Freitag, 09. Mai 2008
Eine gigantische Waffe im All, unaufhaltsam, mit der Macht, Planeten zu zerstören. Sie treibt im Weltrum und wartet nur darauf, dass sich ihrer einer annimmt, um den Krieg zwischen Republikanern und Mandalorianern für sich zu entscheiden.
Die Waffe ist eine der ungewöhnlichsten, die jemals auf einem Schlachtfeld der Sternenkriege eingesetzt werden soll. Admiral Karath hat sich von den Überresten seiner republikanischen Flotte retten können – dank der Hilfe von Zayne Carrick und das ärgert ihn maßlos – und sieht sich nun einer noch größeren Bedrohung gegenüber: einem macht- und geldgierigen Unternehmer.
Zayne hingegen hat nur Augen für Jarael, die er schon verloren glaubte. Nie hätte er es zu glauben gewagt, sie auf diesem riesigen Schiff wiederzusehen. Doch die Freude währt nur kurz. Bald sitzt er Seite an Seite mit seinem Erzfeind, dem Jedi-Meister Lucien, in Gefangenschaft, streng bewacht von einigen besonders aufmerksamen Droiden. Und noch ein wenig später werden aus den Feinden unfreiwillige Verbündete, denn der gemeinsame Feind ist einfach zu stark. Ihre Befreiungsaktion gelingt. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie aber noch nicht, dass eine weitere Fraktion den Schauplatz des Geschehens betreten hat. Die Mandalorianer sind angekommen, um im händlerischen Wettstreit um die neue Waffe mitzubieten.
Eine Waffe … Der Star Wars-Fan kennt sie bereits. In dieser Zahl jedoch ist sie neu und wahrhaft Furcht einflößend.
Wer erinnert sich nicht an jene berühmte Szene, in der Han Solo mit seinen Freunden aus dem Schlund eines asteroidengroßen Weltraumwurms flieht und der Millennium Falcon nur um Haaresbreite dem sich schließenden Maul entkommt. Die Exogorthen, so der Name für diese Ungetüme, kommen hier gleich in Massen vor. Massen mit einem ebenso großen Hunger, Untiere, die alles fressen, was ihnen in die Quere. Einmal in einem System ausgesetzt kann sie nichts aufhalten. Der Anblick dieser Wesen ist grafisch gelungen – wäre aber auf einer Kinoleinwand wünschenswerter.
Optisch präsentieren sich dem Leser zwei unterschiedliche Stile. Einerseits eher puppenhaft wie auf einer Theaterbühne und grafisch von einem hohen Exaktheitsgrad. Dan Parsons setzt fette Tuschestriche zur Umrahmung ein. Dadurch entstehen in den Bildern von Harvey Tolibao, der seine Arbeit hier fortsetzt, durchweg technische Eindrücke. Da eine Vielzahl der agierenden Personen Mandalorianer oder Droiden sind, fällt dies jedoch nicht weiter ins Gewicht.
Wesentlich skizzenhafter, organischer, lebendiger fallen die Bilder von Bong Dazo aus, der auch gleich eine neue Handlungslinie übernimmt. Dazo ist jemand, der sich vor Details nicht versteckt. Kämpfe, die in engen Räumen stattfinden, Jagden auf Speeder-Bikes jeglicher Bauart durch von Rohren übersäten Tunneln, Aufmärsche von Figuren – Dazo gibt sein Bestes, um Tuscher Dan Parsons möglichst viel Arbeit zu bescheren.
Ein wenig nähert sich Dazos Zayne Carrik an Yorick Brown an, dem Hauptcharakter aus Y – The Last Man. Damit ist auch schon ein Vergleich hergestellt, denn sein Zeichenstil erinnert an Pia Guerra. Dazos Figuren wirken jünger als jene von Tolibao. Das ist zumindest bei den Hauptcharakteren ein großer Vorteil.
Wer ist Freund? Wer ist Feind?
Im Finale des Handlungsstrangs um die neue Superwaffe waren diese Fragen relativ leicht zu beantworten. In der neuen Geschichte geht es in den Untergrund. Intrigen werden gesponnen und Zayne muss sich gegen jene zur Wehr setzen, denen er vorher noch (bedingt) vertrauen konnte. Die Thematik ist nicht mehr so episch, aber nicht weniger dramatisch. Man könnte sie familiärer nennen.
Ein tolles Finale, fast schon zu groß für einen Comic und einem Filmschluss würdig, abgelöst von einer neuen Geschichte, in der sich Zayne seinen ganz persönlichen Dämonen stellen muss. John Jackson Miller gönnt seinen Figuren hier eine größere innere Auseinandersetzung, ohne die Action zu vernachlässigen.
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Samstag, 17. März 2007
Es war einmal in noch fernerer Zukunft. Die Galaxie, wie wir sie kennen, ist zur Geschichte geworden. Luke Skywalker ist tot. Die Sith sind wieder erstarkt. Die Jedi agieren im Verborgenen und andere, die begabt in der Macht sind, dienen dem Imperator als imperiale Ritter. Es ist die Zeit von Star Wars Legacy.
Cade Skywalker verlor einst während seiner Jedi-Ausbildung seinen Vater – ein Jedi, dessen Vater ein Jedi ist? Auch hier hat sich einiges geändert. Der Orden der Sith wollte die Jedi ein- für allemal vernichten. Inzwischen hat Darth Krayt den Orden der Sith völlig reorganisiert. Die Regel der zwei Sith gilt nicht mehr. Dem Orden, und somit der Führung von Darth Krayt, unterstehen nun mehrere Sith. – Was nichts daran ändert, dass die Ausbildung hart ist und auch ein Meister keine Gnade zu erwarten hat.
Nachdem Cade alleine auf sich gestellt ist und die Jedi abgetaucht sind, wuchs er in der Gesellschaft von Piraten auf. Die Ideale, die als Padawan lernte, hat er vollkommen verdrängt. Mehr noch: Cade verabscheut die Jedi, die er für den Tod seines Vaters verantwortlich macht.
Die Galaxie wird von einem Imperator beherrscht, der sich selbst die Macht zunutze gemacht hat. Ihm dienen imperiale Ritter treu, ebenfalls in der Macht begabt und am Lichtschwert ausgebildet. Aber wieder einmal ist dem Imperator keine lang währende Macht auf dem Thron beschieden, denn die Sith strecken ihre Hand nach der Macht aus. Darth Krayt befehligt fortan das Zentrum der Macht.
Vor diesem Hintergrund bestreitet Cae Skywalker sein wenig beschauliches Leben als Kopfgeldjäger. Zusammen mit seiner kleinen Crew, der in ihn verliebten Deliah Blue und dem notorisch unzufriedenen Jariah Syn, jagt er von einem Auftrag zum anderen. Eines Tages gerät er in eine Falle, die nicht ihm selbst gilt, sondern der Tochter des entflohenen Imperators.
Wenig später kreuzen sich ihre Wege nicht nur mit denen einer Gruppe der verbliebenen Jedi sondern auch mit den Sith. Aus einem kleinen Auftrag, der eher zufällig entstand, wird eine Situation, die alle Beteiligten den Kopf kosten kann – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Star Wars ist zurück. (Naja, eigentlich war es nie richtig weg.) Die unterschiedlichsten Zeitlinien dieses Universums wurden bisher beleuchtet. Sei es die ferne Vergangenheit und die Kriege gegen die Sith. Die Vorgeschichte zu den Ur-Abenteuern mit Luke (auch als Episode I-III bekannt), alles mögliche, was zwischen den verschiedenen Film-Abenteuern liegt, jene Abenteuer, die an Episode VI (Die Rückkehr der Jedi-Ritter) anschließen und die Legacy-Periode, in der die Galaxis wieder im Chaos zu versinken droht – den Sith sei Dank.
Der vorliegende Band beginnt mit einer Einführung der vorkommenden Personen. Das ist dienlich, wäre aber nicht notwendig, da die Charaktere innerhalb der Geschichte selbst ausreichende Schlüsselszenen besitzen, um selbsterklärend zu sein.
Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Gaststar wie Luke Skywalker. Außerdem ist dank der Einführung zu erwarten, dass der Wookie Chak auftauchen wird – Fans lernten ihn bereits als Jungen kennen (Klonkriege VIII – Der unsichtbare Feind).
Star Wars-Comics zeichnen sich durch eine hohe grafische Qualität aus. Das gilt auch für den ersten Band von Legacy.
Befreit von den bisherigen Charakteren (weitestgehend jedenfalls) kann Zeichner Jan Duursema seiner Phantasie freien Lauf lassen. Aus den verschiedenen Völkern, die das Star Wars Universum bereithält, bedient er sich bei den eher bekannteren (ein wenig mehr Experimentierfreude wäre schön gewesen), aber immerhin können die Sith vollkommen auftrumpfen.
Besonders in der neuen Trilogie wurden uns einige Sith vorgeführt, von denen Darth Maul sicherlich der optisch beeindruckendste war. Mit Legacy wird dieses Konzept fortgesetzt. Die Tätowierungen, die schon Maul auszeichneten, und die rote Hautfarbe sind nun zum Erkennungssymbol der Sith geworden.
Um der Eintönigkeit vorzubeugen gibt es natürlich auch den einen oder anderen Ausnahmefall wie Darth Nihl, dessen schwarzweiße Aufmachung eher an einen Zombie erinnern.
Cade, Deliah und Jariah wirken ein wenig wie Bandmitglieder, jung, modern, ein wenig Gebraucht-Look, Rastahaare, stark geschminkt, Dreitagebart. Das passt jedoch. Zwar sind sie bereits lange im Geschäft und entsprechend abgebrüht, aber es fehlt ihnen die Weisheit, die Luke in dieser Geschichte verkörpert.
(Interessant, dass es nun Luke ist, der anderen nun in seiner Astralform erscheint.)
Autor John Ostrander erzählt die geradlinige Geschichte eines tragischen Helden, der miterleben musste, wie sein Vater für Ideale starb, die der Sohn nun nicht mehr mittragen will. Doch er hat seine Ausbildung nicht vergessen. Eigentlich hat er gar nichts vergessen, er unterdrückt nur jede Erinnerung daran geradezu zwanghaft, sogar mit Drogen, wenn es sein muss.
Der tragische Held funktioniert ebenso wie die Charaktere um ihn herum. Erfreulich ist der Handlungsort Bastion, der den Lesern spätestens seit der Wiedererweckung des ersten Imperators bekannt sein dürfte.
Wer mehr an der dunklen Seite interessiert ist, wird sich über Darth Krayt freuen. Seine Aufmachung ist monströs und er ist ein Sith, den seine Vorgänger für einen Emporkömmling halten. – Es wäre interessant gewesen, wenn er auch Palpatine begegnet wäre. Denn Palpatine hatte immerhin eine Lösung für Krayts Problem gefunden. Schade, dass Krayt dies nicht bekannt ist.
Eine besondere Erwähnung verdienen die Cover von Adam Hughes. Seine Bilder wirken wie Portraitaufnahmen. Es scheint fast, als hätten Sith, Jedi, imperiale Ritter und sogar Luke Skywalker höchstpersönlich dafür Modell gestanden. Das ist optisch überaus beeindruckend. (Gibt es davon keine Poster?)
Eine rundum gelungener Start in eine neue Star Wars Zeitschiene. Das Gute: Mit Vorwissen an die Geschichte heranzugehen ist nett, aber wegen des Neuanfangs nicht erforderlich. Neuzugänge könnten mit dieser Space Opera auf den Geschmack gebracht werden.
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