Montag, 29. September 2008
Hüte dich vor dem, was du dir von einem Djinn wünschst! Aladin fand einst die Lampe, die sein Leben verändern sollte. Vieles hat sie ihm eingebracht. Nun ist er sogar der geliebte Kalif, dessen Geschichte sich das Volk auf den Straßen erzählt. Die Wahrheit jedoch ist vielschichtig. Aladin hat den Djinn aus der Lampe nicht so unter Kontrolle, wie er gerne hätte. Eine Frage bringt sein ganzes Leben durcheinander – um es vorsichtig auszudrücken. Aladin möchte seine Zukunft kennen. Die Antwort, sein Sohn werde ihn dereinst töten, gefällt ihm ganz und gar nicht. Leider hat der Djinn eine Lösung parat.
Viele Jahre später möchte ein inzwischen erwachsener junger Mann mehr über seine Herkunft herausfinden. Merkes, ein Seemann, hat ihn wie einen Sohn aufgezogen, nun zieht es Sinbad hinaus in die Welt. Nur ausgerüstet mit dem, was er am Leibe trägt und einem Beutel, in dem allerlei Zauberwerk versammelt ist, macht er sich auf die Suche nach einem Krater von Alexandria. Doch das ist viel leichter gedacht, als getan. Denn der Krater will nicht nur gefunden, sondern auch gefüllt werden, damit er seiner Bestimmung nachkommen kann.
Willkommen im Orient! Sinbad ist wieder da. Nicht wenige werden mit der putzigen Zeichentrickserie um den Seefahrer aufgewachsen sein. Manche werden sich an das Auge des Tigers erinnern und ein paar weniger kennen vielleicht noch Douglas Fairbanks jr. in der Rolle des dreisten und sympathischen Abenteurers. Sinbad – wie er hier genannt wird und nicht Sindbad – nimmt sich, was er braucht. Überleben ist auf den Straßen, zwischen den Basaren, Häfen und Händlern das A und O. Manchmal gilt es auch, sich eines zornigen Bruders zu erwehren, dessen Schwester Sinbad entehrt hat.
Christophe Arleston, der als Comic-Autor mittlerweile auf eine beachtlich große Anzahl von Alben zurückblicken kann, zeigt an besagter Szene sehr schön, dass Sinbad nicht nur ein kleiner Schaumschläger ist, sondern auch einer, der sich seiner Haut zu erwehren weiß. Im Kampf heiligt der Zweck, das Überleben, die Mittel.
Man wird als Leser schnell warm mit diesem Halunken, der nicht nur eine scharfe Klinge führt, denn mit Worten, spitz wie auch charmant, ist er ebenso gut.
Durch die Augen eines ehemaligen Disneyaners, Pierre Alary, erlebt er der Leser diese wundersame Märchenwelt. Äußerst interessant sind seine Entwicklungsstudien, die zuerst noch einen älteren reiferen Sinbad zeigen. Angekommen in der Endversion ist er ein junger Mann mit Bart, jemand, der seine Jugend hinter Barthaaren versteckt.
Obwohl Alary zehn Jahre als Animateur bei Disney verbracht hat, ist sein Zeichenstil sehr von der zuckersüßen Ausdrucksform der Disneyschen Welten entfernt. Und dort, wo man als Leser glauben könnte, dass er sich dieser Form annähert, führt er dieses Vorurteil ad absurdum. Denn je putziger hier jemand ausschaut, desto gefährlicher ist es, er oder sie. Der Leser sieht dies am Beispiel der Zauberin Turabah, die wie die minderjährige Schwester von Pocahontas wirkt. Auch der Djinn kann eine optische Verwandtschaft zum Djinni aus Aladdin, der Disney-Produktion von 1992, nicht leugnen. Sein Verhalten indes ist alles andere als komisch.
Es entsteht zuweilen der Eindruck, als zerpflücke Alary alte Vorbilder mit großem Genuss. Dafür arbeitet er aber auch sehr klassisch – und sehr gut – mit Vorzeichnung und Tusche. Die daraus entstehenden Grafiken haben zwangsläufig etwas weiches, abgerundetes, sehr lebendiges. Da schwingen die Linien, laufen sanft aus. Das Hinsehen macht hier richtig Spaß.
Die Kolorierung von Jean-Paul Fernandez verwendet alles, was das Grafikprogramm hergibt. Aber Fernandez passt sich auch den Zeichnungen an, arbeitet zurückhaltend und färbt den Grafiken von Alary nicht den Rang ab.
Ein sehr flüssiges Leseerlebnis, sehr gut von Arleston erzählt – das wird langsam zur Gewohnheit – dank der Abweichungen von bisherigen Erzählungen auch völlig unvorhersehbar. Alary und Fernandez liefern stimmige märchenhafte Grafiken, deren manchmal im Gegensatz zu der sehr erwachsenen Erzählweise steht. Für Freunde gepflegter Abenteuer sicher empfehlenswert.
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Stichwörter: christophe arleston, pierre alary, jean-paul fernandez
Dienstag, 10. Juni 2008
Der große Khengis, der Anführer der Horden, die das abgestürzte Sternenschiff Kometenstaub belagern, besitzt keine Geduld mehr. Verluste sind ihm gleich. Die Kometenstaub soll gestürmt werden, um jeden Preis. Wenig später beginnt der Großangriff.
Von allen Seiten her dringen die Angreifer auf das gestrandete Schiff ein. Zu allem Überfluss fliegt Khengis höchstpersönlich einen Angriff mit einer kleinen Einheit seiner Drachenflieger auf die über der Kometenstaub schwebende Galaxy Jumper. Das Schicksal der Reisenden scheint besiegelt.
Die Schiffsinsassen wollen indes nicht so leicht aufgeben. Noch gibt es eine Verteidigungsmöglichkeit. Und wer hatte die Idee dazu? Ausgerechnet Bordtechniker Narvath verschafft der Kometenstaub mit seinem ungewöhnlichen Plan neue Energie. Doch wird das ausreichen?
Granit, die ehemalige Navigatorin der Kometenstaub, handelt sich weitere Schwierigkeiten ein, als sie den Präsidenten Dhokas einer eigenen Form der Befragung unterziehen will. Leider ist Dhokas nicht nur als Präsident bekannt, sondern auch als Miteigner der Kometenstaub, weshalb die Kommandantin des Schiffes ihn mit Samthandschuhen anfasst.
Eine vergebliche Maßnahme, wie es sich bald herausstellen wird.
Das letzte Geheimnis wird, obwohl durch den Titel angedeutet, noch nicht gelüftet. Vieles wird klarer, dafür jedoch brauen sich weitere Rätsel zusammen, deren Schwere sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht abschätzen lässt.
Das angesprochene Geheimnis vernachlässigen wir an dieser Stelle einmal. Konzentrieren wir uns auf den Konflikt, der den anderen zentralen Punkt dieser Geschichte bildet.
Christophe Arleston erklärt dem Leser mit einem kurzen Prolog, einem Alptraum, die Motivation von Khengis und die Entstehung seines Hasses. Und er zeigt dem Leser, dass Khengis doch über Gefühl verfügt, wenn auch nur über solches, das ihn selber betrifft.
Nicht nur charakterlich gehört Khengis zu den herausragenden Gestalten diese SciFi-Comics – und das ist wörtlich zu nehmen. Mit einem überdimensionalen Schlangenkörper, vier Armen und einem gewaltigen Schädel, der an die neuere Version des Godzilla erinnert, ist er ein sehr ungewöhnlicher, aber auch außergewöhnlich gestalteter Heerführer geworden. Wenn Adrien Floch, der Künstler dieser Serie, Khengis auf einem Flugdrachen abbildet, ist der Sprung zu reinrassiger Fantasy nicht mehr weit.
Der Kontrast im weiteren Verlauf, zwischen archaischen Waffen der planetaren Streitkräfte einerseits und den modernen Schusswaffen auf der Kometenstaub andererseits, sorgt für weitere Spannung und interessante Szenen. Theoretisch müssten die Schiffbrüchigen den Bewohnern von Ythag überlegen sein, allein durch ihre Waffentechnik, in Wahrheit aber steht ihnen ihre Zivilisiertheit im Weg.
Granit und Narvath haben inzwischen dazu gelernt, die dritte Figur des Trios, Callista (man könnte sie dem Charakter nach zu urteilen auch Cordelia nennen) ist immer noch auf ihre Fingernägel bedacht, die sie sich dreckig machen könnte. Von einem Abbruch derselben wollen wir gar nicht reden.
Narvath, der anfänglich noch etwas hinter der überaus aktiven Granit herhinkte, hat deutlich aufgeholt. Arleston hat seinen Charakter herausgearbeitet, während Floch den jungen Mann auch optisch besser in Szene setzt. Von einem eher tollpatschigen Belmondo-Typ ist Narvath zu einem knallharten Belmondo-Abenteurer-Typ geworden.
Grafisch kann sich Adrien Floch hier richtig austoben, denn es geht von Anfang bis Ende zur Sache. Die technische Oberfläche, die diversen Strukturen, Kommandoräume und Gänge bilden eine theaterähnliche Bühne, einen geschlossenen Raum, dessen Inszenierung mit Kamerafahrten und –perspektiven eines Films vergleichbar sind.
Wenn es in die Totale geht, in die Außenansichten und das Auge den Flugdrachen über den angreifenden Truppen folgt, könnten hier wirklich Einflüsse des Kinos herangezogen worden sein.
Die Ausarbeitung der Grafiken ist überaus fein und aufwendig. Floch arbeitet mit leichten, aber auch nur mit den nötigen Strichen. Crazytoons, die Farbschmiede, setzt leuchtende, strahlende Farben hinzu und macht daraus ein bonbonfarbenes Feuerwerk, an dem man sich als SciFi- wie auch Fantasy-begeisterter Comic-Leser kaum satt sehen mag.
Was soll man sagen? Wer SciFi-, Fantasy- oder Space-Operas mag, wo es knallt und kracht, die Charaktere hinreißend sind – auch wenn man sie nicht alle leiden mag, wie Khengis z.B. – der Spannungsbogen sitzt und Rätsel wie auch Action zum beständigen Weiterlesen animieren, der kommt an den Schiffbrüchigen von Ythag einfach nicht vorbei.
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Stichwörter: christophe arleston, adrien floch, das letzte geheimnis
Freitag, 02. Mai 2008
In der Doloniac World Company herrscht wieder etwas, das an den gewohnten Arbeitsrhythmus erinnert. In der hektischen Betriebsamkeit fällt der Lieferant mit der Wassergallone gar nicht weiter auf. Er ist nur ein Mann, der seine Arbeit macht. Seine Nervosität wird zwar bemerkt, aber dies wird seiner Aufregung über das Zusammentreffen mit einem der Firmenmanager zugeschrieben. Der Mann erledigt seine Arbeit. Sobald die Wassergallone an ihrem Platz ist, erfolgt eine riesige Explosion. Teile des Firmengebäudes regnen in den Abgrund. Ein weiterer Anschlag auf die Konzernspitze erschüttert das Unternehmen.
Unterdessen übt sich Morea in ihren sportlichen Fertigkeiten. Ihr Lehrer, Mentor und Ritter an ihrer Seite, Terkio, gibt sich die allergrößte Mühe, Morea durch den Parcours zu hetzen. Die junge Frau, die nach der Eröffnung, eine Unsterbliche zu sein, bereits einiges gewöhnt ist, gerät auf diesem Hindernislauf in luftiger Höhe schnell aus der Puste. Man bewegt sich nicht alle Tage an Lianen durch die Luft vorwärts – und man wird dabei schon gar nicht von kleinen Affen geärgert. Allerdings können sie auch sehr hartnäckig sein. Einer folgt Morea fortan auf Schritt und Tritt.
Das Attentat löst neue Sicherheitsmaßnahmen aus, aber Morea nimmt dieses Vorgehen nicht mehr allzu ernst, nicht nach all ihren Erlebnissen. Auch will sie nicht warten und spielt selber Detektiv. Gemeinsam mit Terkio und ihrem Butler Jeeves findet sie alsbald eine Spur.
In der vierten Ausgabe der Reihe findet wieder ein Schauplatzwechsel statt. Wer steckt hinter dem neuerlichen Anschlag – der Leser weiß es - auf diese Frage gilt es eine Antwort zu finden. Die Spur führt hin zum organisierten Verbrechen von Havanna.
Christophe Arleston lässt sich nicht lumpen und führt die Reihe gewohnt spannend und abwechslungsreich fort. Als Leser erwartet man diese sehr ausgefeilte Erzählweise von dem Autor, der für Serien wie Lanfeust von Troy oder Die Schiffbrüchigen von Ythag verantwortlich ist. Mit Morea zeigt er auf leichtfüßige Art, wie gut er einen Thriller in der Zukunft erzählen kann, ohne in die reiche Trickkiste des Phantastischen greifen zu können – die Möglichkeiten innerhalb einer Fantasy-Welt oder auf einem vollkommen anderen Planeten sind natürlich unendlich größer.
Doch auch die Einschränkung bedeutet keinerlei erzählerische Bremse für ihn.
Im Gegenteil. Man mag den Eindruck gewinnen, dass Arleston in diesem Band ein paar Genres und Geschichten ein wenig auf den Arm nehmen will. Gleich als wir Morea begegnen, schwingt sie sich wie unlängst Tarzan, Verzeihung, Jane von Ast zu Ast. Der Butler ist zwar nicht der Mörder, aber dafür ein ausgebildeter Aufpasser. Und zum guten Schluss lässt das chinesisch geprägte organisierte Verbrechen Erinnerungen an die guten alten Bruce Lee-Filme aufleben. Oder neuere Kinogänger und Tarantino-Fans werden sich hier über weitere schlagkräftige Kung Fu-Frauen freuen können.
Vielleicht ist dieser Einfluss auch auf Dominique Latil, den Co-Autor, zurückzuführen. Das lässt sich von dieser Warte aus leider nicht sagen.
Fest steht jedoch, dass Thierry Labrosse seine Morea inzwischen aus dem FF beherrscht. Er lässt es sich auch nicht nehmen, seine Hauptdarstellerin mitunter nackisch zu zeichnen und propagiert auf seine Weise für ein Frauenbild, das nicht mit den berüchtigten Hungerhaken zu vergleichen ist. (Das Titelbild übertreibt hierbei ein wenig. In der Geschichte selber nimmt Labrosse die Proportionen etwas zurück und bleibt realistischer.) Neben einer gesunden Weiblichkeit wird auch auf Sportlichkeit gesetzt. Frauen sind hier nicht nur ansehnlich, sie sind auch Gegner – die selbst so erfahrene Recken wie Terkio manchmal blass aussehen lassen.
Aber sie, die Frauen, können auch in recht verfahrene Situationen kommen. Die neue Praktikantin in der Rechtsabteilung wird so auf einmal zu einer Figur mit einer eigenen kleinen Geschichte in der Geschichte. Die junge Frau wähnt sich nicht zu Unrecht später als Praktikantin der Action-Abteilung. Die Folterszenen wie auch die Flucht inszeniert Labrosse mit einem Augenzwinkern, einer Arbeitshaltung, die sich durch den gesamten Band zieht und so diesmal ein besonders heiteres Science Fiction-Vergnügen schafft.
Eine Übergangsepisode, in der sich einige Schleier lüften und lose Erzählenden miteinander verknüpft werden. Der vierte Band von Morea präsentiert sich mit viel Action und Situationskomik. Der letzte Band des Zyklus dürfte, wie es in vorhergehenden Episoden angedeutet wurde, wieder weitaus ernsthafter ausfallen.
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Stichwörter: christophe arleston, thierry labrosse
Sonntag, 02. März 2008
Morea wurde gefangen. Bewusstlos, an einen Stuhl gefesselt, der nur für Experimente entwickelt worden zu sein, sind die Drachen um sie herum nur an einem interessiert. Sie wollen endlich das Geheimnis der Unsterblichkeit erfahren.
Entgegen der langen Feindschaft der Gemeinschaften von Drachen und Engeln haben die Engel das Geheimnis um diesen Wettbewerbsvorteil der Engel immer noch nicht lüften können. Leider ist Morea nun zum Versuchskaninchen geworden. Die junge Frau ist unsterblich. Aber wie könnte das Geheimnis um diesen körperlichen Zustand gelüftet werden? Man muss während der Regenerierung nach dem Tod die Daten aufzeichnen. Dazu muss sie erst einmal sterben. Wieder und immer wieder.
Nach geraumer Zeit bleiben Morea noch nicht einmal Augenblicke, um zu realisieren, dass sie wieder unter den Lebenden weilt. Schon Sekunden nach dem Einsetzen der ersten Vitalzeichen, trifft sie erneut eine Kugel in den Kopf.
Schließlich greift sie zu einer List. Und nicht zu früh, denn die Engel sind mit den Untersuchungsergebnissen immer noch nicht zufrieden.
Derweil hält es ihr Freund und Mentor nicht länger aus. Nicht darauf vertrauend, dass ihr Konzern eine Rettungsaktion auf die Beine stellen kann, hat sich Terkio alleine auf den Weg zur entlegenen Raumstation auf der anderen Seite des Mondes gemacht. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass Morea längst woanders untergebracht ist.
Moreas Überraschung über ihren nächsten Aufenthaltsort ist groß. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass dieser Planet, auf dem sie sich befindet, nicht die Erde ist. Und wenn es nicht die Erde ist, wie gelangt sie wieder zurück?
Und warum – denn das ist viel beunruhigender – heilen ihre Wunden nicht mehr binnen kürzester Zeit?
Das Fantasy- und Science Fiction-Abenteuer um die Erbin des Doloniac-Konzerns bringt in seiner dritten Folge völlig neue Erkenntnisse und viele neue Schwierigkeiten, mit denen sich Morea, die Titelheldin, auseinandersetzen muss.
Es wird immer phantastischer, aber auch ausgeklügelter. Christophe Arleston fügt weitere Einzelheiten hinzu und wendet gekonnt das Prinzip an, in dem ein Leser zusammen mit der Hauptfigur in eine Geschichte hineinfällt. Nach der guten alten Erde sind die Spielorte nun das Weltall, eine Raumstation, und ein Nachbarplanet, der sich so ganz anders präsentiert, als wir ihn kennen.
Morea ist in mancher Situation hilflos, aber nicht einfallslos. Ihre Nacktheit als Versuchskaninchen unterstreicht die Hilflosigkeit, bedeutet dem Leser, dass ihre Wärter nicht in Betracht ziehen, sie noch einmal davon kommen zu lassen. Die Wissenschaftlerin, die ihre Experimente gnadenlos vorantreibt, um ihrem Vorgesetzten, dem ehrwürdigen Immaros, zu gefallen. Natürlich ist die generationsübergreifende Feindschaft der beiden Parteien auch ein Grund für diese Bestialität.
Thierry Labrosse zeigt eine Frau, die sich sehr schnell aufrappelt und – rein körperlich – sehr normal wirkt, kein Übermensch ist, wie sie von anderen Zeichnern zu Papier gebracht werden. Die Echtheit der Figuren, insbesondere der Hauptdarsteller, macht die Handlung nachvollziehbarer, erlebbarer für den Leser. Denn die phantastischen Eigenheiten dieser Welt wie die Raumstation und später der Lebensraum der Engel sind auf ähnlich natürliche Weise gestaltet.
Hier ist der Lebensraum auf dem fremden Planeten besonders hervorzuheben. Labrosse hat diese Architektur organischer und urwüchsiger gestaltet, als es der Leser aus den Bildern der zukünftigen Erde her kennt. Ein wenig kommen die Schauplätze jenen in Simbabwe nahe. Die Farbgebung, mit einem dunklen Rot als Grundton, tut ihr Übriges, um diese Szenarien optisch auch gegen die anderen Schauplätze abzugrenzen.
Der dritte Band von Morea teilt sich in die Erlebnisse von Morea und Terkio. Morea gelingt es, stets neue Geheimnisse zu lüften, während Terkio versucht, ihrem Weg zu folgen und dabei ein Einmannkommando ist.
In seinen Rettungsbemühungen ist Terkio nicht weniger gnadenlos als die Engel – sofern es erforderlich ist. Einfaches Personal wird durchaus verschont – sofern es sich vermeiden lässt und entsprechend verhält. Höherrangige Chargen bekommen ihre eigene Medizin zu schmecken. Die Brutalität, die zwischen den beiden Gruppen vorherrscht, weist auf einen tiefen emotionalen Graben zwischen den Parteien hin. Nach Jahrtausenden ist dieser unüberbrückbar geworden. Anders ist das Lächeln von Terkio nicht zu verstehen, als er zwei Engel auf der falschen Seite aus einer Luftschleuse entlässt.
In der Geschichte stimmt das Timing. Der Wechsel zwischen Szenen von Morea und Terkio ist sehr gut aufeinander abgestimmt. Zwischendurch werden Szenen eingeschoben, die als weitere Ausgangsbasis zusätzlicher Geheimnisse dienen. In der Chefetage versucht jeder seinen Schachzug anzubringen. Im fernen Simbabwe geht ein Reporter seinem Schicksal auf grausame Weise entgegen.
Arleston (und natürlich Dominique Latil, der Co-Autor) versteht es genau, wo er Akzente setzen muss und wo es auch einmal notwendig ist, die Handlung einfach laufen zu lassen.
Am Ende zeigt es sich auch, dass Morea zwar viel von Terkio gelernt, aber seine über die Jahrhunderte gewachsene Kaltblütigkeit noch nicht verinnerlicht hat.
Ein Wendepunkt in der Saga um die junge Unsterbliche. Die verschiedenen neuen Aspekte geben der Geschichte eine neue Richtung. Phantastischer, technischer, auch geheimnisvoller, wie es der Leser so nicht erwarten konnte. Gerade diese Überraschungen machen die Reihe aus. Für SciFi-Fans ist diese Reihe eine sehr schöne Lektüre.
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Stichwörter: christophe arleston, thierry labrosse
Donnerstag, 10. Januar 2008
Seit langer Zeit bekämpfen sich Engel und Drachen auf der Erde. Entgegen der landläufigen Meinung sind die Engel nicht die Guten! Nach ihrem ersten Tod muss die junge Moréa erfahren, dass sie zu den Drachen gehört, jener Gruppe, die die Menschheit in eine bessere Zukunft lenken will. Wir schreiben das Jahr 2082. Ort der Handlung: Kuba und die Vereinigten Staaten.
Es hat sich einiges getan in den letzten Jahrzehnten. Gegen jede Erwartung ist Kuba zu einem mächtigen Wirtschaftsstandort aufgestiegen. Und wider alle Erwartung ist das einstige gelobte Land der USA zu einem Dritte-Welt-Land verkommen, in dem alles streng überwacht wird und Puritaner die Oberhand gewonnen haben.
Durch das Attentat, das die Spitze des Superkonzerns der Doloniacs auslöschte, rückte ausgerechnet Moréa ganz nach vorne als Erbin der riesigen Firma. Eben noch unter ferner Liefen in der Nachfolgekette, regiert sie nun nicht nur sprichwörtlich über ein Imperium. Ein solcher Sprung bringt bereits genug Probleme mit sich, leider gehört Moréa auch noch zu den Auserwählten der Drachen. An ihrer Seite steht als Lehrer wie als Verbündeter Terkio, ebenfalls ein unsterblicher Drache, ein Mentor, der sie in die Geheimnisse der Unsterblichen und ihrer ungeschriebenen Gesetze einführen soll.
Moréa wird zwischen ihrer Bestimmung und ihrer Verantwortung hin- und hergerissen, denn ein neuerlicher Zwischenfall wirft ihr altes Leben noch weiter aus der Bahn.
Industriespionage gehört auch in der Zukunft zu sehr einträglichen wie auch sehr kriminellen Geschäften. Eine der neuesten Entwicklungen findet ihren Weg in die Vereinigten Staaten, in die jeder Gast zuallerst nackt einreist – Paranoia wird im amerikanischen Polizeistaat groß geschrieben.
Moréa und Terkio beschließen auf eigene Faust, den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Eine illegale Einreise in die Vereinigten Staaten gestaltet sich allerdings alles andere als einfach. Getarnt als Urlauber steuern sie die fremde Küste an, nur um sehr bald schon wieder in die wildesten Abenteuer und Verfolgungsjagden verwickelt zu sein.
Wer Moréa auf dem Cover betrachtet, könnte der Auffassung sein, jemand wolle hier Angelina Jolies nächste Action-Rolle in die Wege leiten.
Die Serie Moréa verheimlicht seine Anleihen und seine Vorbilder nicht. Das macht es für den Leser aber auch sehr leicht, sich sehr schnell zurecht zu finden.
Nach einer Einfindungsphase in ihr neues Schicksal hat sich Moréa hier in der zweiten Folge mit ihrer neuen Rolle arrangiert. Sie genießt ihr neues Leben, liebt die ungeheure Abwechslung, aber sie ist auch genervt von der Aufmerksamkeit um sie herum. Wie es sich für eine hochgestellte Persönlichkeit gehört, die es leid ist, ständig mit Leibwächtern umgeben zu sein, geht sie auch bald eigene Wege und taucht unter – sehr zum Leidwesen der Sicherheitsleute, die nun alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Schutzbefohlene wiederzufinden.
Wie gefährlich das Leben sein kann, zeigen auch erneute Attentatsversuche, denen es mit Leichtigkeit gelingt, bestehenden Sicherheitseinrichtungen zu umgehen – jedenfalls scheint es so zunächst.
Terkio hat seine eigenen Auffassungen, seinen Schützling zu testen. So reiht er sich nicht nur optisch hinter sein Vorbild Sean Connery ein, sondern erinnert einmal mehr an den spanischen Pfau, der bereits dem Highlander zeigte, wie es um das Leben der Unsterblichen bestellt ist.
Kuba, das neue Mekka der Schönen und Reichen, erinnert in seiner Konzeption an das Hong Kong vor der Rückkehr in den chinesischen Schoss. Dekadent, modern und traditionell gleichermaßen, aufstrebend, in die Höhe wachsend, exotisch, schnelllebig, rasant. Demgegenüber steht das wenig freundliche Amerika. Streng, metallisch glänzend, martialisch, voller Fremdenhass, zurückgeblieben. Aus den Vereinigten Staaten ist die Sowjetunion des neuen Jahrtausends geworden. Willkür lautet die Grundregel des Gesetzes. Paragraphen sind ebensolche Witzfiguren wie jene Anwälte, die später zur Hilfe von Moréa einreisen.
Neben all der Aktion (engl.: Action – kleiner Scherz) beweist Texter und Autor Christohpe Arleston mit diversen Nebenschauplätzen und Figuren auch seinen Humor. Die Anwälte der Doloniacs, zu dritt, gleich dick, gleich aussehend, nur durch ihre Größe zu unterscheiden, wirken wie von aktuellen humoristischen Anwaltserien inspiriert. In den Vereinigten, Verzeihung, in den Christlichen Staaten von Amerika, wie sie sich jetzt nennen, besitzen Anwälte kein großes Ansehen. Das gesamte Verhalten ist irgendwie klingonisch geworden. Wer vor Gericht gestellt wird, ist eigentlich schon verurteilt, eine Verteidigung hat keinerlei Auswirkung – auch wenn sie erlaubt scheint.
Arleston karikiert gegenwärtige Zustände und überspitzt sie mit leisem Humor. Es ist gerade ausreichend, um der die Geschichte die Härte zu nehmen, sie amüsant zu gestalten, ohne sie durch zu viel Witz zu verunstalten. So zünden die kleinen Scherze umso mehr, bleiben die Situationen realistisch genug und packend.
Thierry Labrosse hat sich ebenfalls der realistischen Darstellung verschrieben. Eine Welt, die sich an der Grenze zur Überfüllung befindet, wie sie in Genre-Filmen wie Das fünfte Element Ausdruck fand, verlangt einem Zeichner eine außerordentliches handwerkliches Können ab, das Labrosse aber immer wieder unter Beweis stellt. Technik und Architektur sind wieder einmal sehr gelungen, lebensnah und bieten die beste Kulisse für dieses SciFi-Märchen, das für beste Unterhaltung steht.
Neue Informationen erweitern die Welt um Moréa deutlich, machen sie plastischer, unterhaltsamer. Arleston und Labrosse navigieren ihre Heldin in eine scheinbar aussichtslose Situation und beenden diese Episode mit einem sehr gemeinen Cliffhanger, wie ihn die Urväter dieser Erzähltechnik nicht besser hätten schreiben können. Spaß, Spannung und eine hohe Erzählfreudigkeit machen Moréa zu einer klasse SciFi-Geschichte.
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Stichwörter: christophe arleston, thierry labrosse
Donnerstag, 15. November 2007
Kommandant Burhto versucht einen kontrollierten Abstürz zu koordinieren. Das gestaltet sich viel schwieriger, als zunächst angenommen. Schnell lösen sich die ersten Teile vom Sternenkreuzer Kometenstaub ab. Und der Sturzflug ist noch nicht zu Ende.
Kurz nach der Bruchlandung ist allen Beteiligten klar, dass es einen erneuten Start so schnell nicht geben wird, die das sie umschließende Wasser ist bereits wieder gefroren und hält sie fest.
Währenddessen sind Granit, ihr Schiffskamerad Narvath und die ehemalige Urlauberin Callista weiterhin auf der Flucht. Ihr vorläufiges Versteck wird alsbald von einem unheimlichen Wesen heimgesucht, einem Wesen, das sich kurz vor einer Metamorphose befindet. Kurzzeitig wird auch Narvath von diesem Parasiten befallen. Granit setzt sich gegen den Angreifer zur Wehr, aber dieser Feind ist vollkommen neu und nicht einschätzbar.
Ein alter Bekannter ist der Kriegsherr Khengis, der es noch nicht aufgegeben hat, sie finden zu wollen.
Die Geschichte um Die Schiffbrüchigen von Ythag wird nun von einer anderen Seite her aufgeschlagen. Nach den Abenteuern um die Überlebenden der Lounge erfährt der Leser auch, was aus dem Hauptteil des Schiffes geworden ist. Die Landung, trefflich inszeniert von Adrien Floch, verläuft etwas sanfter, als es von der ersten geschilderten Bruchlandung her bekannt ist. Doch lange unbemerkt bleiben auch diese neuen Besucher auf Ythag nicht.
Wie der Untertitel des vierten Bandes der Reihe verrät, erhält das abgestürzte Schiff sehr schnell die Aufmerksamkeit eines Kriegsherrn. So fällt Khengis’ Schatten auf die Schiffbrüchigen. Der Name dieses brutalen Hehrführers ist nicht zufällig gewählt, denn ähnlich wie sein Namensvetter aus der Historie der Erde unternimmt auch dieses riesige wurmähnliche Geschöpf alles, um sein nomadisch existierendes Reich zu vergrößern.
Khengis bringt ein unheimliches (oder auch unheimlicheres), ein unvorhersagbares Element in die Geschichte ein, weil seine Winkelzüge zwar ein Ziel verfolgen, aber sein Verhalten ist für jede Überraschung gut. Der Überfall aus der Luft ist ein gutes Beispiel hierfür – und letztlich auch für den Einfallsreichtum von Autor Christophe Arleston, dessen Phantasie dank diverser Abenteuer im Science Fiction- und Fantasy-Genre nicht mehr wegzudenken ist.
Aber vergessen wir die eingeschworenen Helden nicht, die bisher erstaunliche Erfahrungen mit den vielfältigen Völkern auf Ythag machen konnten. Nicht zuletzt bringt diese Vielfalt auch weitere Überraschungen. Auf Ythag finden sich Wesen, nicht nur auf Menschen beschränkt, die in der Lage sind, die Elemente zu beherrschen. Eines dieser Wesen ist ausgerechnet die Navigatorin Granit. Auf Ythag ist sie ein Gluter, fähig, das Feuer zu beherrschen. Damit rückt sie zusätzlich in den Mittelpunkt von Khengis’ Interesse, denn als Kriegsherr will er diese Macht für seine Kämpfe nutzen.
Ythag gestaltet sich weiter als ein Feuerwerk der Ideen. Dank Arleston und Floch ist auf diesem Planeten vieles möglich. Dank der verschiedenen Völker enthüllen sich immer weitere Geheimnisse, aber auch Tricks und Kniffe, die den unfreiwilligen Helden helfen, aus so mancher schwierigen Situation zu entkommen.
Gute Beispiele sind die Falter, die sie durch die Luft transportieren, aber auch die Skaarfs. Jenes Volk lebt dank einer wärmespendenden Pflanze namens Lohee in einer unwirtlichen Kälteregion.
Diese vierte Episode kann mit einer Besonderheit aufwarten, die es bisher in der Reihe schon gab, aber die im Comic nicht immer zu finden ist. Lebendigkeit dürfte der Nenner sein, auf den es hinausläuft. Ist man erst einmal mit den Hauptfiguren vertraut, was sehr schnell geschieht, taucht man als Leser immer tiefer in die Welt ein, die nicht nur sehr fein gearbeitet ist und fast einen zisellierten Eindruck macht. Es ist ein bißchen wie der Blick in ein Diorama, eine Nachbildung. Wenn dann noch die Elemente verrückt spielen, ist der Eindruck für eine Comic-Geschichte perfekt.
Dies äußert sich besonders in jenen Fällen, in denen Granit ihre Kräfte anwendet. Oder auch im Schneesturm, der zeichentrickartigen Charakter hat. Das ist letztlich der Verdienst von Crazytoons, der Farbschmiede, die für die Kolorierung verantwortlich ist. – Ich finde es immer etwas schade, wenn die tatsächlichen Macher hinter solch einer Überbegrifflichkeit verschwinden. Wer gute Arbeit macht, sollte auch richtig namentlich erwähnt werden.
Aufregende Abenteuer in einer plastischen, absolut detailfreudigen Weltenbeschreibung mit allerlei phantastischen Elementen, einer schauerlichen Sequenz, vielen neuen Schwierigkeiten für die Helden und überraschenden Wendungen, die es unvorhersehbar machen, wohin sich die Geschichte bewegen wird. Ein Science Fiction-Abenteuer mit Vorbildcharakter für ein ganzes Genre.
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Stichwörter: christophe arleston, adrien floch, ythag
Donnerstag, 04. Oktober 2007
Morea Doloniac führt ein ganz normales Leben auf Kuba im Jahre 2082. Sie arbeitet für einen der mächtigsten Konzerne der Welt, dem DWC, und ist zugleich eine der Erbinnen dieser Firma, wenngleich sie in der Rangfolge auch ziemlich weit hinten steht.
Als sie zur Arbeit geht, ist alles so wie immer. Sie verabschiedet sich von ihrem Freund, nicht ahnend, dass bereits ein Killerkommando in den Wolkenkratzer eindringt, um alle Angehörigen der Doloniacs auszulöschen.
Morea hat außerordentliches Pech. Auch sie wird erschossen – nur um im Krankenhaus wieder aufzuwachen. Ihre Wunde ist verheilt, während ihr Blut noch ihren Oberkörper bedeckt. Nicht nur für den Sanitäter kommt diese Tatsache einem Wunder gleich. Dachte Morea, dies sei der Gipfel ihrer Probleme, sieht sie sich bald gewaltig getäuscht. Ihre unbekannten Feinde geben nicht so schnell auf.
Da trifft es sich, als im Moment höchster Not ein Unbekannter ihren Weg kreuzt und sie rettet.
Es kann nur eine geben, trifft in diesem Fall nicht zu, denn Morea gehört zu einer ganzen Reihe von Unsterblichen, die auf dem Planeten weilen. Ähnlich wie es der Fantasy-begeisterte Leser von Highlander her kennt, haben auch diese von Christophe Arleston geschaffenen Unsterblichen eine Schwachstelle: Sie können verbrennen. Das bedeutet ihren endgültigen Tod.
Morea, die Erbin eines Multimilliardenunternehmens, ist jedoch nicht allein. Pünktlich zu ihrem Ableben findet sich ein Lehrer ein, der ihr beibringen will, wie sie sich als Unsterbliche künftig zu verhalten – und zu verteidigen hat!
So weit, so ähnlich.
Der Leser findet eine Umgebung vor, die recht selten in dieser Form anzutreffen ist. Aus Kuba, der ehemals kommunistischen Hochburg in Spuckweite zum riesigen kapitalistischen Nachbarn USA ist ein gigantisches Handelszentrum geworden. Hier reihen sich riesige Wolkenkratzer aneinander.
Die Luftfahrzeuge, fliegende PKWs und Motorräder, die hier von Zeichner Thierry Labrosse gestaltet werden, erinnern, ebenso wie das gesamte Umfeld an Szenarien wie Das fünfte Element und Blade Runner. Auf dem Boden ist kein Platz mehr, weshalb die Gebäude in den Himmel sprießen. Die Architektur ist verspielt, geschwungen, fast könnte man sagen französisch, zieht man das Set-Design von Das fünfte Element zum Vergleich heran.
Am Boden herrscht ein zivilisiertes Durcheinander. Es ist ein wenig ungepflegt, aber bei weitem nicht so schmutzig wie im erwähnten Blade Runner. Hinzu kommt ein strahlendes Sonnenwetter, kurzum, der Handlungsort ist ein irdisches Paradies, das von der Hochfinanz weidlich ausgenützt wird.
Wie in Das fünfte Element ist der Hintergrund auch mystisch zu nennen, stehen sich doch zwei rivalisierende Parteien gegenüber, die sich selbst Drachen und Engel nennen. Im Gegensatz zur religiösen Mythologie verschiedener Glaubensrichtungen handelt es sich bei diesen Gruppen jedoch nicht um Gut und Böse, vielmehr sind es Wesen, die einzig um die Vorherrschaft kämpfen. Aus der Sicht der Drachen sind die Engel freilich die Bösen, denn ihre Vorstellung einer menschlichen Zukunft aus Gewalt, Sklaverei und der Vorherrschaft durch eine Minderheit behagt den Drachen überhaupt nicht.
Engel haben in Comics schon länger keinen besonders guten Leumund mehr. Oft schon wurde das so genannte Böse zum Missverstandenen, Fehlinterpretierten oder Opfer von feindlicher Propaganda. Inwiefern Morea hier tatsächlich schon die Wahrheit offenbart wurde, wird die weitere Entwicklung der Geschichte zeigen.
Angesichts von Arlestons Erzählkunst, die er bisher mit seinen Troy-, Lanfeust-, Ythag-Arbeiten und vielen anderen bewiesen hat, kann man sicherlich auf einige Überraschungen gefasst sein.
Wie paradiesisch das Gelände ist, zeigt sich auch am späteren Trainingsort von Morea und ihrem neuen Mentor Terkio. Ist das Training mit dem Schwert schon eine Hommage an Highlander, ist es der schlanke, in Ehren ergraute, bärtige und mit einem Pferdeschwanz versehene Terkio erst recht. Es wäre kaum glaubhaft, würde Labrosse behaupten, er habe bei dem Entwurf zu Terkio keinen Sean Connery vor Augen gehabt.
Labrosse ist als Künstler vergleichbar mit Terry Dodson. Wie der amerikanische Comic-Künstler setzt auch Labrosse hauptsächlich auf Außenlinien und nur wenige Tuscheschatten (von schwarzer Kleidung einmal abgesehen). – Dodson (mit Frau Rachel) hingegen setzt auf verschieden starke Linien, während Labrosse es doch eher bei einer Linienstärke belässt und diese auch nicht so exakt ausgeführt werden wie bei den akribischen Dodsons. Es ergibt sich ein eindrucksvoll realistisches Gesamtbild durch die menschlichen Figuren, aber auch durch Land, Architektur, technische Ausstattung wie auch durch die cineastischen Blickwinkel, mit denen Labrosse gerne arbeitet, wenn die Action die Handlung zeitweise bestimmt.
Farblich hält sich der Kolorist Didier Arpin sehr zurück. In der Regel gönnt er dem Szenario eine Grundfarbe und einen Schattierungston. Mit einer aufwendigen Farbgestaltung könnte eine viel plastischere Optik erzielt werden. Dank der realistischen Gestaltung hingegen, die bereits ein hohes Maß an Atmosphäre vermittelt, konnte aber auch darauf verzichtet werden.
Ein spannender Auftakt mit vielen bekannten Inhaltselementen, durch den sehr versierten Christophe Arleston gekonnt neu gemischt und einen sehr begabten Thierry Labrosse in Szene gesetzt. Die Mischung aus Science Fiction und mythologischer Auseinandersetzung wartet mit einer sympathischen Hauptfigur auf, die trotz ihrer Unsterblichkeit sehr menschlich bleibt und das Beste aus der Situation zu machen versucht.
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Freitag, 02. März 2007
Granit, Callista und Narvath sind wieder auf der Flucht. In der Begleitung ihrer neuen Freunde vom Planeten Ythag, Tao und Krurgor, wähnen sie sich in ihrem Fluchtvehikel zunächst sicher. Doch dann setzt der Antrieb aus.
Zu ihrem Glück bleiben die Gravitationsmaschinen, die das Schiff in der Luft halten, von dem Defekt verschont. Aber Menschen sind flexibel. Schnell haben sie eine alte Idee des Antriebs reaktiviert: Segel. Das Schiff setzt sich wieder in Bewegung.
Die Verfolger unter der Führung des Söldners Dhokas sind davon nicht erfreut, aber die Finsterlinge geben nicht auf.
Daneben hat der junge Narvath noch ganz andere, irdische Probleme. Er ist immer noch völlig in die attraktive Callista verliebt. Doch Callista ist keine Frau, die sich mit kleinen Fischen abgibt. Ein Mann muss für sie Geld besitzen, wenn er für eine Verbindung interessant sein soll. Dreht es sich nur um die Liebe, dann ist ihr eine Frau noch lieber. Kurz gesagt, Narvath hat nicht geringste Chance. – Und er ist nicht nur unglücklich verliebt. Die ehemalige Astronavigatorin, Granit, der Kometenstaub, würde es gerne sehen, wenn Narvath ihr dieses Interesse entgegenbringen würde.
Aber vorerst gibt es noch andere, wichtigere Probleme, die es zu bewältigen gibt.
Ein Positionssignal hat die Neugier der Überlebenden des Absturzes geweckt. Da gibt es nur leider ein Problem. Das Signal führt in ein Gebiet, das von fremden Kreaturen beherrscht wird. Selbst die Feng, denen einst die Hoheit über dieses Gebiet oblag, welches sie zu ihrer Stadt zählten, trauen sich nicht mehr in die inzwischen dunkel gewordenen Gänge.
Granit und ihre Freunde haben keine andere Wahl. Wenn sie eines der vielen Geheimnisse um Ythag lüften wollen, müssen sie sich einmal mehr auf ihrer Reise in Lebensgefahr begeben.
In der dritten Fortsetzung von Die Schiffbrüchigen von Ythag ist die kleine Gruppe einerseits weiterhin auf der Flucht, aber sie haben auch mehr Initiative entwickelt und suchen verstärkt nach einer Möglichkeit, den Planeten zu verlassen. Nach der Vorgabe des Autors Christophe Arleston nutzen sie die ihnen verbliebenen technischen Möglichkeiten, um das Land zu durchqueren. Mit sehr viel Phantasie breiten Arleston und der Zeichner Adrien Floch nicht nur wahnsinnig viele fremde Gestalten vor dem Leser aus, sondern präsentieren auch eine wilde Landschaft, phantastische Technik und gruselige Dungeons.
Arleston und Floch erzählen keine Kindergeschichte. Wie sich sehr schnell zeigt, müssen die Protagonisten eine mitunter sehr gewalttätige Tour De Force bewältigen.
Dhokas, der Söldnerführer, ist ein sehr gutes Beispiel für die Gefahren, denen Granit und ihre Freunden trotzen müssen. Dhokas kennt keine Gnade, stellt seine Interessen über alles andere und erpresst seine Ansprüche mit der Waffe – auch seinen eigenen Leuten gegenüber. Dieser Verbrecher ist den Freunden auf der Spur und der Leser kann sich ausmalen, was sie bei einer Begegnung erwarten wird. – Arleston spielt elegant mit dieser Erwartung und wartet gekonnt mit der einen oder anderen Überraschung auf.
Überraschender für den Leser ist die Expedition in den Dungeon, die sich bald als Hommage an eines der Dungeon-Leinwandabenteuer schlechthin entpuppt – Arleston gelingt es zu Beginn noch, dies geschickt zu verschleiern. Doch spätestens mit dem Auftauchen einer gewissen Königin muss es jedem Genre-Fan klar sein, womit er es hier zu tun hat. (Manches mag vielleicht sogar an Moria erinnern. Ganz gleich, was Arleston sich gedacht haben mag, die Verbeugung vor den großen Vorbildern ist absolut gelungen.) Von Floch wird eine äußerst ausdrucksvolle Situation in Szene gesetzt, die für die Beteiligten nur eines verheißt: Noch größeren Ärger.
Adrien Floch hat den Auftrag, die Spannung der Geschichte grafisch zu transportieren. Man weiß als Leser kaum, wo man zuerst mit dem Lob beginnen soll. Als Freund von gelungenen Science Fiction-Abenteuern, Space-Operas, liebe ich es die Atmosphäre aufzunehmen, die durch die technischen Finessen, die wilde Natur und die ungewöhnlichen Kreaturen geschaffen wird.
Floch gelingt es durch die erzählerische Vorgabe, viele Gegensätze in diesem Album zu vereinen. Wie die Geschichte einerseits und der Anhang mit einer ganzen Reihe von Skizzen und Entwürfen sowie Making-Offs andererseits zeigt, überzeugt Floch mit einer enormen Vielseitigkeit.
Es zeigt aber auch, dass selbst für einen professionellen Zeichner vor dem perfekten Ergebnis auch viel Arbeit steckt. – Aber es verhehlt auch nicht, dass handwerkliches Geschick nicht ohne Talent auskommt. Floch besitzt augenscheinlich beides.
Während sich die Geschichte spannend weiterentwickelt, entspinnen sich in zwei Nebenhandlungen kleine Geheimnisse, auf deren Enthüllung man zusätzlich gespannt sein darf.
Im dritten Teil wird das Abenteuer auf einem sehr hohen Niveau forterzählt. Rasant, düster, mit einer ordentlichen Portion Fantasy, so wird dem Leser mit dieser Erzählung der Mund wässrig gemacht auf die Fortsetzung.
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Mittwoch, 25. Oktober 2006
Eben noch war Leutnant Granit eine junge aufstrebende Navigatorin an Bord des Luxusraumschiffs Kometenstaub, im nächsten Augenblick ist sie auch schon in Ungnade gefallen.
Was bleibt, ist der Dienst an einer Bar, schlicht als Barkeeper für gelangweilte und überkandidelte Reisegäste. Granit ist von ihrem neuen Job nicht begeistert. Die Urlauberin Callista gibt ihr auf unmissverständliche Weise zu verstehen, wie wenig sie davon zu überzeugen ist, eine Navigatorin vor sich zu haben. Als wäre das noch nicht genug, kommt es ausgerechnet in dem Augenblick zur absoluten Katastrophe, als der Bordtechniker Narvath eine Reparatur an der Bar durchführen soll.
Die Kometenstaub stürzt ab.
Während der Rest des Raumschiffs andernorts auf dem fremden Planeten Ythag niedergeht, muss sich der Teil, in dem sich Granit, Narvath und Callista aufhalten, ausgerechnet eine kleine Siedlung einheimischer Banfoo als Absturzstelle aussuchen. Diese empfinden den Absturz denn auch nicht als Versehen sondern als pure Absicht und wollen mit den Eindringlingen nur zu gern kurzen Prozess machen. – Nicht nur aus Rache, denn ein Banfoo ist immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, jemandem den Prozess zu machen. Die einen betrinken sich, die anderen unterhalten sich mit Schauprozessen. Andere Welten, andere Sitten.
Ein Prozess endet bei den Banfoo leider allzu häufig mit dem Tod der Angeklagten. Diese Erfahrung machen die drei Schiffbrüchigen auf sehr eindrucksvolle Weise.
Damit nicht genug. Auf dem Planeten Ythag hält man andernorts die Überreste des Raumschiffs für eine große Chance. Ophyde, Herrscherin der Stadt Bridmoth, ist bemüht, durch Söldner jeden Überlebenden des Absturzes aufspüren zu lassen, damit sie einen Zugang zum Hauptteil des Wracks findet.
Granit und ihre Wegbegleiter werden zwar gejagt, doch wenigstens finden sie in dem gelehrten Wanderer Tao einen Gefährten, der sie mit so mancher Besonderheit des Planeten vertraut macht. Aber es bleibt gefährlich.
Der Autor Christophe Arleston ist für Freunde von Fantasy und Science Fiction beileibe kein Unbekannter. Zu seinen besonderen Erfolgen hierzulande zählen zum Beispiel Troll von Troy oder Lanfeust der Sterne. Mit der Saga um Die Schiffbrüchigen von Ythag entwirft er ein neues Universum, erweckt er neue Charaktere zum Leben und schickt sich an, eine Geschichte zu schreiben, die gleich von Beginn an spannend und unterhaltsam ist.
Zusammen mit den Charakteren (liebenswert: Granit, Narvath, sexy aber ein Ekelpaket: Callista) lernt der Leser die Welt Ythag kennen. Humor wird gleich nach dem dramatischen Start großgeschrieben. Mit der Gerichtsprozedur der Banfoo werden die derzeit häufigen Gerichtssendungen aufs trefflichste karikiert und auf die Spitze getrieben. Hier gipfelt das Szenario in einer stationärer Running Man-Variante. Das Urteil wird vom Volk gefällt, weniger nach Fakten, mehr nach Gefallen und Sympathie, beinahe eine weitere Anspielung, die Arleston hier vorlegt.
Doch der versierte Autor vernachlässigt keineswegs den Schwerpunkt Science Fiction. Auf dem Planeten Ythag baut er eine Vielvölkerwelt, auf den ersten Blick etwas komödiantisch, auf den zweiten Blick auch schon realistisch brutal. Und Arleston wäre nicht mit seinen Troy-Geschichten bekannt geworden, würde er nicht noch einen Funken Fantasy beimischen: Zephyre.
Diese Wesen, die unabhängig von Volk oder Geschlecht auf dem Planeten erscheinen und mit besonderen Kräften ausgestattet sind, werden bestimmt zukünftig noch für so manches Geheimnis gut sein.
Zeichner Adrien Floch verfolgt einen modernen Stil. Realistisch, nicht klassisch francobelgisch, eher euromangamäßig, setzt er die Vorlage von Arleston in Szene. Floch nutzt den Platz, den ihm eine Seite bietet, so gut wie möglich aus. Ob Dialog- oder Actionszenen, beides steht bei gleichberechtigt nebeneinander. Manchmal geraten so Landschafts- oder Ortsansichten etwas kleiner. Das schmälert nicht ihren Wert, doch all die Arbeit die darin steckt, gerät so etwas in den Hintergrund. Rein aus Gründen der Optik ist das etwas schade.
Insgesamt jedoch sind die Szenen fein anzuschauen. Aktionen sind mitreißend und rasant aufgebaut. Fremde Lebwesen wirken gut durchdacht und wurden nicht übertrieben dargestellt.
Auffallend sind die Details, mit denen Floch selbstverständlich die Hauptcharaktere ausstattet. Aber er vergisst auch nicht jene Nebenfiguren, sogar nicht jene, die vielleicht nur zweimal auftauchen. Das macht die Geschichte noch einmal mehr anschaulicher – vor allem verweilt das Auge lange auf einer Szene, damit einem auch ja nichts entgeht.
SciFi, Space-Opera, Abenteuer, eine Spur Fantasy und eine ordentliche Portion Humor schmecken diesen Start der Schiffbrüchigen von Ythag ab. Arleston und Floch wissen, wie man die Leser neugierig macht und gespannt auf die Fortsetzung warten lässt. Weiter so!
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