Mittwoch, 13. August 2008
Das Lebenselixier wurde entwendet. Voller Erstaunen hört der Priester, dass ein Cimmerier für den Diebstahl verantwortlich ist. Nestor, der Gundermann, hat sich dem Fluch des Priesters entgegengestellt und Conan nicht getötet. Unbemerkt zieht sich die Schlinge um die beiden Freunde zusammen. Dabei bilden die beiden die richtige Kumpanei, um sich durch das Leben zu schlagen. Während Conan in einem Ring dem Publikum einen guten Kampf gegen einen Koloss von Gegner bietet, räumt Nestor mit seinen Tricks den Zuschauern die Taschen leer.
Cary Nord ist wieder am Werk. Sein muskelbepackter, impulsiver, auch rachsüchtiger Barbar gehört sicherlich zu den besten Comic-Varianten von Conan (immer erst nach John Buscema natürlich). Aber – und das zeigt sich hier im vorliegenden Band ganz besonders – seine Bilder bedürfen eines guten Koloristen. Daran hapert es in der einen oder anderen Episode.
Zu Beginn, in den ersten beiden Episoden, die zur großen Geschichte Der rote Priester hinführen, ist die Kolorierung perfekt. Milchig, pastellartig aufgetragen, mit ein wenig Gesprenkel und einigen fetten Farbstrichen wird ein echter Farbauftrag simuliert. Doch dann mehren sich die fetten Striche, die zwar von einem guten Farbgefühl zeugen, aber technisch etwas unelegant wirken. In den letzten beiden Kapiteln wirken die Bilder wie gewohnt. Richard Isanove (jüngst können seine Arbeiten bei Der dunkle Turm bewundert werden), der Kolorist, hatte zwischendurch entweder einen schlechten Tag oder nur sehr wenig Zeit.
Mit den Geschichten Das Rattennest und Das Labyrinth findet wieder eine Wende in Conans Leben statt. Nestor, der Gundermann, der den Barbaren verraten sollte, hat vor einiger Zeit von seinem schändlichen Plan abgelassen und ist Conan seither ein guter Freund. Freilich haben andere Nestor den Verrat des Verrats nicht verziehen. Und wie in jeder Schwert und Magie-Geschichte gibt es dafür nur eine Strafe.
Und wer Conan kennt, weiß auch, wie dieser auf den unfreiwilligen Tod eines Freundes reagiert.
Allerdings besinnen sich nicht alle auf die Werte der Freundschaft. Conan hatte nicht oft ein gutes Händchen für Frauen. So ist es Jiara, die ihn schließlich verrät. Mit dem Kapitel Mörder vor der Tür startet eine vierteilige Geschichte mit der Überschrift Der rote Priester. Diese Geschichte aus der Jugend Conans gehört zu den Klassikern aus dem Leben des Barbaren. Mit der erfolgreichen Verfilmung Conans (mit Arnold Schwarzenegger) erhielten diese Geschichten neue Aufmerksamkeit. In dem Band Conan sind Der Turm des Elefanten, Die Halle der Toten, Der Gott in der Schale und eben Der rote Priester versammelt, alles Geschichten, an denen Robert E. Howard, der Erfinder Conans, noch persönlich schrieb.
Diese Klassiker fanden bisher alle eine Comic-Umsetzung.
Der rote Priester ist das Ziel eines Mordauftrages, den Conan im Gegenzug für seine Befreiung aus dem Gefängnis ausführen will. Ein Priester mehr oder weniger, darauf kommt es ihm nicht an. Doch aus diesem Auftrag wird mittels eines ganz einfachen – und dennoch genialen – Kniffs eine höchst unheimliche Handlung, die schließlich in einem Zweikampf von Titanen mündet.
In einem Rückblick wird die Herkunft des Wesens geschildert, das Conan und allen anderen hier das Leben schwer macht. Dieser kleine Einschub ist faszinierend und könnte allein als Basis für mehrere Geschichten dienen. Conan, von Timothy Truman, sehr schön für den Comic adaptiert, tritt schließlich gegen dieses urzeitliche Wesen an, nicht mehr Affe, aber auch noch nicht ganz Mensch. Diese Szenen mit Thak, der Name des Wesens, den sein Herr der Priester ihm gab, sind hochgradig spannend, da vieles an der Seite der Protagonisten nur hilflos beobachtet werden kann. Nach kurzer Zeit ahnt man, was Conan erwartet und Robert E. Howard hat mit Thak einen Gegner entworfen, der Conans letzter hätte sein können.
Eine grandiose Geschichte mit einer ganz einfachen Struktur, diese aber ist so spannungsgeladen und unterschwellig gruselig, wie es eigentlich nur noch mit der Geschichte um den Elefantenturm gelungen ist. Perfekte Conan-Unterhaltung!
Conan 7 – Der rote Priester: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: timothy truman, cary nord
Sonntag, 01. Juni 2008
Wer ist Tony Stark? Was ist mit seinem Organismus geschehen? Ausgerüstet mit einer wahnsinnig anmutenden Heilkraft um die ihn Helden wie Captain America und Wolverine beneiden würden, ist eigentlich nur noch eines größer: Sein Ego.
Doch so sehr er sich auf seine Heilkraft auch verlässt, es dauert, damit ein Arm nachwachsen kann. Und als hätte er nicht genug mit seiner eigenen Heilung zu tun, kommen noch dubiose Regierungskräfte ins Spiel, die gerne den neuen Roboter von Stark im Feld einsetzen wollen.
So machen sich Iron Man und sein Backup War Machine auf den Weg in terroristisch besetztes Gebiet. Anfänglich scheint es ein Spaziergang für die gepanzerten Männer zu werden. Doch dann stellt sich ihnen ein Kind mit einem Sprengstoffgürtel in den Weg.
In diesem Band darf wieder ein grafisches Dream-Team auflaufen: Cary Nord und Dave Stewart.
Der Fantasy- und Conan-Fan konnte die beiden schon in den neuesten Ausgaben des Helden aus Cimmeria bewundern. Nun haben sich die beiden Grafiker dem Stählernen des Marvel Universums und dem grauen Riesen.
Wenn einer mit Muskeln so umzugehen versteht, dass sie einen äußerst natürlichen Eindruck hinterlassen, dann Cary Nord. Der Hulk besitzt hier diese ungeheure und zur vernünftigen Darstellung nötige Grobschlächtigkeit, die ihn besser aussehen lasst als in der Statur des muskulösen Wucherungen ausgerüsteten Giganten – so, wie ihn manch andere Zeichner zu Papier bringt.
Manchmal ist weniger einfach mehr.
Warren Ellis nutzt die Episode Ultimativer Mensch außerdem dazu, um dem Leser die Figur des Bruce Banner näher zu bringen. Banner, innerlich gebrochen, weil er bei seiner Arbeit versagt hat, geht auf das Angebot weiterer Tests ein, damit der Hulk langfristig unter Kontrolle gebracht werden kann.
Der Ansatz, die Technologie von Tony Stark zu nutzen, um den Hulk-Ausbruch zu unterdrücken, ist treffsicher, der gesamte Aufbau der Geschichte sehr zielgerichtet.
Zu bemängeln wäre einzig, dass Stark das Experiment so ausufern lässt. Andererseits passt es auch zum Charakter der Figur, großmäulig, risikofreudig, ein Mann, der sich dank seiner Regeneration für unsterblich zu halten scheint.
Ellis beschreibt das Szenario mit der richtigen Portion Dramatik, während derer man natürlich nur auf den Auftritt des Hulk wartet. Wie eben schon erwähnt, wird dank der zeichnerischen Fähigkeiten der beiden Künstler ein richtiges Happening daraus.
Doch auch die erste, weitaus ernsthafter formulierte Episode darf nicht unerwähnt bleiben. Das von Pasqual Ferry und Dean White in Cover-Qualität angelegte Abenteuer zeigt dem Leser denn auch gleich zwei Eiserne zum Preis von einem in Aktion.
Diese Phrase ist sogar wörtlich zu verstehen, denn in der Geschichte von Orson Scott Card ist die Regierung ursprünglich nur an einem Roboter zur Terroristenbekämpfung interessiert. Der aktuelle globale Kampf gegen den Terror bietet auch hier (wie im Kinofilm) ein Szenario, das einem vor geraumer Zeit in einem Comic noch unwirklich vorgekommen wäre, seit 9/11 aber eine Art Standard geworden ist – der nicht überstrapaziert werden sollte.
Eine runde Mischung aus der Entwicklungszeit des Ultimativen Iron Man, wie auch eine noch bessere Episode zusammen mit dem Ultimativen Hulk, der hier einen weiteren Teil seiner Kräfte präsentieren kann. Dank der zeichnerischen Fähigkeiten aller Beteiligten ein echtes Leckerchen.
Der Ultimative Iron Man 2: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: orson scott card, warren ellis, cary nord, dave stewart
Samstag, 25. August 2007
Es sind die Geschichten über Conan, die für den Fürsten spannender sind als das eigene Leben. Aber auch Conan war nicht immer der strahlende König späterer Zeiten. Lange vorher war er einer der talentiertesten Diebe, die es jemals gegeben hat. Kein anderer hätte sich ein Königreich stehlen können.
Doch zuvor warteten viele Abenteuer auf ihn. Eines dieser Abenteuer führt ihn in Die Halle der Toten. Während eines ganz normalen Diebstahls begegnet Conan einem Gundermann, der das gleiche Ziel hatte. Es mag Ehre unter Dieben geben. An diesem Abend hält Conan nicht viel davon.
Ein Hieb und der Gundermann Nestor legt sich schlafen. Conan macht sich davon und lässt den Sündenbock für die hereinbrechenden Wachen zurück. Aber er hat nicht mit dem nachhaltigen Zorn und den Rachegedanken des Gundermanns gerechnet. Dieser ist nur zu gern bereit, bei der nächsten Gelegenheit mit dem Barbaren aus Cimmerien abzurechnen. Manchmal hat die Vorsehung andere Pläne. Der Gundermann wird zum letzten Überlebenden eines Trupps, der den Barbaren einfangen sollte. Aber sie treffen sich bald wieder.
Meide die Stadt des gefallenen Gottes, wo die Toten träumen. Meide die Schlange. Und vor allem meide die Kröte.
Die Vorhersagen sind finster. Dennoch betreten die beiden diesen dunklen Ort, an dem nichts zu leben scheint außer einigen kleinen Kröten. Conan verfährt mit ihnen, wie er mit Ungeziefer verfährt und zieht sich damit den ungeteilten Zorn eines alten Gottes auf sich. Bald stehen Conan und der Gundermann Seite an Seite. Wie so oft in Conans Leben ist das Ende hier nur der Anfang von weiteren Geschehnissen, die seinen Mut zu noch größeren Taten anfachen.
Conan – Die Halle der Toten enthält einen großartigen Abschnitt aus dem Leben Conans. Fans des Barbaren, die sich besonders freuen, wenn Conan in gruselige und magisch beeinflusste Situationen gerät, werden an der Halle der Toten ihren Spaß haben. Wer sich die Bilder genau betrachtet, kann auch glauben, dass Zeichner Cary Nord bei diesem Szenario mit noch mehr Eifer bei der Sache war als sonst. Gleich drei Autoren haben die Vorlagen zu diesem prächtigen Fantasy-Band geschrieben. Kurt Busiek, ein Rächer-Veteran, Mike Mignola, namhaft in der Szene durch Hellboy, und Timothy Truman.
Besonderes Augenmerk verdient die längste, namensgebende Geschichte: Halle der Toten. Es beginnt harmlos – jedenfalls für Conans Begriffe. Frauen und Raub sind sein Leben. Er hat eine junge Dame erwischt, die seine regelmäßige Begleiterin ist, und mit Vorliebe Dankbarkeit für schönen Schmuck zeigt, wenn Conan ihn nicht gerade für den Lebensunterhalt verkauft. Der Raub, den Conan begeht, scheint zunächst keinerlei Folgen zu haben. Die Geschichte nimmt langsam ihren Lauf. In der Stadt, vor der so eindringlich gewarnt wird, ist zu Beginn alles furchtbar harmlos, beinahe zum Lachen.
Es ist in gewisser Weise ein genialer Schachzug des Autors. Selbst das Erscheinen des mysteriösen Gottes wäre eigentlich für einen Lacher gut, wäre da nicht das kompromisslose Vorgehen und der stille, unbarmherzige Kampf, der zwischen der Monströsität und Conan entsteht.
Als Conan schließlich nach Barbarenart durchdreht und dem finsteren Gott den Garaus macht, zeigt Nord diese Szene gnädigerweise nur aus weiter Ferne. Einzig das Gesicht des Gundermanns verrät dem Leser, welcher Irrsinn den Cimmerier in seinem Kampfeswahn ergreifen kann.
Ist dieser Abschnitt der Geschichte für die Action gut, folgt darauf gleich ein gelungener Grusel, wie ihn Robert E. Howard in diversen Geschichten für Conan pflegte. Lebende Tote sind es, die den beiden Dieben im Verlauf das Leben schwer machen. Die Szene ist in blaugrünen Farbtönen der Angreifer und der Umgebung gehalten und sorgt mit dem grellen Rot und Gelb der Flammen für einen genialen Kontrast, der in der Realität so nicht möglich wäre, im Comic jedoch für eine geniale Stimmung sorgt.
In diesem Zusammenhang kann die Farbgebung von Dave Stewart gar nicht hoch genug gelobt werden. Was er aus den Skizzen von Cary Nord herausholt, zeigt sich besonders in diesem Kern der Episode Die Halle der Toten. Der dunkle Gott wie auch die lebenden Toten, in Conans Vision ebenso wie im Verlies, sind feinster Grusel - der leider aufgrund der Geschichte viel zu schnell vorüber ist.
Wie sehr Nord und Stewart mit Monstern punkten können, zeigt sich auch im Auftakt zu Hunde der Berge. Diese Szene erinnert an eine alte Folge, als Conan sein Schwert fand und sich der Wölfe erwehren musste. Diese vorliegende Szene ist nicht weniger spannend und wird durch das Auftreten des alten einäugigen Leithundes außerdem ein wenig unheimlich.
Mit Die Halle der Toten verabschiedet sich das Ausnahmetalent Cary Nord von dem Barbaren. Der Abschluss seiner Arbeit an dieser Reihe krönt ein tolles Werk, das – das mag der wichtigste Aspekt sein – den Kurzgeschichten von Howard und seiner Nachfolger mehr als nur gerecht wird. Conan ist immer noch der Beste!
Conan 4 – Die Halle der Toten: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: kurt busiek, cary nord, mike mignola, timothy truman, conan
Samstag, 24. März 2007
Die Zivilisation ist schlecht. Sie meint es nicht gut mit einem Barbaren. An jeder Ecke, in jeder Stadt wartet jemand, der einen Barbaren über das Ohr hauen will. Sogar Wirte erhöhen ihre Preise, wenn Conan etwas bestellt. – Könnte es damit zusammen hängen, dass er die Schenken regelmäßig demoliert?
Aber Conan will sich nicht unterkriegen lassen. Er ist ein Dieb und geht mit entsprechender Professionalität zu Werke. Allerdings hat er auch ein Problem. Ein Dieb braucht stets auch die Möglichkeit, sein Diebesgut zu Geld zu machen. Bei kleinen Dingen mag es noch angehen – obwohl Conan grundsätzlich einen schlechteren Preis bekommt als andere. Bei Gegenständen, die wegen ihres Bekanntheitsgrads als unverkäuflich gelten, finden sich keine Hehler. Conan bohrt weiter. Schließlich findet sich jemand, der ihm einen Kontakt zu einem Hehler verschaffen will, der alles verkaufen kann. Und wieder hält man den Barbaren für zu dumm.
Conan wird diese herablassende Behandlung endgültig zu viel. Die Verbrecher, die dachten, sie könnten den Barbaren nicht nur über das Ohr hauen, sondern auch töten, sehen sich ganz schnell eines Besseren belehrt. Und endlich findet Conan seinen Hehler. Doch damit fangen die Abenteuer wie immer erst an.
Es gibt einen Turm, einen sehr besonderen Turm. Seine Mauer ist spiegelglatt, und er besitzt keinerlei Eingangstür im Bodenbereich. In ihm soll sich, nach der vorherrschenden Legende und vor dem Hintergrund zahlreicher Gerüchte, das berühmte Elefantenherz befinden, ein sagenhafter Edelstein.
Niemand, so heißt es, könne ihn stehlen.
Das lässt Conan sich nicht zweimal sagen. Er macht sich auf dem Weg zum Turm. Das Eindringen in den umgebenden Park hinter der Mauer fällt ihm leicht – zu leicht und Conan wird schnell misstrauisch. Und richtig: Er ist nicht allein. Der ebenfalls legendäre Prinz der Diebe hatte eine ähnliche Idee. Doch der vermeintliche Kontrahent ist auch ehrenhaft. Gemeinsam wollen sie den Einbruch wagen.
Conan und seine Abenteuer um den Elefantenturm gehören zu den merkwürdigsten, düstersten und auch tollsten Geschichten aus seinem Leben – die außerdem aus der Feder des Meisters Robert E. Howard selbst stammen.
Wie Co-Zeichner Michael WM. Kaluta ausführt, zog er ein 40 Jahre altes Conan-Buch aus dem Regal, um sich die Geschichte noch einmal durchzulesen. Ich kann die Faszination, die er damals und heute beim Lesen dieser Geschichte erlebt, sehr gut nachvollziehen.
Sicherlich hat Conan in all seinen Abenteuern mit den seltsamsten Wesen zu tun gehabt, doch die Begegnung mit dem elefantösen Wesen namens Yag-Kosha ist ganz bestimmt eine der stimmigsten. Yag-Kosha, von dem Conan zu Beginn glaubt, er habe es nur mit einem weiteren Götzen oder Dämonen zu tun, entpuppt sich als gequälte uralte Seele, die sich nichts sehnlicher wünscht, als zu sterben, um ihrem Gefängnis endgültig zu entfliehen.
Die Geschichte um Yag-Kosha ist auch eine Geschichte in der Geschichte. In ihr hat Howard diverse Informationen dieser wilden, urwüchsigen Welt eingebaut, die eigentlich schon faszinierend genug sind. Durch das Auftreten dieser fremden Lebewesen, von denen Yag-Kosha der letzte seiner Art ist, entsteht ein kleines Highlight des Fantasy-Genres. Das Besondere ist sicherlich die Selbstverständlichkeit, mit der die Geschichte erzählt wird. Neben Conan erlebt der Leser, was sich vor Äonen zugetragen hat.
Zeichner Cary Nord gibt der Welt von Conan wieder das Gesicht – mit Bravour, wie es in den vorhergehenden Ausgaben auch schon der Fall war. Für den Einschub von Yag-Koshas persönlichen Erlebnissen wurde der Zeichner Michael WM. Kaluta verpflichtet. Durch den vollkommen anderen Zeichenstil, gestaltet sich dieser Rückblick noch eindrucksvoller.
Die Gestaltung der Elefantenwesen, von Nord wie auch von Kaluta, ist eindrucksvoll gelungen. Man erkennt ein elefantenähnliches Wesen, aber es besitzt auch viele eigene Aspekte des jeweiligen Künstlers.
Ich kann nicht mehr sagen, ob ich es mir seinerzeit dergestalt vorgestellt habe, aber in seiner Ausführung ist es beeindruckend geworden und trifft sicherlich die Vorlage von Howard auf eine sehr respektvolle Weise.
Respekt ist ein gutes Stichwort.
Gehen wir einmal davon aus, dass Howards Arbeiten (und denen seiner erzählerischen Nachfolger) eine gewisse Grundrichtung, ein gewisser Geist innewohnt, dann hat der adaptierende Autor Kurt Busiek diese Grundhaltung gut getroffen und geht sehr respektvoll mit der Vorlage um. (Ähnlich wie es seinerzeit mit der ersten Verfilmung geschah – meiner Meinung nach.) Conan erlebt diese Welt aus einer denkbar schlechten Sichtweise heraus. Ständig versucht ihn jemand zu linken. Selbst vor Frauen ist er nicht sicher, sogar Huren wollen ihm mit erhöhten Preisen das Fell über die Ohren ziehen. Die Welt ist grau, dunkel, düster, die Magie ist finster. Eigentlich hat diese Welt einem Menschen nichts Gutes zu bieten. Conan hat nur sein Talent und sein Schwert. Er nimmt das, was Crom ihm mitgegeben hat und lässt sich nicht unterkriegen. In diesen frühen Tagen seiner Abenteuer ist Conan noch weit davon entfernt, seinen Geist allzu sehr anzustrengen. Er ist jemand, der mit einem Schwert weiterkommt.
Das Besondere an der Episode des Elefantenturms ist das einschneidende Erlebnis, das damit einhergeht. Am Ende steht nicht nur eine Tat aus Mitleid, sondern auch eine wichtige Erfahrung: Selbstlosigkeit. Denn Conan gewinnt nichts Materielles aus diesem Abenteuer.
Eine der besten Geschichten aus Conans Vergangenheit vom Top-Team Busiek und Nord in Szene gesetzt – mit der Hilfe von Kaluta. Beste Fantasy-Unterhaltung mit einem wunderbar knurrigen Conan, der hier ein Stück mehr erwachsen wird.
Conan 3 – Der Elefantenturm und andere Geschichten: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: kurt busiek, cary nord, michael wm. kaluta, conan
Samstag, 23. Dezember 2006
Janissa ist eine Witwenmacherin. Ihr Ruf ist ihr inzwischen weit voraus geeilt. Deshalb wird sie schon an ihrem nächsten Auftragsort erwartet. Unter der Anleitung der Knochenfrau ist aus ihr eine der besten Attentäterinnen geworden. Obwohl geschulte Krieger sie bekämpfen, haben die Männer keine Chance. Die Frau kämpft wie ein Dämon.
Derweil hat auch ein Barbar Ärger. Allerdings legt er sich mit ein paar großmäuligen Angebern in einer Taverne an. Auch Conan lässt es sich nicht nehmen, mit seinen Taten zu prahlen. Bald hat er alle Gäste in seinen Bann gezogen. Was niemand ahnt, ist, dass Conan einen ganz besonderen Plan verfolgt. Schneller als es jemand vorhersehen konnte, haben die Geschehnisse in der Taverne einen ganz anderen Verlauf genommen. Die beiden Schläger wünschen sich, sie hätten sich nicht mit Conan angelegt.
Mit einer Kneipenschlägerei wird Conan sehr schnell fertig – wenn er nicht gerade vollkommen betrunken ist. Eine Intrige jedoch ist nicht so schnell beigelegt. Was ein einfacher Diebstahl werden sollte, artet zu einer Ermittlung aus, die immer unheimlicher wird. Alte Dämonen und Götter sind am Werk.
Conan, der sich in einer Mordermittlung wieder findet, entfaltet eine für einen Barbaren außerordentliche Geduld, bis es auch ihm zu viel wird und er wieder absolut barbarengemäß reagiert.
Conan ist ein Mann, der Frauen häufig beeindruckt. Als er Janissa kennen lernt, beißt er auf Granit. Weder seine Kraft noch seine Kampfeskunst kann sie beeindrucken – obwohl er der erste seit langem ist, der ihr Einhalt gebieten kann.
Aus Gegnerschaft wird schließlich eine Zweckgemeinschaft. Conan konnte Magie niemals ausstehen, aber auch er ist zuweilen bereit, seine Kraft einem höheren Zweck unterzuordnen.
Was mit einem simplen Einbruch begann, wird zu einer Hetzjagd durch unwegsames Gelände, ständig vom Bösen verfolgt und endlich . . . – das müssen die Leser herausfinden.
Conan – Der Gott in der Kugel wird in der besten Tradition von Conan-Erfinder Robert E. Howard erzählt. Autor dieser Comic-Umsetzungen ist der bekannte Kurt Busiek, den Fans bereits für seine Rächer-Geschichten lieben gelernt haben.
Dieser Conan besitzt noch den Charme des jungen Conan, dem noch einiges seiner Lebenserfahrung fehlt. Er hat die Kraft des erwachsenen Conan, der mit einem Schwert der Magie den Garaus macht. Und manchmal hat er schon die Geduld des Königs Conan, der es auch schafft, länger zuzuhören, bevor er aktiv wird.
Hier setzt er sich mit Janissa, der Knochenfrau und – eine Legende im Conan-Universum – dem Magier Thoth-Amon auseinander.
Janissa ist keine Kriegerin, die einer Roten Sonja oder einer Belit gleichkommt. Sie ist härter und musste viel mehr erdulden als die angesprochenen Kriegerinnen. Den Leidenskampf, den sie hier im vorliegenden Band durchsteht, ist beeindruckend geschildert, sehr plastisch und grausam. Die Knochenfrau, eine Hexe (vielleicht auch Dämonin, manchmal sind die Grenzen sehr fließend), mag an den ersten Conan-Film erinnern. Zwar ist sie nicht gut aussehend und verführerisch, doch verfolgt sie ihre ganz eigenen Ziele und setzt dafür jegliches Mittel ein.
Thoth-Amon bleibt im Dunkeln. Für gewisse Zeit ist er eine treibende Kraft, aber er bedient sich stets anderer und tritt nicht selbst in Erscheinung.
Busiek nutzt dieses Vorgehen Thoth-Amons, um gehörig viel Grusel in die Geschichte einbauen zu können – mit Erfolg!
Zeichner Cary Nord bringt sehr exakte Bilder zu Papier. Seine Darstellung des Conan trifft die Urgewalt des Barbaren sehr genau.
Hier dürfte sich endlich ein würdiger Nachfolger vom großen John Buscema gefunden haben.
Im Anhang des vorliegenden Bandes findet sich eine Kurzepisode zu Conans Leben, mit der sich Nord für die neue Conan-Serie empfohlen hat. Selbst in dieser reinen Bleistift-Variante ist so viel Kraft und Action, dass man als Conan-Fan richtig traurig sein kann, dass er dazu keine Fortsetzung gibt. Die großartigen Zeichnungen von Nord werden nicht einmal mehr getuscht, sondern direkt der Kolorierung zugeführt.
Durch diese Form der Kolorierung entstehen Bilder, die den Anschein haben, als hätten sie den ganz urtümlichen Weg über das Zeichenbrett genommen und seien auch dort richtig gemalt worden.
Deshalb darf die Leistung von Dave Stewart, der für die farbliche Gestaltung verantwortlich ist, nicht ungelobt bleiben. Könnten Nords Bilder zwar für sich alleine stehen, werden durch die Kolorierung richtig kleine Gemälde daraus. Der Aufwand, den Stewart hier zur Schau stellt, findet sich nicht grundsätzlich in Comics. Man darf es als Anhaltspunkt nehmen, dass es sich mit dieser Conan-Serie auch um ein Prestige-Projekt handelt.
Conan ist zurück! Schwert- und Magie-Abenteuer, wie sie sein sollten. Hervorragend ausgearbeitet, ein Fest für Fantasy-Fans.
Conan – Der Gott in der Kugel: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: kurt busiek, cary nord, dave stewart, conan