Montag, 29. September 2008
Es waren einmal neun Gefährten, denen wurde eine höchst gefährliche Aufgabe auferlegt. Einen Ring sollten sie zerstören. Der Ringträger, ein Halbling, sollte von ihnen an sein Ziel begleitet werden, wo er endlich seine schwere Bürde in einen fürchterlichen Vulkan werfen könnte. – Aber der dunkle Herrscher und Saruman, der weiße Zauberer, warfen ihre schrecklichste Waffe ins Feld: Die Simpsons. - Häh? Was, wie? Die Simpsons? Geht’s noch? Ja, es geht noch, denn einige Autoren und Zeichner durften mal so richtig ins Halloween-Horn zur Attacke blasen.
Der Comic-Typ – wie kann es anders sein – geleitet durch diese Ausgabe, in der es von Nonsens und Anspielungen nur so kracht. Nichts und niemand bleibt verschont, am allerwenigsten die Simpsons. Planet der APUs, unter diesem Namen erspäht der Leser nur ein Filmplakat, ein kleiner Seitenhieb, der sofort eine ganze Geschichte erkennen lässt. Kurz darauf findet sich der Leser in einem verballhornten Herrn der Ringe wieder, ziemlich genial gemalt von Dan Brereton, den hierzulande so mancher von The Black Terror, den beiden Thrillkiller-Geschichten (Batman) oder auch The Last Battle her kennen mag. In letzterem Abenteuer begab er sich schon auf historisch phantastische Pfade zur Zeit der alten Römer. Nach den sehr exakt gezeichneten Abenteuern der Simpsons mag Breretons Aquarelltechnik zunächst verblüffen, aber sobald man sich auf dieses Wagnis einlässt, kommt ein stimmiges und spaßiges Leseerlebnis dabei heraus.
Der Comic-Typ – ja, der schon wieder – begegnet dem Leser mehrere Male in kleinen Zwischenspielen. Zahlreiche Events, Cons, wie der allzeitliche Fan es auf Neudeutsch sagt, locken, um sich einmal so richtig und so anders verkleiden zu können. Die bekannten jahreszeitlichen Höhepunkte wie Karneval oder Halloween reichen da nicht mehr aus. Und so schmeißt sich der Comic-Typ in die wahnwitzigsten Kostüme – mit der Betonung auf witzig. Selbst ohne die Titel des jeweiligen Kostüms ist es zumeist ein leichtes die Bedeutung zu verstehen. Das Zückerchen sind Verkleidungen wie der klingonische Batman oder als Raumschiff Enterprise.
Was zuerst als das Kraftwerk der Schmerzen betitelt wird, verwandelt sich bereits in der Einleitung in das Lexikon des lasterhaften Limericks. Alphabetisch sortiert geht es durch horrorhafte Situationen, mit Limericks unterlegt und aufs Schönste illustriert von Hilary Barta. Da bleibt nichts verschont, kein Monster aus der Lagune, kein Frankenstein oder Serienmörder, kein noch so blutiges oder schleimiges Film- oder Romanereignis. Dave Stewart, auf seine Art schon ein Phantastik-Veteran, ist für die Farbe in dieser köstlichen Episode verantwortlich.
Und so geschah es … In der Nacht der neunzehn Schreie sind die Simpsons doch tatsächlich verstorben und zurück bleibt der, von dem man es am wenigsten erwartet hätte: Opa. Aber es geht schließlich um Grusel, um Halloween, deshalb, sind die Simpsons nicht völlig weg, sondern geistern herum. – Es stellt sich die Frage, was besser ist: Ein lebender oder ein toter Simpson. Spaß machen sie beide. Nur Opa nicht, der plötzlich sehr einsam ist.
Illustrationen, die sich sehr gut als Poster machen würden – wie der Angriff des 20 Meter großen Bart-Riesenbabies – sind noch zusätzliche Schmankerl, die zur Auflockerung beitragen.
Ein gruseliger Spaß abseits der üblichen Normgrafiken. Hier durfte probiert und gemacht werden, Humor ohne Grenzen mit kleinem absurden Ekelfaktor, der dem Begriff Trash eine ganz neue Bedeutung gibt. Sehr gut. Für Simpsons-Fans wärmstens zu empfehlen.
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Stichwörter: ian boothby, dan brereton
Mittwoch, 19. September 2007
John F. Kennedy ist Präsident der Vereinigten Staaten, Elvis ist aus der Armee entlassen und für die Beatles interessiert sich kaum jemand. Es ist die Zeit, in der korrupte Polizisten in den Bars von Gotham City Schutzgelder eintreiben.
In diesen unberechenbaren Tagen macht ein maskiertes Rächerduo Schlagzeilen. Ihre Namen: Batgirl und Robin. Eines Abends legen sie sich wieder mit der Polizei an, denn Two-Face soll nicht fortgesetzt im Schutz einer Polizeimarke Verbrechen begehen dürfen.
Die Erpressung scheitert, trotzdem müssen die beiden Vigilanten die Beine unter den Arm nehmen. Und nicht nur das. Polizeichef Gordon sieht sich gezwungen, gegen die beiden zu ermitteln, obwohl er langsam ihre Arbeit zu schätzen weiß.
Gordons bevorzugter Ermittler hat zwar bereits viel um die Ohren, aber Gordon traut nur ihm die Arbeit zu, als muss Detective Bruce Wayne diesen Fall auch noch übernehmen. Mit dem Widerwillen Waynes kann Gordon umgehen, mit dem Freund seiner Tochter Barbara nicht. Das kurze Zusammentreffen wenig später hinterlässt auf beiden Seiten keine Freude.
Bianca Steeplechase tritt gerne in der Maskerade eines Jokers auf, so kann sie ihre wahre Identität verschleiern und sich mit einem unheimlichen Flair umgeben. Mit ihrer kleinen Spende stößt sie bei Bruce Wayne allerdings auf Granit.
Mit seiner Einstellung wäre Wayne der ideale Partner der beiden Vigilanten, die er aufzuspüren versucht. Was er nicht weiß: Die selbsternannten Rächer haben sich im Keller von Wayne Manor, Bruce’ einstigem Familiensitz, den er wegen Schulden verkaufen musste, ein Versteck eingerichtet. Bald darauf ist das dynamische Duo wieder auf der Pirsch.
Verkehrte Welt: Was ist hier los? Mit den Zeichenkünsten von Dan Brereton, der hierzulande auch schon mit The Black Terror aufgefallen ist, entsteht nach einer Szenario-Vorlage von Howard Chaykin ein vollkommen anderes Gotham City.
Aus heutiger Sicht waren die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts noch äußerst düster. Die Einflüsse organisierter Banden wirkten noch nach. Die Halbstarken machten den Erwachsenen das Leben schwer und der Kalte Krieg erreichte mit der Kuba-Krise einen seiner Höhepunkte.
Gotham City presst aus dieser Zeit noch mehr düstere Atmosphäre heraus. Der Leser erkennt den Joker, Batgirl, Robin, auch Catwoman und Black Canary oder Croc (beide haben ihren Auftritt in Thrillkiller 62).
Inzwischen hat es einige Neuerzählungen von Superhelden gegeben. Batman und Superman stehen dabei in der ersten Reihe. In der Riege der Neuerzähler zählt sogar ein Frank Miller zur vordersten Kategorie. Entsprechende Versuche haben manchmal tolle Ergebnisse erbracht, hin und wieder gerieten sie auch zu einem simplen Aufguss oder einem Transport in die Gegenwart.
Chaykin und Brereton gehen den Weg zurück. Die Helden sind zwiespältige Persönlichkeiten ohne besondere Ausrüstungsgegenstände – sieht man einmal von einer Armbrustpistole ab. Batgirl ist die führende Persönlichkeit, jene die anleitet und Robin anführt. Wie bekannt handelt es sich bei ihr natürlich um Barbara Gordon, der Tochter des Polizeichefs. Eine sehr reife Frau, stark, fast zu stark für ihre Zeit, ist für den eher jugendlichen Robin auch Mutterersatz.
Brereton hat sie außerdem mit sehr deutlich ausgeprägten weiblichen Attributen versehen, die eher hinderlich bei einem Kampf sind. Von den athletischen Figuren, wie sie in neueren Produktionen zu finden sind, gibt es hier keine Spur. Aber die Wirkung ist nicht zuletzt durch die Aquarell-Technik viel realistischer.
Breretons Figuren sind kantiger, voluminöser und es gibt auch mal ein Speckpölsterchen zu sehen. Der Realismus seiner Arbeit rückt ihn in die Nähe eines Alex Ross.
Der Joker, hier eine Frau, ist wegen des geschlechtlichen Rollentauschs eine Spur gemeiner, grausamer und sadistischer. So driftet die Geschichte immer weiter zu einem Duell zwischen kämpferischen Frauen, von der eine aus Rache und Gerechtigkeitssinn handelt, die andere hingegen schlichten verbrecherischen Wahnsinn als Antrieb hat.
Eine völlig neue Entstehungsgeschichte von Batman, die Fledermaus fast Lückenbüßer, in einer herausragenden Gestaltung, die dank der Bildtechnik viel organischer wirkt, weniger glatt. Düster spannend mit Charakteren zwischen Mut und Verzweiflung. Ein Höhepunkt in der Batman-Saga.
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Stichwörter: dan brereton, howard chaykin, batman