifen an. Sie sind überall!
So schnell wie der Kampf begann, endet er auch. Charlie weckt seinen Vater, damit dieser eine Runde Baseball mit ihm spielt. Baseball ist harmlos, gäbe es nicht die Nachbarn, die sich über eine harmlose Runde Baseball aufregen und sich plötzlich in eine monströse Kreatur verwandeln und den eigenen Sohn bedrohen. Wieder wacht er in seiner Pilotenliege auf. Hat er geträumt? Und falls ja, wie kann ihm solch ein Traum einfallen?
Das Pärchen nähert sich dem abgestürzten Fluggerät. Sie hat furchtbare Angst, aber er will unbedingt sehen, was sich im Inneren verbirgt.
Und tatsächlich: Ein riesenhafter außerirdischer Pilot liegt regungslos vor den Steuereinheiten. Zuerst gibt es ein Missverständnis. Obwohl er von humanoider Gestalt ist, scheint er kein richtiges Gesicht zu besitzen. Eine Untersuchung führt ein anderes Ergebnis zutage. Ein spinnenartiges Wesen hatte sich auf dem Gesicht des Fremden festgesaugt. Nun scheint es tot zu sein und lässt sich ohne Gegenwehr abheben. Allerdings ist das wirkliche Antlitz des Besuchers nicht weniger furchteinflößend. Da geschieht das Unfassbare!
Die Flucht aus dem infizierten Raumschiff scheint die einzige vernünftige Lösung zu sein. Leider ist das Kapitän des Schiffes nicht mehr Herr seiner Sinne. Der Gehilfe, dem er erlaubt ihn zu begleiten, wird sich bald der Tatsache bewusst, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann er selbst zum Ziel des Wahnsinnigen wird. Die Lage verbessert sich nicht durch die lebensfeindliche Umgebung, in der sie nach ihrem Absturz gestrandet sind.
Die vier Geschichten im vorliegenden ersten Band der neuen Aliens-Reihe nehmen den Leser mit auf einen Horrortrip durch sehr unterschiedliche Szenarios von einigen der bekanntesten Autoren und Zeichnern der Comic-Szene. David Lloyd (V wie Vendetta, Kickback), Guy Davis (B.U.A.P.), John Byrne (Die Fantastischen Vier), Mike Mignola (Hellboy) und Dave Gibbons (Watchmen) nahmen die Gelegenheit wahr, um sich im Universum der Filmmonster nach einem Design von H.R. Giger zu verewigen.
Bis auf die fast schon nostalgisch zu nennende Geschichte von John Byrne hat es alle anderen Szenarien in die Zukunft verschlagen. Es kann in diesem Band nur persönliche Favoriten geben, denn jede Geschichte für sich selbst genommen, kann begeistern und ist gemäß ihrer Länge für eine gehörige Portion Spannung gut.
Earth Angel ist wegen ihres nostalgischen Ausflugs in die goldenen Horror-40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ein tolles Kleinod. Byrne zeigt die Bergung eines Außerirdischen aus seinem abgestürzten Raumschiff und hält sich nicht lange mit Erklärungsversuchen auf. Die Aliens sind da und gehen bald auf Jagd. Gemäß des ungeschriebenen Gesetzes, dass Aliens auch stets ein Stück ihres Aussehens aus ihrem Wirt beziehen, hat dieses ganz besondere Alien auch eine ungewöhnliche Stirnpartie. Der Außerirdische konnte sich leider nicht mehr sehr gut artikulieren, bevor das Alien-Jungtier seinen Brutkasten verließ. Damit nicht genug. Diese neue Alien-Gattung ist riesig im Vergleich zu ihren filmischen Vorbildern (von einer Königin einmal abgesehen). Sein Körperbau ist langgliedrig, spinnenhaft. Byrne lässt es aus der Deckung heraus angreifen, in einen plötzlichen Lichtstrahl getaucht, ganz so in der Art, wie der Leser es vielleicht einst in der ersten Verfilmung von Ridley Scott kennen lernte.
Erlösung ist für den Überlebenden der Absturzkatastrophe scheinbar in weite Ferne gerückt. Gibbons gönnt seinem Kämpfer gegen die Monster nicht einmal eine gewohnte Umgebung, sondern lässt ihn auf einem unwirtlichen Planeten stranden. Allein mit sich und seinem Glauben kommt er in Etappen hinter das Geheimnis dieses Absturzes. Mike Mignolas Bilder erschaffen eine fremdartige Welt in düsterem Schwarzweiß. Wie er seine Technik nutzt, um die Aliens in Szene zu setzen, hat schon Storyboard-Charakter. Drastisch führen die beiden Macher dem Leser die Erbarmungslosigkeit der Aliens vor Augen. Der Überfall der Aliens auf die ansässigen Ureinwohner ist blanker Horror, die abschließende Szene ist äußerst rasant – und sehr schlüssig. Gibbons und Mignola haben eine der rundesten Geschichten dieses Bandes geschrieben und gezeichnet.
Ebenso wenig wie die beiden Comic-Autoren so gönnt auch David Lloyd seinem Protagonisten in Glaskorridor nichts. Ein Killer hat keine Gnade zu erwarten. So gesehen, ist die Geschichte ein wenig vorhersehbar, aber dafür nicht weniger spannend, da man nicht erahnen kann, wie es passieren wird. Mit dieser Frage schafft es Lloyd, den Leser bis zum Ende zu fesseln – und er festigt mit dieser Geschichte einmal mehr seine Qualitäten als Schwarzweiß-Zeichner.
Einen puren Albtraum hat Guy Davis inszeniert, anders lässt es sich wirklich nicht nennen. Koloriert, wie in B.U.A.P., hat Davis einen vortrefflichen Stil gefunden. In Schwarzweiß und im direkten Vergleich zu Lloyd oder Mignola kann sein skizzenhafter Stil vielleicht nicht jedem Comic-Fan schnell gefallen. Hierbei muss jedoch beachtet werden, wie Davis seine Technik einsetzt und beinahe etwas von einer Gerichtszeichnung hat. Diese Momentaufnahmen des Horrors schaffen es auf ihre besondere Art eine besonders dichte Gruselatmosphäre aufzubauen.
Vier sehr unterschiedliche Geschichten, unter denen für jeden Horror- und SciFi-Fan etwas dabei sein dürfte. Fans der Aliens werden mit diesem Nachschub an spannenden Handlungen etwas weniger ungeduldig auf die nächste Verfilmung warten können.
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Stichwörter: david lloyd, guy davis, john byrne, dave gibbons, mike mignola, aliens