Samstag, 31. Mai 2008
Im Tempel des nachhaltigen Friedens und der heiteren Gelassenheit tobt ein Kampf, der so gar nichts mit der Namensgebung dieses ehrwürdigen Hauses zu tun hat. Alix hat ihre Mitschüler mit Bravour besiegt, aber der Meister ist noch nicht zufrieden, denn die allerletzte Prüfung steht noch bevor.
Nachdem auch dies gemeistert ist, erfolgt der erste Auftrag. Die kleine rote Fliege wird der goldenen Fliege zugeteilt. Das Ziel heißt Hongkong, eine Stadt unter britischer Verwaltung, ein überkochender Moloch, der mit der kommunistischen Landschaft Chinas wenig gemein hat.
Ein Ausflug in die Hochzeit des Kalten Krieges ist immer eine literarische Reise wert, ganz besonders dann, wenn es außerdem in den asiatischen Raum geht.
Wie bereits andere Autoren vor ihnen haben sich Yann und Conrad mit Spannung, süffisantem Witz und manchmal derbem Humor dieser Szenerie angenommen und beschreiben die Jagd auf eine verloren gegangene amerikanische Atombombe.
Chinesische Geheimdienste, Triaden und Gangster dieser Zeit waren schon Comic-Themen. Als Beispiele mögen hier die Abenteuer von Bob Wilson (In den Pranken des Tigerdrachen) und Nero (Der Hundesalon) genannt sein.
Teilweise wirkt das Abenteuer um Alix, die nagelneue Agentin Im Geheimdienst des großen Steuermanns, als habe man einen Draufgänger wie Bob Wilson in der Figur von Francis Flake karikieren wollen. – Oder vielleicht direkt alle männlichen Engländer zwischen 20 und 50.
Der Humor, der sich hier äußert, könnte auch eine Komikertruppe wie den Pythons eingefallen sein. Francis Flake, obwohl ein Spezialagent im Geheimdienst ihrer Majestät, hat immer noch feuchte Träume, zumeist – Freud hätte seine Freude daran – über seine Mutter. Immerhin erschreckt es Francis wenigstens bis auf die Knochen.
Solch ein Mann hat nun den Auftrag eine Atombombe irgendwo in Asien zu finden. Der Leser kann sich sehr gut vorstellen, welches Chaos dieser Mann bei seinen Nachforschungen auslösen kann.
Yann und Conrad wären nicht die Autoren, die sie sind, wenn sie sich auf diesem Pink-Panther-Prinzip ausruhen würden. Und so steht Francis ein unbedarftes chinesisches Mädchen entgegen, schlau, wehrhaft, jungfräulich, die in dieser gezeichneten Form wohl den niedlichsten Schmollmund seit Angelina Jolie besitzt.
Wer bei all diesen Beschreibungen glaubt, er habe es – auch dank der Zeichnungen – mit einem eher harmlosen Cartoon zu tun, der täuscht sich. Hier stehen sich Form und Inhalt einander gegenüber. Es rollt schon mal ein Kopf, es gibt ein wenig Sex, Action, aber auch sehr stark vermengt mit zum Teil absurdem Humor, der niemanden vergisst. Hier wird keiner bevorzugt, alle bekommen ihr Fett weg – das britische Empire ebenso wie das Land des großen Steuermanns Mao Zedong. Kurzum, es ist gut, wenn eine Geschichte nicht nur herrlich schräg, sondern auch politisch absolut unkorrekt ist.
Yann hat schon mit anderen Geschichten wie Helden ohne Skrupel oder Poison Ivy gezeigt, wie er mit dieser Unkorrektheit spielen kann und dem Leser so einen Gag nach dem anderen serviert. Alix Yin Fu, die Hauptfigur, ist wie alle anderen und die Umgebung in einem locker leichten Strich gezeichnet. Das karikiert ziemlich viel dessen, was der Leser aus einschlägigen Geschichten kennen mag. Merkwürdig gewandete und bandagierte Killer treten hier gleich im Dutzend (+1) auf.
Die leichten, und nicht immer genau sitzenden Tuschestriche sind ein klein wenig auch nostalgisch anmutend. Wie in Zeiten, als Comics noch überaus aufregend waren, weiß auch dieser Auftakt um Alix und den englischen Fang Pi (Stinkefurz) dieses Gefühl wiederzuerwecken. Weniger alte Nostalgiker werden ganz einfach ihren Spaß mit dieser Geschichte haben.
Mit übersprudelndem Humor, derbem Spaß, satter Action und einer schnuckeligen Hauptfigur startet das Rennen um Fat Girl, die verloren gegangene Atombombe. Yann ist ein Spaßvogel, wie es zurzeit nicht viele im Comic-Bereich gibt. Mit Conrad bildet er ein perfektes Team. Wer es englisch pechschwarz mag, ist hier genau richtig.
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Stichwörter: yann, conrad
Samstag, 11. November 2006
Irgendwann in der Zukunft. Lara Croft ist ein Mythos. Vieles, was wir heute über sie wissen glauben, entstammt Videospielen, Comics und auch Kinofilmen. Die wahre Lara Croft war anders.
Wer das Museum zu ihren Ehren betritt, erhält genau diesen Eindruck. Hier finden sich echte Artefakte aus ihrem Leben, jene Dinge, die sie über die Jahre hinweg gesammelt und bewahrt hat.
Bereits sehr früh wusste Lara schon, was sie werden wollte. In jungen Jahren, als kleines Kind, begleitete sie ihre Eltern bei einer Ausgrabung. Ihr ist es zu verdanken, dass hierbei ein ganz besonderes Artefakt geborgen werden konnte. Von diesem Augenblick an steht es für Lara fest: Sie wird ein Schatzjäger, ein Abenteurer, manche würden sagen, ein Grabräuber – doch nur böse Zungen würde das behaupten.
Vor den Augen des Betrachters der wertvollen Gegenstände im Croft-Museum entsteht eine völlig neue Lara, eine die niemand kannte. Die Besucher – und andere aufmerksame Betrachter – sind fasziniert.
Das Hologramm, Polly Gon, dem Erscheinungsbild von Lara Croft nachempfunden, wie jeder sie aus den Videospielen her kennt, führt die Besucher von Station zu Station und fasziniert sie mit immer neuen Begebenheiten aus dem Leben einer Abenteurerin, der keine Situation zu brenzlig sein konnte.
Kann es sein, dass ein Programm Gefühle entwickelt? Polly Gon verhehlt ihre Enttäuschung nicht, denn diese Führung wird ihre letzte sein. Es ist beschlossene Sache, dass sämtliche Artefakte wieder an ihre Ursprungsorte oder in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden sollen. Damit verliert das Museum seine Berechtigung und wird schließen.
Lara hat ein langes und spannendes Leben gelebt. Sie jagte auf Motorrädern durch enge Gassen, hetzte und turnte durch Labyrinthe, die sich ein krankes Genie ausgedacht haben muss, wich den geschicktesten Bogenschützen der Welt aus, tauchte in haiverseuchten Gewässern – doch was wurde aus dieser Frau, der scheinbar nichts etwas anhaben konnte?
Die 38. Ausgabe von Tomb Raider enthüllt die ganze Wahrheit über Lara Croft. Endlich erfährt der Leser wirklich, wer sie war und was aus ihr wurde. Es ist kein Zufall, dass die Geschichte im englischen Original den Titel Alpha Omega heißt – Anfang und Ende: Und vielleicht ein neuer Auftakt.
Die vorliegende Geschichte rollt das Thema Lara Croft von einer neuen Seite auf und ermöglicht es dem Autor Dan Slott eine Handlung im Tomb Raider-Universum aufzubauen, ohne auf bisherige Handlungsstränge Rücksicht nehmen zu müssen.
Slott lässt viele kleine Ideen einfließen. Polly Gon erinnert wahrhaftig an eine Videospiel-Figur (nicht zuletzt aber auch an eine Comic-Variante). Oder die kleine Lara, die mit großen Augen beobachtet, wie ein uralter Tempel vor ihr zusammenstürzt. Sobald der Leser glaubt, es handele sich um eine reine Rückschau aus der Sicht der virtuellen Museumsführerin, schwenkt die Handlung in eine andere Richtung (die hier freilich nicht verraten werden soll).
Interessanterweise ist die neue Lara Croft nicht mehr so nett, wie sie der Leser bisher kannte. Ein wenig ihres Edelmutes ist ihr eindeutig abhanden gekommen. Man könnte behaupten, sie wird dem Titel der Serie endlich gerecht: Tomb Raider.
Von einer Lara Croft, die eine Spur skrupelloser ist, könnte sich der Leser durchaus mehr wünschen.
Tomb Raider-Geschichten haben in der Regel einen hohen zeichnerischen Stellenwert. Zeichner Francis Manapul reiht sich in die gewohnt gute Qualität der Serie ein. Zwar ist ein eigener Zeichenstil erkennbar, dennoch hält er sich im Rahmen der Ähnlichkeit, die Zeichner wie Andy Park und andere vorgegeben haben. Comic-Fans werden seine Arbeiten von Tomb Raider her kennen, Retro Helix, Monster Fighters, GI Joe, The Darkness, aber auch viele Cover, die er für Witchblade geschaffen hat. Einen guten Überblick gibt seine Homepage unter www.francismanapul.com.
Action, Details und Perspektiven sind perfekt umgesetzt. Deshalb ist eigentlich schade, dass die Rückblicke in die Vergangenheit der wahren Lara Croft nur so kurz ausfallen.
Unter dem Strich bleibt eine tolle neue Episode aus dem Tomb Raider-Universum, neu erzählt, spannend von Anfang bis Ende und einer gelungenen Auflösung.
Stichwörter: tomb raider, dan slott, francis manapul, kevin conrad, jay leisten, brian buccellato