Freitag, 07. Dezember 2007
Der Ghost Rider hat den Teufel gefunden. In Gestalt des Schurken Jack O’Lantern tyrannisiert der Fürst der Finsternis ein kleines Städtchen im Nirgendwo von Illinois. Bevor Johnny Blaze jedoch helfen kann, wird er zunächst selbst für den Unhold gehalten – was er auf gewisse Art auch ist.
Der örtliche Sheriff ist darauf bedacht, sein Städtchen zu beschützen. Auch ein schaurig aussehender Biker jagt ihm nicht die Furcht ein, wie es sonst der Fall ist. Sehr bald kristallisiert sich für den Gesetzeshüter der wahre Feind heraus. Plötzlich entsteht ein ungewohntes Duo gegen den Teufel. Damit nicht genug: Sheriff O’Connor muss sich seinem ganz persönlichen Alptraum stellen.
Der Civil War hat Spuren hinterlassen, nicht nur die offensichtlichen Spuren. An den Rändern sind Lücken entstanden, die für Schurken und Bösewichte neue Chancen erbracht haben. Der Ghost Rider trifft auf einen alten Feind im neuen Gewand. In einer kleinen Stadt mit dem klassischen Namen Sleepy Hollow kommt es zu einem ungewöhnlichen Kampf zwischen dem Ghost Rider und dem Satan, der sich eine interessante Inkarnation ausgesucht hat.
Autor Daniel Way greift die alte Mär um den kopflosen Reiter auf und entwirft in Anlehnung an dieses alte Gruselmärchen eine eigene Version, angesiedelt im Marvel-Universum. Sleepy Hollow ist ein amerikanisches Städtchen, wie man es nur aus Amerika her kennt. Abgelegen, irgendwo in Illinois, mit Häusern, nicht höher als 4 Etagen und einer kleinen Brücke auf der Landstraße, die zum Ort führt. Dieses Städtchen hat alles das, was die Grusel- und Horrorfans aus dem üblichen Slasher-Film her kennen.
Wie der Horror platziert wird, ist einerseits im Stile von Genre-Klassikern, andererseits aber auch neu. Das alte Ehepaar am Küchentisch, gefesselt, der grausige Mörder vor dem Fernseher – es schüttelt einen. Später tritt Jack O’Lantern mit einer ganzen Armee, die er auf dem Friedhof erweckt hat, zum Kampf an. Zombies in Sleepy Hollow – auf ungewöhnlich harte Art räumen Ghost Rider und der Sheriff Harry O’Connor unter den Untoten auf.
Der typische Kleinstadtsheriff ist darauf bedacht, das Städtchen sauber zu halten. Doch was bei Rambo nicht funktionierte, funktioniert schon gar nicht bei einem Herumtreiber, der sich in ein mit Motorradkluft ausstaffiertes brennendes Skelett verwandeln kann. Die Überraschung ist auch auf der Seite des Lesers, wenn sich Johnny Blaze dem Gesetzeshüter offenbart. Noch größer mag die Überraschung sein, wenn sich Jack O’Lantern als die neue Inkarnation des Satans vorstellt. Der Teufel, der auf Erden wandelt und die Körpern von Verstorbenen übernimmt, hat aus dem ehemaligen Superschurken eine Figur des Grauens gemacht.
Halten sich die Darstellungen in der Geschichte selber noch etwas zurück, so sind die Cover-Abbildungen grafische Hammer. Das soll die Bilder des Comics nicht schmälern, die wirklich überdurchschnittlich sind, aber angesichts der Gestaltung eines Jack O’Lantern aus dessen Maul flüssiges Feuer trieft und der Qualität der Zeichnung kann man nicht erwarten, dass sich dieser Aufwand durch ein gesamtes Heft oder eine Miniserie hält.
Verantwortlich für die grafische Attraktivität und Qualität des Comics sind Mark Texeira und Javier Saltares. Dank ihrer Fähigkeiten dürfte der Kampf von O’Connor gegen den untoten Cameron wie auch die Schlacht gegen das Heer der Zombies zu einem gruseligen Höhepunkt zählen – darüber sind wahrscheinlich nur noch die Zombie-Geschichten aus der Marvel-Schmiede angesiedelt, die jüngst erschienen und in denen sich ein Robert Kirkman mit schwärzestem Humor austoben durfte.
Der Humor, auf eine ganz eigene Art, fehlt auch hier nicht. Der Teufel, der an Halloween seine Gefolgschaft um sich sammelt, hat einen gewissen Charme. Aus Buffy oder anderen Publikationen ist man den Anblick von Händen gewohnt, die sich aus der Erde wühlen. Derlei Hände, die sich zu Wort melden, sind schon seltener.
Knallharte Horror-Action in Sleepy Hollow am Halloween-Abend: Ghost Rider trifft auf einen abnormen Jack O’Lantern. Das weckt Erwartungen, die alle gestillt werden. Ghost Rider ist perfekt im neuen Jahrtausend angekommen und verbreitet, wozu er geschaffen wurde: Horror. So muss es sein.
Stichwörter: mark texeira, javier saltares, daniel way
Mittwoch, 02. Mai 2007
Der Ghost Rider will aus der Hölle entkommen. Doch so oft er es auch versucht, immer gerät er dabei in eine bestens vorbereitete Falle Luzifers. Je größer Ghost Riders Zorn und Verzweiflung darüber sind, desto höher ist der Grad der Freude bei dem Fürsten der Finsternis.
Aber Johnny Blaze, der Ghost Rider, erhält eine unerwartete Chance. Ein kleiner Dämon, der sonst nur dafür zuständig ist, dass die Hölle weiter ausgeschachtet wird, damit für die verdammten Seelen mehr Platz ist, will Ghost Rider bei der Flucht helfen. Johnny kann dem Angebot nicht widerstehen. Endlich ist er wieder zurück auf der Erde.
Die Welt ist nicht besser geworden während seiner Abwesenheit. Nicht nur das, konnte er in der Hölle unterwegs sein, so oft und so lange er wollte, geht ihm sofort nach seiner Ankunft das Benzin aus. Eine helfende Hand, von einer freundlichen Truckerin gereicht, missdeutet er als neuen Schachzug Luzifers. Nur ihrem Mitleid ist es zu verdanken, dass sie ihn doch noch mitnimmt.
Verglichen mit diesen kleinen Schwierigkeiten der Eingewöhnung sind die nachfolgenden Geschehnisse wahre Katastrophen. Johnny will es sich zuerst nicht eingestehen, aber er kam nicht alleine. Luzifer hat einen Trick benutzt und treibt sich nun ebenfalls auf den schier endlosen Highways herum.
Vorerst kann Johnny den Teufel bekämpfen, denn Luzifer hat seine Persönlichkeit auf 666 verschiedene Menschen aufgeteilt, die gerade frisch verstorben sind. Ihre Untaten sollen den Ghost Rider dazu bringen, jeden einzelnen zur Strecke zu bringen. Wenn am Ende nur noch einer übrig ist, kann Luzifer seine Macht auf Erden endlich voll entfalten. Leider ist Johnny etwas unbedacht. Bevor er sich dem Teufel in aller Konsequenz stellen kann, tritt ihm ein anderer Held entgegen.
Stephen Strange, Meister der Magie, tritt dem Ghost Rider in guter Absicht gegenüber. Er will ihn anleiten. Johnny hingegen ist so häufig vom Teufel getäuscht worden, dass er nicht mehr zwischen Original und Fälschung unterscheiden kann. Dr. Strange hat es wahrlich schwer, sich gegen den Ghost Rider zu wehren, der jedes Register seines kämpferischen Könnens zieht.
Der Ghost Rider ist zurück. Eben war er noch auf der Leinwand und nun ist er in einer vorzüglichen Ausgabe über sein neuerliches Eintreffen auf der Erde zu sehen. Daniel Way hat die Rückkehr des höllischen Motorradfahrers sehr intensiv beschrieben. Neben der Auseinandersetzung mit dem Höllenfürsten trifft der Leser außerdem Dr. Strange, jenen magischen Fels in der Brandung, der schon in so mancher anderer Serie seinen Auftritt hatte.
Daniel Way kennt sich im Marvel-Universum aus, schrieb er bereits für Wolverine, Spider-Man, Venom und auch Hulk. Der Ghost Rider ist in der Welt von Marvel sicherlich ebenso ungewöhnlich wie Dr. Strange. Alles, was irgendwie magisch angehaucht ist, fügt sich nicht so leicht ein wie Mutanten, Superhelden und Superverbrecher. Hatte auch der Silver Surfer seine Begegnung mit der Hölle in Form von Mephisto, ist die höllische Geschichte um den Ghost Rider viel gruseliger gelagert. Nach der Episode um die Marvel Zombies im Ultimativen Universum ist Horror bei Marvel noch verständlicher. Frühere Ausflüge in das Genre wie Dracula und Frankensteins Monster sind vergleichsweise harmlos. (Nun, Horror war früher auch viel harmloser als heute.)
Diese Geschichte um den Ghost Rider wandelt auf dem Grat zwischen Grusel, Horror und einem dunklen Humor, der in den letzten Jahren immer mehr Einzug in das Genre gehalten hat.
Für den Humor ist (wer hätte das gedacht?) der Teufel zuständig. Luzifer präsentiert sich als Charakter, der enormen Spaß an seinem Leben und seiner Arbeit hat. Er ist ein sehr gutes Gegengewicht zu Johnny Blaze, der doch arg frustriert und verzweifelt ist. In der Hölle ist Luzifer der Herrscher mit Macht, aber erst auf der Erde kann er so richtig die Sau rauslassen. Auf Erden erinnert er mehr an einen Slasher-Helden im Sinne von Freddy Krueger, der mit der optischen Darstellung des Teufels aus dem Ridley Scott-Film Legende gekreuzt wurde. Natürlich verzichtet die Geschichte auf ähnliche Auswüchse wie in Horror-Filmen, aber die humorvollen Szenen können durchaus als Hommage an solche Filme verstanden werden.
Johnny ist eine Figur, die mehr ein Spielball anderer wie auch ihrer eigenen Emotionen ist. So gleicht sie ein wenig dem Hulk, einem Charakter, der auch einer Verwandlung unterworfen ist und die ihm sehr viel Schmerz eingebracht hat. Das Auflehnen gegen das Schicksal einer solchen Figur, die ihm Grunde bemitleidenswert ist, ist immer für eine spannende Geschichte gut. Daniel Way weiß, wie er eine Geschichte zu erzählen hat, bei der ein Leser bis zum Ende am Ball bleibt.
Grafisch haben Javier Saltares (Zeichner), Mark Texeira (Tusche) und Dan Brown (Farben) das Heft in der Hand. Die Geschichte wurde zwar per Computer koloriert, imitiert aber eine von Hand gemalte Optik. Bis auf wenige Ausnahmen dominiert eine düstere Optik und Farbgebung. Die Kontraste von Dunkelblau, Flammenrot und Sonnengelb entfalten sehr oft eine tolle Wirkung in den einzelnen Szenen. Manchmal könnte die Ausarbeitung noch etwas detailfreudiger sein, aber vor dem Hintergrund der häufigen Erscheinungsweise der in diesem Band zusammengefassten Episoden hat das Grafik-Team eine tolle Arbeit gemacht.
Die Hölle auf Erden war lange nicht mehr so gut.
Stichwörter: dan brown, mark texeira, daniel way, javier saltares, ghost rider
Dienstag, 06. März 2007
Wolverine hat sich selbst ein Ziel gesetzt. Wie es seine Art ist, lässt er sich bei der Erreichung des Zieles von nichts abhalten. Im Weißen Haus wähnt man sich sicher vor Eindringlingen: Das ist ein Irrtum.
Auf ungewöhnlichen Wegen verschafft sich Wolverine Zugang und schafft es, sämtliche Verbindungen des Oval Office nach draußen zu unterbrechen. Den Sicherheitsleuten stockt der Atem, denn gleichzeitig jagt eine Rakete auf das Weiße Haus zu. Als Frau Staatssekretär alleine durch die Gänge des Gebäudes geht, muss sie feststellen, dass nicht der Präsident das Ziel des Angriffs ist, sondern sie.
Wolverine hat sie gefunden.
Doch so leicht, wie Wolverine an sein Ziel gelangt ist, bleibt es nicht. Auch der unbekannte Feind hat seine Mannen ausgeschickt. Der Kampf findet sogleich im Weißen Haus statt.
Dabei bleibt es jedoch auch nicht. Die Spur führt weit zurück in die Vergangenheit, als Wolverine sich seinen nächsten Feind selbst herangezüchtet hat. Nuke ist wieder da.
Nuke ist gefährlicher, als er jemals war. Die menschliche Kampfmaschine, die stets schon stärker war als anderen Menschen, wurde künstlich verbessert. Kampf- und Muskelkraft wurden auf das höchstmögliche Level gesteigert. Abhängig von Drogen – die ihn aber nur wieder von seinem Trip herunterbringen sollen – wird er für Missionen benutzt, bei die Auftraggeber einen Amokläufer brauchen.
Der Mann, dessen Gesicht von einer amerikanischen Flagge gezeichnet ist, ist zum Prototyp des bösen Amerikaners geworden.
Gegen diesen Irren wird Wolverine sehr viel von seiner Kraft aufbieten müssen, will er gewinnen.
Wie es Wolverine gelingen kann, nur mit einigen wenigen durchschnittenen Kabeln das Weiße Haus von der Außenwelt abzuschneiden, ist von Autor Daniel Way ein bißchen dick aufgetragen. Wenn es so einfach wäre, müsste man am Verstand der Sicherheitsbeamten zweifeln.
Way nimmt den Leser mit zu einer zusätzlichen Reise in die Vergangenheit. Hier erlebt der Leser mit, wie Nuke entstanden ist, wie er sich erinnert, entstanden zu sein. Die Szenerie, von Way in zwei Teilen erzählt, ist außergewöhnlich brutal. Nuke musste viel erdulden. Diese Pein hat ihm letztlich den Verstand geraubt – und sein Peiniger war niemand geringerer als Wolverine.
Selbst für Wolverine ist dieses Vorgehen sehr hart (und ungewöhnlich), denn meist geht er schnell vor. Diese Foltern spielen sich jedoch langsam ab und die Bilder, von Steve Dillon perfekt gezeichnet, zeugen von Wolverines Genuss, den er bei der Folter empfindet. Blut wird zum Farbklecks in diesem Abschnitt der Geschichte, der ansonsten in eher grauen, braunen Erinnerungsfarbtönen gehalten ist.
Immerhin weiß Wolverine aus heutiger Sicht, was er angerichtet hat. Er ist bereit, seine Fehler von damals zu beseitigen. Was das zu bedeuten hat, kann sich der Wolverine-Stammleser zweifelsfrei vorstellen.
Viel zu büßen, gibt es in jedem Fall, denn Nuke läuft ausgerechnet dann zur Hochform auf, wenn jemand die Worte Kein VC. Kein Vietcong. sagt. Auf diese Art richtet Nuke an gänzlich Unschuldigen Massaker an.
Ist die Geschichte anfänglich gewöhnlich (Wolverine macht Supergegner kaputt), driftet sie in die tatsächliche Vergangenheit ab und benutzt den amerikanischen Alptraum Vietnam als Hintergrund.
Steve Dillon, unterstützt von dem farbgebenden Dan Kemp, liefert eine schon technisch exakt zu nennende Arbeit ab.
Besonders gelungen ist Dugan, der rothaarige Schnauzbartträger von Shield, der häufig als Ersatzkommandant zu sehen war. Hat es Zeiten gegeben, als Dugan eher ein zwar muskulöser aber auch beleibter Herr war, ist dieser aktuelle Dugan wieder durchtrainiert und breitschultrig.
Der Auftakt von Blutige Geburt nimmt den Leser in ein Abenteuer mit, in dem es für Wolverine einmal mehr gilt, mit seiner Vergangenheit aufzuräumen. Das geht hart zur Sache, sogar härter und realistischer, als man es vielleicht von ihm gewohnt ist. Spannend ist es allemal.
Stichwörter: daniel way, steve dillon, dan kemp
Donnerstag, 15. Juni 2006
Die Gespensterjagd ist noch im vollem Gange! Mystique muss vor ihrem Vorgesetzten Rechenschaft ablegen für das Debakel während des Empfangs. Sie ist fest davon überzeugt, dass hinter dem Anschlag Nick Fury steckt. Fassungslos erfährt sie, dass Fury bereits vor zwanzig Jahren getötet wurde.
Der Ausbilder erfuhr die Vorgehensweise der Mutanten am eigenen Leib. Man setzt ihm die imaginäre Pistole auf die Brust. Entweder er wird in einem Ausbildungscamp noch unerfahrene Mutanten im Kampf schulen, oder seine Familie wird sterben. Fury fügt sich. Doch im Camp gehen die Schwierigkeiten erst los. Keiner der Mutanten scheint gewillt zu sein, seinen Anweisungen, denen eines gewöhnlichen Menschen, zu folgen.
Das erste Opfer des Krieges ist die Unschuld. X23, die jugendliche Attentäterin, konnte der ihr gestellten Falle entkommen. Völlig unerwartet kehrt sie in das einzige Heim zurück, das sie kennt: das Labor, in dem sie gezüchtet wurde. Stets bleibt sie wortlos, emotionslos, hinterlässt bei den anderen Menschen um sie herum einen fast gelangweilten Eindruck. X23 ist in der Tat eine kleine Killermaschine, die erst während eines Einsatzes so richtig aufblüht.
Sarah, eine der führenden Wissenschaftlerinnen des Projekts, erhält die beunruhigende Nachricht einer Freundin. Die Tochter der Freundin wurde entführt. Sarah hat den spontanen Einfall, wie das entführte Mädchen aufzuspüren ist. Dies ist eine Aufgabe für X23!
Die Parallelwelt, die sich Marvel mit House of M erdacht hat, geht in eine spannende nächste Runde. Die zugrunde liegende Idee, altbekannte Charaktere in einer veränderten Welt auftreten zu lassen, sorgt immer wieder für frischen Wind in der Welt von Marvel.
In dieser Alternative haben die Mutanten endlich ihr Ziel erreicht und die Menschen als herrschende Spezies des Planeten Erde abgelöst. Allerdings hat diese Herrschaft den bitteren Beigeschmack einer Militärdiktatur. Die Menschen werden gnadenlos unterdrückt, was nicht zuletzt am Einfluss eines ehemaligen Hellfire-Club-Mitglieds liegt, das sich zu einer führenden Position in SHIELD empor gearbeitet hat. Autor Daniel Way hat die Geschichte dergestalt angelegt, dass Mystique immer noch Befehlsempfängerin einer höheren Macht ist. Wichtiger für die vorliegende Episode ist jedoch der Rückblick, den sie gewährt.
Nick Fury ist als Mensch konzipiert und gehört zu den wichtigsten Figuren des Marvel-Universums. Er verfügt über keinerlei Kräfte und hat dennoch durch seine Stellung bei SHIELD (im richtigen Universum) einen wichtigen Stellenwert bei dem Handlungsstrang, der beständig fortgeführt wird. Wie vielfältig die Figur sein kann, zeigen Abwandlungen. Im Ultimativen Universum ist er von schwarzer Hautfarbe (und äußerlich Samuel L. Jackson nachempfunden), im eher merkwürdigen Amalgam-Universum verschmolz er mit der Figur des Bruce Wayne als Top-Agent von SHIELD.
Fury war Freund und Feind, in Secret War benutzte er Superhelden für seine Zwecke. Immer stand die Sicherheit der Nation für ihn über allem anderen. Letztlich ist ein kleines charakterliches Abbild der USA, geliebt, geachtet und stets gewillt, alles zu tun, um die Sicherheit der Heimat zu gewährleisten, selbst mit schmutzigen Tricks – wenn es keine andere Möglichkeit gibt.
Hier wandelt sich Fury zum Widerstandskämpfer im Untergrund. Er wird eine geheimnisvolle Gestalt, ein Gespenst. Furys Charakter erhält beinahe Eigenschaften vom Punisher, rächend, stets überlegt und zweckmäßig in seinen Aktionen. Nicht zuletzt durch die hervorragende bildliche Unterstützung von Zeichner Javier Saltares ist die Gespensterjagd ein richtig spannender Agententhriller.
X23 ist eine gänzlich andere Figur. Die Gegensätzlichkeit aus Kind und eiskaltem Killer könnte größer nicht sein. Zeichner Billy Tan, der stilistisch der Tradition eines Michael Turner zuzuordnen ist, fängt die falsche (bzw. verlorene) Unschuld von X23 gut ein. Die Atmosphäre ist gut eingefangen. Wieder einmal hat der Leser es mit einer Geschichte zu tun, in der sich zeigt, wie eine Waffe eingesetzt werden kann – zum Guten wie zum Schlechten, zu letzterem ganz besonders. Wenngleich der Einsatz zum Guten auch stets der Prämisse Auge um Auge folgt. Wie das zu werten ist, mag jeder für sich entscheiden. Ich bin gespannt, wann X23 die Abkehr vom puren Werkzeug hin zur Individualität und letztlich die Flucht schafft.
Das Cover von Ausgabe 29, eine Arbeit von Joe Quesada, zeigt eine außerordentliche Momentaufnahme aus Wolverines Wirken und gehört wohl zu den Bildern, die einen Teil seines Wesens beeindruckend realistisch darstellen.
Insgesamt eine spannende und kraftvolle Ausgabe von Wolverine.
Stichwörter: joe quesada, nick fury, billy tan, daniel way