Donnerstag, 17. Juli 2008
Wie stark ist Superman eigentlich? Wie hoch ist der Grad seiner so genannten Unverwundbarkeit? Gibt es da wirklich gar nichts, das ihm etwas anhaben kann? Jemand der Lastkraftwagen durch die Luft trägt und tiefste Unterkühlungen aushält, was könnte einem solchen Wesen Schaden zufügen? Nicht nur Superman selbst ist es, der sich solche Fragen stellt. Viele andere, darunter auch Feinde stellen sich genau diese Fragen. Aber sie haben noch keine Lösung gefunden. Wenn sie wüssten, was Ma und Pa Kent wissen, die in diesem kleinen Ort namens Smallville leben … Vielleicht wäre dann alles ein wenig anders.
Superman ist nicht sicher, ob der Weg, den er geht, der richtige ist. Einerseits will er helfen, aber es nagt auch jedes Mal die Angst an ihm. Wird dieser Einsatz der letzte sein? Wird dies oder jenes mich töten? Andererseits möchte er auch gerne bei seiner großen Liebe sein, die sich immer noch nicht daran gewöhnt hat, den Mann, den sie liebt, mit der ganzen Welt zu teilen.
Zu diesem Zeitpunkt, als sich Superman die Frage erneut stellt, ob dies nun seine letzte Hilfsaktion ist, trifft sich Lois Lane mit dem Casino-Betreiber Tony Gallo. Weltmännisch und gewandt ist es für ein Leichtes, Lois zu becircen. Superman, der kurz zuvor noch glaubte, in einem unterirdischen Lavastrom zu ersticken, muss enttäuscht mit ansehen, wie Lois mit einem Gutenachtkuss verabschiedet wird. Ihre Miene lässt keinen Zweifel. Der Abend hat ihr gefallen.
Superman Confidential lautet die Überschrift dieser neuen Saga um den Stählernen aus der Feder von Darwyn Cooke, der jüngst mit einer Neuerzählung von The Spirit auf sich aufmerksam machte. Jedermann – jeder Comic-Fan- weiß, dass Kryptonit die Achillesferse von Superman ist. Hier präsentiert sich dieser Stoff in einer neuen Interpretation, in einer variierten Version von Supermans Werdegang.
Ein riesiger Brocken des grünen Gesteins überdauert die Zeit auf dem Planeten Erde. Es ist etwas in ihm gefangen und der einzige, der helfen kann, ist jener Held. Doch zuvor muss Superman dem Kryptonit gegenübertreten. Um zu helfen, muss Superman sein eigenes Leben aufs Spiel setzen.
Darwyn Cooke fügt dem allseits bekannten Dreiecksgespann Superman, Lois Lane und Lex Luthor einen weiteren Baustein in Form des skrupellosen Tony Gallo hinzu. Diese Figur fällt mit ihrer sizilianischen Vergangenheit ein wenig aus dem Konzept Supermans und würde in dieser Aufbereitung eher bei Batman gefunden werden. (Zumal ihr Ausgangspunkt nicht unähnlich ist.) Charmant, verbrecherisch, kühl, wahnsinnig, eloquent. So gegensätzlich diese Eigenschaften auch sein mögen, so tragen sie doch zu einer gelungenen Figur bei, die eine erfreuliche Abwechslung bildet und nicht unecht wirkt.
An Darwy Cookes Seite zeichnet Tim Sale. Der grafische Stil zeigt sich in einer Mischung aus bekannten Bildern von Cooke selbst wie auch eines anderen bekannten Autors und Zeichners, der seinerseits Neuinterpretationen eines bekannten Helden wagte. Frank Miller (zur Zeit mit der Verfilmung von The Spirit beschäftigt, womit sich der Kreis wieder schließt) kommt mit seiner grafischen Ausdrucksweise Sale sehr nahe – nimmt man einmal Sin City davon aus, wo er auf geniale Weise über sich hinauswuchs.
Sale hat eine sehr einfache grafische Ausdrucksweise, einfacher als Cooke und weniger einfach als Miller. Manche Bilder wirken kindlich, manche cartoony und wieder andere haben eine tolle Wirkung, wenn sie die Richtung einer Karikatur einschlagen.
Der Mangel an Details und die Konzentration auf die wesentlichen Elemente einer Szene erinnern natürlich sehr an Cooke und seine Zeichentrickfilme auf Papier. Jemand, dem diese Art Bilder gerade recht kommen, ist Kolorist Dave Stewart, der hier ganz aus dem Vollen seiner Kreativität und seines Talents schöpfen kann und so den Eindruck eines Trickfilms noch verstärkt – wie auch den Eindruck einer Art Retrospektive in die Vergangenheit des Comic-Machens überhaupt. Ein ähnlich gutes Zusammenspiel legt Stewart mit Guy Davis vor, einem ebensolchen eigensinnigen Zeichner, wie es augenscheinlich Tim Sale ist.
Eine interessante Interpretation eines Superman-Abenteuers, ungewöhnlich erzählt und bebildert. Wegen des schnörkellosen und sehr geradlinigen Charakters in Wort und Bild vielleicht nicht für jeden Supie-Fan geeignet, der eher ein bombastisches Abenteuer mit Bildern im Stile von Jim Lee mag. Wer Cooke selbst oder auch Ed McGuinness gut findet, liegt hiermit richtiger.
Stichwörter: darwyn cooke, tim sale, dave stewart
Montag, 26. Mai 2008
Ginger Coffee wurde entführt. Dies ist ein Fall für den Spirit. Keine Frage. Obwohl Ginger in de Gewalt ihrer Entführer große Angst hat – weil diese wirklich Frucht einflößend sind – ist sie von ihrem Retter nicht begeistert. Vielleicht will er bloß Publicity, weil er jemanden vom Fernsehen gerettet hat? Oder er macht das nur wegen einer Belohnung. – Mit Ginger Coffee hat es der Spirit in der Tat nicht leicht.
Denny Colt, so der Name des Spirits im wahren Leben, gehört nicht zu den Männern, die einen Abend auf der Couch der Verbrecherjagd vorziehen. Ellen, die sich alle Mühe gibt, Denny von den Vorzügen eines heimeligen Abends zu überzeugen, findet nach ihrer Rückkehr aus der Küche nur noch ein leeres Sofa vor.
Denny ist bereits wieder auf der Jagd.
Darwyn Cooke pflegt einen Animations-Stil. Bereits bei der Witchblade Animated konnte dies mit Kollege J. Bone unter Beweis gestellt werden. Wer in den vergangenen Jahren Serien wie Superman, Batman, Batman & Robin, Batman Beyond, Justice League verfolgt hat, der weiß, wie Darwyn Cooke zeichnet. (Kein Wunder, hat Cooke doch an den beiden erstgenannten Serien mitgearbeitet.) Mit der kommenden Veröffentlichung Batman/The Spirit schließt sich der Kreis wieder.
Wer sich den echten Spirit anschaut, weiß ebenfalls wie karikativ, wie humorvoll die von Will Eisner geschaffene Figur war und wie sie zugunsten anderer Charaktere auch einmal beiseite stand.
Der Spirit von Darwyn Cooke steht viel mehr im Mittelpunkt. Er hat sich den Humor allerdings erhalten. Auch dieser Spirit ist manchmal ein verhinderter Held, dem auch ein bißchen Slapstick gut zu Gesicht steht, der aber auch in staubernsten Situationen zu begeistern weiß.
Der neue Spirit hat sich das Gefühl der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts bewahrt. Selten nur sind die Momente, in denen eine andere Zeitrechnung spürbar ist. Interessant ist die Vorgehensweise der Geschichten. Im Kern ist eine durchaus ernsthafte Komponente und doch ist manche Figur weit davon entfernt die Sachlage mit dem nötigen Ernst anzugehen. Hussein Hussein ist solch eine Figur. Ein Alleswisser, einer, der sich selbst charmant und witzig findet, jemand, dessen Mundwerk nie still zu stehen scheint. Miss P’Gell ist die geheimnisvolle Sexbombe, die auch eine Spur realistischer als andere gezeichnet ist. Der Commissioner könnte bei Cooke ein Bruder von Popeye sein, mit kantigem überbetontem Kinn und finster verkniffenen Augen.
Darwyn Cooke erhält auch die Spielereien mit dem Namen des Spirit und weiß sich auch hier durch gelungene Phantasie zu beweisen. Der Schriftzug glänzt auf einem regennassen Zaun, in einer Wüste, gebildet durch Kakteen.
Am besten ist dieser neue Spirit, wenn der Geist der alten Reihe richtig erfasst werden soll, denn Cooke schafft es wirklich, die Figur in das neue Jahrtausend zu transportieren. Besonders deutlich ist dies abzulesen, wenn der Spirit zum Werbestar wird und sein Konterfei in bester putziger Manga-Manier auf einer Konservendose mit einem (unappetitlichen) Kinderfrühstücksessen prangt.
Mister Carrion und sein Hausgeier Miss Julia dürften zu den seltsamsten Gaunern gehören, die jüngst die Comic-Thriller unsicher machten. Doch sollte man sich als Leser durch diese merkwürdige Konstellation nicht täuschen lassen, denn die bösen Jungs (obwohl mitunter lächerlich aussehend) nehmen ihren Job sehr ernst.
Der Spirit ist wieder da, ein Spirit für Kids, nicht unernst, so doch mit dem Spirit von TV-Zeichentrickserien der jüngeren Generation aus dem Hause DC, sehr unterhaltsam. Mit Darwyn Cooke gewinnt dieser Held sicherlich einen Macher, der das Potential der Figur erfasst und fein ins neue Jahrtausend transportiert hat.
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Stichwörter: darwyn cooke, will eisner
Mittwoch, 13. Dezember 2006
Die Magdalena, die Kämpferin des Vatikans bereitet sich auf ihre nächste Mission vor. Ein schändliches Verbrechen wurde begangen.
Die Kämpferin, die dazu auserkoren ist, die kirchlichen Gesetze zu schützen, hat die Befugnisse, alle erdenklichen Mittel einzusetzen – auch wenn es bedeutet, dass unschuldiges Blut vergossen werden muss.
Sara Pezzini ermittelt in einem neuen Fall. Die Trägerin der Witchblade wird zu einem Mord gerufen. Pater Brennan wurde äußerst brutal getötet. Sara nimmt diesen Fall persönlich und nimmt die Szene mit der erforderlichen Härte vor. Dank der Witchblade glaubt sie, auf jede Eventualität vorbereitet zu sein. Sie täuscht sich.
Als sie in die Lagerhalle eindringt, wird sie bereits erwartet. Aus einigen Darklings werden Hunderte. Und ihr Herr, die Darkness persönlich, ist auch nicht weit. Mit dem Eintreffen einer dritten Partei hat aber keiner der beiden gerechnet. Für die Magdalena geht es nicht nur um einen Toten. Sollte sie versagen, wird eine neue Macht auf Erden erwachsen, die niemand mehr aufhalten kann.
Witchblade Animated präsentiert dem Leser die Abenteuer der gefährlichsten Polizistin der Welt im inzwischen sehr bekannten Stil moderner Zeichentrick-TV-Serien. Gleichzeitig gibt es einmal mehr ein Crossover mit der Darkness und der Magdalena.
Mit der Serie Batman: Animated Series brach seinerzeit ein wahrer neuer Zeichentrick-Boom im Fernsehen aus. Die neue Dynamik der Szenen erhielt viele Fans. Ohne den Erfolg wären viele Nachzügler nicht möglich gewesen, so aus dem DC- und dem Marvel-Universum und vielleicht auch nicht die Witchblade-Anime-Serie, die aber im Gegensatz zum Original-Witchblade-Universum einen völlig anderen erzählerischen Weg verfolgt.
Die vorliegende Ausgabe Witchblade Animated spielt mit dem Zeichenstil aus den erwähnten Serien der westlichen Welt. Die Frauen sind schlank, sie haben dreieckig, abgerundete puppenähnliche Gesichter und meist sitzt ihre Kleidung viel zu eng – letzteres trifft auch auf die männlichen Actionhelden zu. Dem entgegen steht das Aussehen der Gegner, die meistens mehr Profil zu bieten haben und weniger glatt entworfen sind.
Autor Paul Dini werden Fans von Comic und Trickfilm vielleicht schon der erwähnten Batman-Serie her kennen (oder auch von Superman, Freakazoid, Droids, Hulk und anderen). Hier zeigt sich, dass Dini auch anderen Universen neue Blickwinkel entlocken kann. Man merkt dank der sehr konzentrierten Erzählung, dass man es hier mit sehr viel Versiertheit zu tun hat – kein Wunder bei einem solchen Veteranen auf dem Gebiet der Comics.
Wer allerdings glaubt, Dinis Ausflug in das Comic-Universum der Witchblade sei eher harmlos zu nennen, da seine bisherigen Erzählungen eher auf Kinder ausgerichtet waren, täuscht sich. In Sachen Action und Grusel steht Wichblade Animated den realistisch gezeichneten Episoden in nichts nach.
Das Team The BBC, die Künstler J. Bone, David Bullock und Darwyn Cooke, ist für die grafische Gestaltung verantwortlich.
Auch hier findet sich ein Veteran des Zeichentricks. Darwyn Cooke ist bekannt als Storyboard-Zeichner für The New Batman Adventures und trat als Schreiber für die Justice League in Erscheinung. Erstere Tätigkeit bürgt für die Qualität der Bilder im vorliegenden Band.
Wer die Bilder und Seiten mit anderen Episoden vergleicht, wird feststellen, dass versucht wurde, die Rasanz die einer Zeichentrick-Episode zueigen ist, auf das Papier zu bannen. Besonders deutlich wird das im zweiten Teil der Geschichte, wenn sich die Darkness völlig entfesselt seinen Feinden stellt.
Eine schöne Ausnahmeerzählung im Witchblade-Kosmos und ein gut gelungenes Comic-Experiment. Davon dürfte es mehr geben.
Stichwörter: paul dini, j. bone, david bullock, darwyn cooke, witchblade, magdalena, darkness