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Comic Blog


Dienstag, 11. November 2008

Y - The Last Man 8 - Japanische Nächte

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 18:40

'Y - The Last Man 8 - Japanische NächteJapan ist anpassungsfähig. Das hat es im Laufe seiner jüngeren Geschichte immer wieder bewiesen, seit es die Zukunft ins Land ließ, seit es beschloss, die Segnungen der westlichen Zivilisation anzunehmen und zu verbessern. Und was der japanische Mann kann, kann die japanische Frau noch besser, wenigstens jetzt, da die Männer nicht mehr da sind, um gegenteiliges zu behaupten. Das organisierte Verbrechen hat auch neue Mittel und Wege gefunden, sich mit der veränderten Situation abzufinden. Selbst für ein Leben ohne Männer haben sich Ideen gefunden.

Yorick und seine Begleiterinnen haben endlich Japan erreicht. Sie wollen unbedingt den entführten Ampersand wieder finden, einen kleinen Kapuzineraffen, der neben Yorick das einzige männliche Exemplar auf dem Planeten Erde ist. Agentin 355, die Yorick zur Seite steht, muss sich sogleich im Kampf bewähren. Ihre Gegnerin wird schnell eine wichtige Verbündete und, vielleicht viel wichtiger, zur Wegweiserin in dieser neuen Szene, die sich in Japan etabliert hat. So haben es Yorick und 355 vergleichsweise einfach. Viel schwieriger wird es für Dr. Allison Mann und ihre Freundin, denn sie stoßen auf eine Spur, die zur Lösung des Rätsels führen könnte, des Rätsels, über das sich viele Menschen den Kopf zerbrechen: Wie konnte es dazu kommen, dass von einem Moment auf den anderen alle Männer starben?

Auf der anderen Seite des Erdballs haben einige Frauen andere, aber nicht unwichtigere Probleme: Israelische Panzer rollen durch Kansas und ihre Besatzungen haben nur eines im Sinn: Sie wollen den letzten Mann auf Erden finden und das schnell!

Mehr Tempo, mehr Hintergrundinformationen, aber wie immer in einer ausgewogenen Mischung aus Erzählung, Charakterzeichnung und Action. Die Gerüchteküche um die Verfilmung brodelt, Namen wie Shia LaBeouf werden in die Runde geworfen – der, sollte er nicht den Yorick spielen (was durchaus gut passen würde), so hoffentlich rechtzeitig mal einen jungen Dave Gahan spielen wird. Aber das nur am Rande.

Es genügt Autor Brian K. Vaughan nicht, ein unglaubliches Rätsel auf die Menschheit loszulassen, mehr noch, er schickt den Leser quer durch die Kulturen auf der ganzen Welt und zeigt Veränderungen, die kurios sind, traurig, wahnsinnig, aber auch hoffnungsvoll. Einige Fäden laufen inzwischen wieder zusammen – es ist immerhin die achte Ausgabe der Reihe. Dennoch haben die Erkenntnisse neue Fragen, äußerst wichtige Fragen aufgeworfen. Langsam ist ersichtlich, dass die Katastrophe auf menschliche Initiative zurückzuführen ist, nur der Grund fehlt bislang. Von anderer Seite, israelischer, türmt sich eine neue Gefahr für Yorick auf, nachdem die japanischen Intrigen vorerst gebannt scheinen.

Das globale Wettrennen mit beschränkten Mitteln, das von Vaughan hier entworfen wird, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es gibt viele Spezialisten unter den Frauen, sicherlich auch solche, die einen Kampfjet fliegen können, doch in der Masse sind diese Spezialisten viel zu wenige. So wird ein Kampfeinsatz fast zwangsläufig zu einer Art Guerrilla-Kampf. Wenn drei israelische Panzer sich auf amerikanischem Territorium bewegen und dabei mit keinerlei Gegenwehr rechnen müssen, zeigt das in nur einem Bild, die ganze Misere, in der sich die Menschheit im Augenblick – der Handlung – befindet.

Pia Guerra kann sich in ihren Zeichnungen diesmal mit einigen eher wenigen Action-Szenen künstlerisch auseinandersetzen und findet viel Spielraum in Szenen zwischenmenschlicher Natur. Inzwischen hat sie ein Optimum ihrer Bilder erreicht, die einen glasklaren Aufbau und eine ebensolche Optik aufweisen. Keine Experimente, keine unnötigen Linien. Guerras Zeichnungen sind von einem beinahe sterilen Perfektionismus geprägt. Erstaunlicherweise wirken die Bilder nicht kalt – was auch auf die Intensität der Szenen zurückzuführen ist.
Gute Beispiele hierfür sind Szenen zwischen Dr. Mann und ihrer Freundin Rose. In Schlüsselmomenten darf sich Guerra auf einer ganzen Seite ausbreiten. Wenn Dr. Manns Mutter Rose versehentlich, weil in Unkenntnis der Lage, schwer verletzt, dann ist der Blick auf das Geschehen fast schon sezierend.

Gleich auf, genau am Stil von Guerra orientiert, arbeitet Goran Sudzuka, wie es sich in den Schlussepisoden zeigt, in denen der Leser noch mehr aus der Vergangenheit von Nebenfiguren erfährt, die sich gerade für die kommenden Folgen profilieren. Wenn man es nicht weiß, sind Unterschiede in den Bildern auf den ersten Blick nicht (auf den zweiten auch nicht) zu erkennen. Das ist perfektes Teamwork, in dem sich Sudzuka zugunsten einer einheitlichen Optik zurücknimmt.

Hoch spannend, aber auch mit einigen komischen Momenten – dank Yorick – der Leser findet ein dramatisches Finale des Japan-Abschnitts, außerdem den Prolog eines von langer Hand vorbereiteten neuen Handlungsstrangs, in dem eine weitere Bedrohung auf Yorick wartet. Ein rätselhafter Cliffhanger vertröstet den Leser auf die nächste Folge. :-)

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Montag, 28. Juli 2008

Y - The Last Man 7 - Extrablatt

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 12:34

Y - The Last Man 7 - ExtrablattMonthly Visitor. Diese beiden Worte, der Name eines Revolverblattes, wecken nicht bei vielen Menschen – genauer gesagt, Frauen – viel Interesse, noch weniger Anerkennung. Paloma West kennt sich damit aus, aber es macht ihr nichts. Sie ist immer auf der Jagd nach Geschichten über den letzten Mann. Bislang waren das alles unbestätigte Gerüchte. Bislang … Denn der letzte Mann, Yorick Brown, ist soeben in Sidney eingetroffen. Es verlief nicht so wie geplant, aber immerhin, er ist da und auch seine Begleiterinnen haben es geschafft. Leider wurden sie von einem U-Boot der australischen Marine aufgebracht und befinden sich nun in Gefangenschaft. Kein guter Ausgangspunkt für Yorick, der in Australien seine verschollene Verlobte finden wollte.

Agentin 355 hat andere Prioritäten. Ihr ist es nur wichtig, Yoricks Affen Ampersand zu finden, der nach Japan entführt wurde. Zusammen mit Yorick stellen sie die letzten männlichen Exemplare dar und bilden die Ausgangsbasis für Forschungen, um die menschliche Art vor dem Aussterben zu bewahren.
Yorick, der es gewohnt ist, sich zu verstecken, schafft es dank seines Starrsinns, doch noch seinen Willen zu bekommen. Nur wie immer ist er nicht so vorsichtig, wie Agentin 355 es gerne hätte. Er war schon häufig der Gejagte, aus den unterschiedlichsten Gründen, aber, dass man ihn als Schlagzeile verwenden will, das ist neu.

Extrablatt! Extrablatt! Letzter Mann in Australien entdeckt! Die Zeitungen haben mehrfach mit ähnlichen Schlagzeilen aufgemacht. Jetzt gibt es dank Paloma West ein handfestes Foto mit nackten Tatsachen dazu.
Brian K. Vaughan schlägt ein neues Kapitel in der Saga von Y – The Last Man auf. Yorick und seine Begleiter, Agentin 355 und Dr. Mann, hat es auf die andere Seite des Globus verschlagen. Ein Foto – eigentlich das Foto, denn im Augenblick gibt es in dieser Geschichte wohl nichts, was mehr Aufsehen erregen würde – hat unterschiedliche Folgen.

Yoricks Mutter erhält die Zeitung gut einen Monat später. Yoricks Verlobte weiß leider nichts davon. Zu den dramatischen Ereignissen erhält der Leser Einblick in die Vergangenheit von einigen Hauptdarstellern und zeigt Nebenakte der Geschichte auf. Yorick wird Vater und weiß nichts davon. Die Kirche ist auf der Suche nach dem nächsten Pontifex. Hero, Yoricks Schwester bekommt neue Einsichten in das Leben ihres Bruders und Ampersand ist auch noch da. Der kleine Affe macht seine ganz eigenen Erfahrungen in der Welt der Frauen.

Im vorliegenden Band ist die Handlung etwas zerschnitten. Jeder Teil ist wichtig, doch wirken die Informationen etwas zusammengewürfelt, nicht immer am richtigen Platz. Einige Bestandteile und Informationen hätte man sich als Leser ausführlicher gewünscht. Die Kirche, Nonnen und weibliche Schweizer Gardisten, sucht ihren nächsten Heilsbringer, der männlich sein soll, denn so wurde es vorher gesehen. Vaughan streut viele Details in die Handlung ein, die ein riesig komplexes Bild dieser neuen Welt entwerfen, aber auch von der eigentlichen Handlung ablenken. Interessant ist besonders alles, was sich im direkten Umfeld von Yorick abspielt. Das betrifft gerade die geheimdienstlichen Aktivitäten von Rose, die sich an Dr. Mann heranschmeißt. Neben der Kirche brauen hier alle ihr eigenes Süppchen, das noch heißer gekocht wird, da es um das Überleben der Menschheit geht.

Vaughan beschreibt jeden Abschnitt mit größtmöglicher Spannung, aber er schreibt nicht mehr so geradlinig wie zu Beginn der Reihe.
Pia Guerra wird hier als Hauptzeichnerin der Reihe abgelöst. Sie entwirft klare Formen, beinahe modellhaft. Die Ausstattung verwendet das Nötige zur Gestaltung der Umgebung, aber nicht mehr. Der Mensch ist stets das Zentrum der Aufmerksamkeit. Guerra arbeitet mit einer Art TV-Optik.
Ihr Nachfolger, Goran Sudzuka, weiß ihren grafischen Stil derart perfekt zu kopieren, dass der Übergang nicht auffällt. Horror-Fans konnten seine Arbeit auch erst vor kurzer Zeit in dem Abenteuer um Lady Constantine bewundern. Er arbeitet sehr versiert, ohne einen experimentellen Charakter zu besitzen, wie so manch andere Newcomer, die sich durch einen extravaganten Stil profilieren wollen. Sudzuka ist Techniker, Handwerker. Alles, was die Geschichte erzählt, ist Pflicht. Alles andere lenkt nur ab. – Und es funktioniert.

Immer noch wegen seiner Unvorhersehbarkeit eine der reizvollsten aktuellen Comic-Serien. Vaughan macht aus einer bekannten Welt mit nur einem Fingerkniff etwas völlig Neues. Die Situation wird unmerklich immer verzweifelter. Ein SciFi-Roadmovie rund um den Globus im Sinne von Klassikern wie der Omega-Mann. Nicht ganz perfekt, aber nah dran. :-)

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Mittwoch, 30. Januar 2008

Ex Machina - Fakt vs. Fiktion

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 19:20

Ex Machina 3 - Fakt vs. FiktionMitchell Hundred folgt den abstürzenden Menschen in die Tiefe. Er rast hinter ihnen her, versucht sie zu erreichen, aber selbst ein Superheld hat seine Grenzen. Jetzt, da er Bürgermeister ist, verfolgen ihn diese Alpträume immer noch.
Wohin soll die Reise gehen? Hundred hat ein echtes Problem mit der Gegenwart, eigentlich auch mit der Vergangenheit und Zukunft. Als er auf eine Angestellte namens Ellen Shu trifft und diese ihn wegen des Wahrsager-Problems anspricht, gegen das er in seiner Funktion als Bürgermeister vorgehen will, möchte er sich zunächst dem Gespräch entziehen. Wider besseres Wissen lässt er sich dennoch auf einen Besuch bei einer jungen Dame dieser Zunft ein.

Die rührselige Geschichte über die Arbeit der Wahrsagerin prallt an Hundred ab, doch alleine das Gespräch reißt Wunden und Erinnerungen an den 11. September 2001 auf. Hundred ist erschüttert. Die Vorhersage allerdings, dass er noch einmal zu seiner Geheimidentität zurückkehren werde, glaubt er keinen Augenblick.
Es ist diese Zeit, da ein anderer Held plötzlich in New York auftaucht und das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Automaton fliegt mit einem Raketenpack auf dem Rücken, spricht mechanisch und sieht insgesamt eher technisch als menschlich aus. Doch irgendetwas scheint mit diesem merkwürdigen Wesen nicht zu stimmen.

Zu allem Überfluss hat Hundred noch ein anderes Problem. Er wird als Geschworener berufen. Was sich normalerweise ein ganz einfacher Vorgang ist, ufert zu einem Fiasko aus. Einer der Geschworenen ist Kriegsveteran. Seither lebt er im Glauben, dass ein Teil von ihm krank ist. Ausgerechnet Hundred soll ihn mit seinen Kräften heilen. Hundred muss sich beeilen, denn der Mann nimmt eine Geisel.

Ex Machina beschreibt mit seiner dritten Folge die Alltäglichkeiten eines Mannes, der mit einer ungewöhnlichen Fähigkeit ausgestattet ist und trotzdem lieber den Weg in die Politik gewählt hat. Fakt vs. Fiktion betitelt Autor Brian K. Vaughan diese Episode, in der sich tatsächlich Realität und Wahn einander gegenüber stehen.

Am Beispiel von Mitchell Hundred zeigt Vaughan die Hilflosigkeit auf, die den einzelnen Bürger von New York in seinen Erinnerungen immer noch befallen können, selbst nach so vielen Jahren. Mitchell, der in seiner zweiten Rolle bemüht war, Leben zu retten, versagte. Sein Pech ist es, dass er sich nicht mit seiner ganzen Energie auf seine Rolle als Bürgermeister konzentrieren kann. Zu vieles hängt ihm aus seiner Vergangenheit nach, es gibt Leute, die ihn gerade deshalb gewählt haben. Und es gibt Leute, die ihn genau deshalb immer wieder in Schwierigkeiten bringen.
Platt ausgedrückt sind es gerade die Letztgenannten, die entweder verzweifelt oder krank sind – oder beides.

Vaughan versetzt seine Charaktere über das Klischee und gibt ihnen Tiefe, was in der Kürze der Zeit nicht einfach ist. So ist es erklärbar, dass man als Leser auch Mitleid für den Geiselnehmer empfinden kann – auf jeden Fall ist es nachvollziehbar, warum Hundred dieses Gefühl aufbringt.
Vaughan schreibt seine Geschichten, so auch diese, auf sehr hohem Thriller- und Unterhaltungsniveau, während im Hintergrund immer noch das Superhelden-Thema schwebt und beständig präsent ist.
Über zeitweilige Umwege gelingt es dem Leser, sich immer weiter dem Charakter von Hundred anzunähern. Selbst die Beeinflussung, die von ihm ausgeht, damit solch ein Ableger wie Animaton entstehen konnte, wird so erklärt und schlüssig.

Ein Held wird immer ganz besonders interessant, wenn die Familie ins Spiel kommt. Wir lernen, dass Hundreds Mutter in einem ziemlichen Schlamassel lebt, das viel ärger ist, als man es von der Mutter eines Bürgermeisters von New York erwarten würde.
Nach all den Auseinandersetzungen und Konflikten, die Hundred zu bestehen hat, gehört diese zu den lustigsten – vielleicht, weil Hundred hier auftritt, als habe er nichts zu verlieren oder zu fürchten.

Der Zeichenstil von Tony Harris gefällt mir immer besser. Zwischen Cover-Ausarbeitung und Innenseiten gibt es qualitativ keinerlei Unterschied. Harris’ Bilder sind einfach schön zu nennen. Zeitweilig erinnern sie Jugendstil-Techniken, wie sie z.B. Alfons Mucha in seinen Bildern angewandt hat. Nur wurde diese Technik durch Tom Feister und Karl Story (beide: Tusche) sowie JD Mettler (Farbe) in die Gegenwart übertragen. Besonders das Cover steht für diese Theorie. So geben die Bilder der Geschichte etwas Altertümliches, Handfestes, zuweilen sogar etwas Klinisches. Der Eindruck, den sie hinterlassen, gefällt mir ausnehmend gut – hier vielleicht auch, weil die Gestaltung in dieser Form auch eine Ausnahme ist.

Ex Machina ist noch ein Stück menschlicher geworden. Hundred ist weiter auf der Suche nach sich selbst, belastet von seiner Vergangenheit. Gute Charakterschilderungen und dramatische Situationen ergeben eine tolle Unterhaltung eines etwas anderen Superhelden. :-D

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Donnerstag, 24. Januar 2008

Y - The Last Man 6 - Girl on Girl

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 17:31

Y - The Last Man 6 - Girl on GirlDie Überfahrt sollte eigentlich ein Kinderspiel werden. In normalen Zeiten wäre sie das auch sicher gewesen, aber in Zeiten, in denen nur noch Frauen auf der Erde wandeln, ist nichts mehr normal.
Agent 355, die Yorick Brown aus seinem Versteck befreien will, wird leider von zweien der Matrosinnen erwischt. Ein Mann, kein Testosteron-Junkie, ein echter Mann erregt sofort die Aufmerksamkeit des weiblichen Kapitäns. Völlig uneigennützig erklärt sie sich bereit, Yorick in ihrer Kajüte zu verstecken.

Was hat es mit diesem Schiff auf sich? Tatsache ist, dass auf diesem umfunktionierten Kreuzfahrtschiff nicht alles so ist, wie es den Anschein hat oder wie so mancher behauptet. 355, der Doc und Yorick haben sich einfach eine Passage erhofft. Wahrhaftig jedoch finden sie sich mitten in einem Schmugglerszenario wieder. Die australische Marine hat bereits jemand in die Mannschaft eingeschleust, um das Geschäft zu beenden. Schlimmer noch für Yorick und seine Begleitung: Ein U-Boot befindet sich auf Abfangkurs.

Zuneigung und Liebe ist ein nicht gerade einfaches Unterfangen geworden in einer Welt, in der nur Frauen leben. Welche Bedeutung hat das Wort Hetero in dieser Welt noch? In einer Welt, deren Ende sich mangels Nachwuchs hochrechnen lässt?
355 ist nicht nur im Kampf ausgebildet, sie kann auch noch stricken. Ganz besonders dann muss sie stricken, wenn sie ein sehr triebhaftes Gefühl befällt. Der Doc hat von Yorick erfahren, was es mit dieser Strickerei auf sich hat. Ein drei Meter langer Schal steht für einen sehr großen Zeitraum der Triebunterdrückung. Es geschieht aus Zufall, unbeabsichtigt. 355 und der Doc landen zusammen im Bett. Der nächste Tag bringt nicht erst die Ernüchterung, sondern bereits die Nacht, denn sie werden von Yorick erwischt.

Aufgewühlte Gefühle und internationale Verwicklungen sind ein Klacks gegen das, was den drei Reisenden noch bevorsteht. Bald scheint alles in einem Inferno unterzugehen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Und Beth, Yoricks Verlobte auf der anderen Seite des Erdballs? Dank der Ureinwohner hat sie eine Vision und plötzlich ein Ziel. Es gibt Hoffnung.

Die Erzählung von Y- The Last Man weiß gleich von Beginn an zu packen. Mit dieser Serie findet sich eine leise, aber auch hintergründige Science Fiction Serie, wie sie in einer Heft-Reihe sehr selten ist.
Yorick ist auf der Reise. Nachdem sein Affe Ampersand, das einzige andere männliche Wesen auf dem Planeten, gestohlen wurde, bemühen sich er und die beiden Frauen 355, seine Leibwächterin, und Dr. Mann, nach Japan zu gelangen, wo sie den Affen wiederzufinden hoffen. Wie mühselig eine Reise werden kann, in der technische Errungenschaften wie auch Personal ausgefallen sind, zeigt sich hier auf drastische Weise.

Alles hat sich verändert. Es ist nicht einmal ein direkter Rückschritt, es ist ein Andersschritt. Vieles mag noch so aussehen wie vor der Katastrophe, dennoch fühlt es sich anders an. Notbehelfe sind an der Tagesordnung. Die Imitation einer vergangenen Zeit gehört zum Alltag. Wut und Hoffnung gehen Hand in Hand. Dank Brian K. Vaughan ist sein Hauptcharakter Yorick Brown vielen Frauen begegnet. Einige flüchteten sich in irre Sekten-Phantasien oder rasteten auf andere Art aus. Ein paar versuchten einfach ihren Job zu machen, so wie Yoricks Mutter, die an einem funktionierenden Land arbeitet. Andere improvisierten, nahmen Stellen ein, die früher ein Mann innehatte.

So verhält es sich auch an Bord der Whale, jenem Schiff, das Yorick und seine Freunde nach Asien bringen soll.
Kapitän Kilina hat nicht nur aus der Not eine Tugend gemacht, sie hat auch für sich einen Weg gefunden, um die Handelsbeziehungen wieder anzukurbeln. Neuer Handel bringt neue Konflikte. Territorien sind kein Freiwild. Im Gegenteil, denn Australien versucht sich gegen das, was an seine Küste schwemmt zu wehren: Drogen.
Auch dies gehört zum neuen Alltag dieser Welt. Wer es nicht anders schafft, setzt auf die Flucht in den Rausch. Das berühmte Opernhaus in Sydney ist zu einer Opium-Höhle verkommen.

Vaughan balanciert auf dem Grad zwischen einer Spannung, die sich nicht nur innerhalb eines Kapitels unaufhörlich steigert. Allein diese Welt ohne Männer, in der alles irgendwie neu geregelt werden muss, bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Vaughan sich Stück für Stück zueigen macht und trefflich nutzt.
Die Stimmen der Washington Post umschreiben es auch als Gesellschaftskritik, was hier geboten wird. Es ist selten genug, dass dies auch von einem Comic behauptet werden kann – überhaupt läuft Y – The Last Man schon durch seine Thematik konkurrenzlos. Vaughan hat hier ein sehr glückliches Händchen bewiesen, indem er ein Thema wählte, die sich nicht vergleichen lässt. Allenfalls könnte man behaupten, es mit einem Science Fiction Road Movie zu tun zu haben, nur nicht von Küste zu Küste, sondern einmal um die ganze Welt.

Pia Guerra hat sich inzwischen bewährt. Am Start der Reihe tat sie sich noch ein wenig schwer, aber jetzt ist Routine und Versiertheit eingekehrt. Die Zeichnungen sind geradeheraus, ein wenig kühl vielleicht, aber ansehnlich. Man mag kritisieren, dass all die überlebenden Frauen eine Spur zu hübsch geraten sind. Vielleicht haben sie in Folge mangelnder Mahlzeiten aber auch (fast) alle auf Model-Masse abgenommen.
Zweifellos sind die Gesichter unterscheidbarer geworden und weisen mehr Charakter auf. Im Gesamtergebnis gibt es einfach nichts zu bemäkeln, weshalb die Geschichte nur genossen werden sollte.

Ein Wort noch zu den Covern von Massimo Carnevale: Top! Ein Posterkalender oder eine kleine Ausstellung seiner Werke würde ich gerne einmal sehen.

Ein tolles Science Fiction Szenario im Stile der Weltuntergänge der 70er Jahre. Ein Männertraum wird zum Alptraum, bestens inszeniert von Brian K. Vaughan und Pia Guerra. :-D

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Sonntag, 25. November 2007

Die Löwen von Bagdad

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:17

Die Löwen von BagdadAls die US-amerikanischen Truppen den Irak, genauer, das Herz des Landes, die Hauptstadt Bagdad angreifen, kommt auch der örtliche Zoo zu Schaden. Bomben schlagen nahe der Gehege ein. Vielen Tieren gelingt die unerwartete Flucht, darunter auch vier Löwen. Plötzlich sind sie wieder in Freiheit.
Aber ist diese Freiheit auch gut für sie?
Inmitten der zerstörten Stadt gibt es keinen Menschen mehr, der für sie sorgt. Nahrung findet sich auch in anderer Form nicht. So bleibt den Vieren keine andere Wahl, als ihr Heil auf ihrer Wanderschaft hinaus aus den Schuttbergen zu finden.

Die ersten Schritte sind alles andere als einfach, denn auch die anderen Tiere haben die Vorzüge der Freiheit erkannt. Nicht allen ist das Glück beschieden. Eine Giraffe, die eben noch die Freiheit voller Glück begrüßt, wird im nächsten Augenblick von einer Granate dahingerafft. Eine Affenbande nutzt ihre Freiheit, um den kleinen Ali, den Nachwuchs unter den Vieren, zu entführen. Zill, der Kater, und Noor, seine Gefährtin, haben keine Chance rechtzeitig bei ihrem Sohn zu sein. Aber Safa, die alte einäugige Katze, findet einen Weg. Schnell macht sie den Affen begreiflich, wer in der Nahrungskette immer noch das Sagen hat.

Fremde Tiere sind nicht die einzige Gefahr. Auch der herannahende Feind wie auch die Verteidiger – eine Wasserschildkröte nennt sie ebenfalls eine Art von Löwen, in Wahrheit sind es Panzer – sind eine ständige Bedrohung. Damit nicht genug. Diese Welt ist selbst Safa vollkommen fremd. In ihren frühen Jahren hatte sie noch die Savannen erlebt – mit all ihren Vor- und Nachteilen, denn die Verletzungen von einst trägt sie heute noch als Narben. Beinahe schüchtern und sehr vorsichtig ziehen sie durch die Straßen, durch das Chaos und die Zerstörung, nicht wissend, wo sie auskommen werden.

Die Löwen von Bagdad basiert nach Aussage der Macher auf einer wahren Begebenheit. Während der Angriffe auf die irakische Hauptstadt entkamen tatsächlich vier Löwen dem örtlichen Tierpark. Autor Brian K. Vaughan, durch seine schriftstellerischen Erfolge innerhalb des Mediums inzwischen eine feste Größe, setzt diese vier sehr unterschiedlichen Charaktere in einer zerstörten Stadt in Szene. So schafft er eine Aussage, geradezu grauenhaft verständlich und eindringlich, wie es nur Szenarien mit Tieren vermögen.

Seit den Tagen der Fabel ist der erzählerische Weg über das Tier ein guter Weg, um eine Aussage unaufdringlich zu verpacken. Durch die Augen der Löwen erfährt der Leser eine Welt, welche die unsrige ist und dennoch absolut fremd erscheint. Dazu hat Vaughan vier Charaktere gewählt, die sehr unterschiedliche Lebenserfahrungen aufweisen. Während Safa noch weiß, was Freiheit bedeutet, auch welche Qual damit verbunden sein kann, sieht der kleine Ali die Welt mit den Augen eines neugierigen Kindes. Zill und Noor sind eher skeptisch, aber auch realistisch genug, um zu wissen, dass es nicht genügt, in den Ruinen abzuwarten, ob sich vielleicht neue Pfleger im Zoo einfinden.

Wir sind frei geboren. Hast du das nicht immer gesagt? Es ist die Gefangenschaft, die man lernen muss.

Diese Gefangenschaft haben die Tiere sehr verinnerlicht. Sie ist ein Teil von ihnen geworden, obwohl alte Instinkte immer noch lebendig sind. Aber mit der Gefangenschaft hielt auch eine trügerische Sicherheit Einkehr. Begrenzter Lebensraum wurde gegen ein sicheres Leben getauscht. – Wie falsch sie damit lagen, widerlegt Vaughan auf der kurzen Reise der Löwen. Im Palast, in der sich die herrschende Kaste einer scheinbar unerschöpflichen Dekadenz hingab, treffen sie auf einen der ihren, Rashid. Angekettet, abgemagert und vergessen, stirbt der einst stattliche Löwe vor ihren Augen und straft damit ihre bisherige Ansicht lügen, dass die Menschen sie zwar gefangen hielten, aber wenigstens pflegten.
Und eine weitere Ansicht wird zu Fall gebracht. Mit ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten stehen sie auch nicht an der Spitze der Nahrungskette. Aus der ohnehin dramatischen Flucht wird ein schierer Kampf um das Überleben.

Diese Dramatik, die auch dank der grafischen Fähigkeiten und Umsetzungen von Niko Henrichon das Herz des Lesers trifft, spitzt sich von Seite zu Seite immer mehr zu. Gegen nimmt einen die Löwenfamilie richtig mit auf die Reise, die stetig hoffnungsloser und trauriger wird – nicht zu vergessen, dass sich die Tiere in den Ruinen der Menschen bewegen.

Henrichon pflegt einen sehr feinen und lockeren Strich. Durch die Kolorierung entstehen sehr komplexe Bilder mit einem orangefarbenen Grundton, der nur selten vom tröstenden Grün einer Oase durchbrochen wird – hier finden sich auch die friedvollen Momente, wenn Zill und Noor einmal allein miteinander sein können. Das Palastinnere erdrückt mit einem eiskalten Blaugrau und kündigt die nächste Bedrohung an. – Immerhin eine Bedrohung, die eine Gestalt hat und fassbar ist. Es ist ein gelungenes Symbol, dass ausgerechnet blütenweiße Pferde diese Bedrohung aus der Welt schaffen.

Die Wahl der Bilder, der Szenen, der Charaktere, der Ansichten, nichts wird in dieser Geschichte dem Zufall überlassen. Brian K. Vaughan, Autor von Ex machina und Y – The last man unterstreicht mit dieser Geschichte nicht nur seine Vielfältigkeit, sondern auch seine Fähigkeit eine Geschichte mit einer hohen Erzähltiefe zu schreiben. Dank des Zeichners Niko Henrichon ist eine traurig schöne wie auch beeindruckende und für das Comic-Genre außergewöhnliche Geschichte entstanden. :-D

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Freitag, 17. August 2007

Ex Machina - Zeichen

Abgelegt unter: Superhelden, Thriller — Michael um 14:07

Ex Machina 2 - ZeichenEin Mann kann plötzlich mit Maschinen reden. Er kann ihnen Befehle erteilen und sie gehorchen. Ein ungeheurer Vorgang, der in den Vereinigten Staaten auf reges Interesse stößt. Mitchell Hundred war The Great Machine. Das ist nun vorbei!
Mitchel Hundred ist nun der Bürgermeister von New York. Der Mann, der früher gegen Schurken vorging, der den 11. September als Superheld erlebte – und seiner Meinung nach versagte – hat die Herausforderung angenommen: In der Politik versucht er verantwortungsvoll zu handeln, aber einfacher als seine Arbeit als Superheld ist es nicht.

Neben den täglichen Problemen der Verwaltung einer Millionenstadt wie New York nimmt unterhalb der Straßen in den Röhren und Seitengängen der U-Bahn eine Serie von unheimlichen Vorkommnissen ihren Lauf. Es beginnt mit einem Hund, der tot von Arbeitern aufgefunden wird. Das Tier wurde grausam misshandelt und schließlich wie ein rituelles Opfer an die Wand eines unterirdischen Ganges gehängt. Der Anblick schockt selbst die hart gesottenen Arbeiter, die schon vieles in den Eingeweiden der Stadt gesehen haben. Das grünlich leuchtende Zeichen in der Nähe des Tatortes gibt aber auch ihnen Rätsel auf. Welche Straßengang hat solch ein Erkennungssymbol?

Mitchell muss sich nicht nur mit kriminellen Machenschaften auseinandersetzen. Die Politik ist zu seinem Hauptlebensinhalt geworden. Das, was er sich einst gewünscht hat, kommt einem realen Albtraum gleich, dem berühmten Kampf gegen die Windmühlen. Aber Mitchell wäre nicht der Sturkopf, der ihn auch zu einem Helden machte, würde er die Konfrontation scheuen. Vor der ganzen Welt möchte er New Yorks erste Homosexuellenhochzeit abhalten. Er weiß, dass er sich damit zum Ziel von Angriffen aller Art machen wird.

Über all den Dingen, die von allen Seiten auf ihn einstürmen, vergisst er beinahe, dass er auch ein Privatleben hat. Wie schwer es ein Mann in seiner Position hat, die Bekanntschaft einer Frau zu suchen, zeigt sich bei seinem ersten Date nach langer Zeit.

Ex Machina 2 – Zeichen bietet eine ungewöhnliche Mischung aus Superheldengeschichte, gruseligem Thriller und Politikdrama. – Und es funktioniert. Mit der Reihe Ex Machina aus der Feder von Y – The Last Man-Autor Brian K. Vaughan ist wieder eine Serie entstanden, die viele bekannte Inhaltsstücke zusammenfügt und etwas Neues kreiert.

Seit einiger Zeit gibt es Ansätze, das Superheldengenre neu zu erfinden. Dazu wird der Mythos der besonderen Kraft, des normalen Helden aus dem Volke enger an das einfache Volk angelehnt. Der einfache Mensch entdeckt plötzlich ungeahnte Fähigkeiten an sich und muss sich mit der veränderten Situation abfinden. Zur Zeit finden sich solche Geschichten in Demo, Heroes und in Ex Machina.
Mitchell Hundred steht auf besondere Weise mitten im Leben. Den ehemaligen Helden, Great Machine, hat es in die Politik verschlagen. Es ist eine Welt, wie sie aus der Realität sattsam bekannt ist und wie sie auf beeindruckende Weise in der Verfilmung City Hall umgesetzt wurde. Auseinandersetzungen mit seinen engsten Mitarbeitern, gewagte politische Programme und sogar Anschläge auf sein Leben – Mitchell bekommt das konzentrierte Szenario eines Menschen in einer politischen Spitzenposition präsentiert.

In dieser Situation holt ihn seine Vergangenheit ein. Ein seltsames Zeichen, das er einst dem Geheimdienst überließ, taucht an ungewöhnlicher Stelle wieder. Ein Monstrum, dessen Untaten immer grauenvoller werden, lässt Angst in der Millionenstadt aufkommen. Auf überaus geschickte Weise verschachtelt Vaughan die einzelnen Kapitel der Geschichte. Diese Tricks schicken den Leser stets mit einer anderen Achterbahn los. Hat man gedacht, man könne sich durch die politische Welt und ihre Intrigen bewegen, wird man durch die schockierenden Bilder aus dem Untergrund aus der Feder von Tony Harris eines Besseren belehrt.

Die Schocksequenzen, die hier präsentiert werden, brauchen sich wie die politische Szenerie nicht vor ihren filmischen Vorbildern zu verstecken. Was die Arbeiter in der Tiefe vorfinden, rangiert auf dem gleichen Level wie die Ekel-Szenen wie in Sieben oder Das Schweigen der Lämmer.
Harris ist ein Zeichner, der äußerst exakte Bilder schafft. Manchmal drängt sich der Eindruck einer Gerichts- oder Reportagezeichnung auf, was aber durchaus zur Erzählweise der Geschichte passt, die den Leser zwar nahe rankommen lässt, aber auch Abstand zu den Geschehnissen generiert, was letztlich ein recht kühles Endergebnis bringt.

Superheld, Drama, Thriller, Horror, mit einem fulminanten Showdown, Ex Machina 2 bietet für jeden etwas und entzieht sich so einem direkten Vergleich. Hier entsteht etwas Neues! Und ein Blick (oder auch zwei) lohnt sich! :-)

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Dienstag, 07. August 2007

Y - The Last Man 5 - Ring der Wahrheit

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 14:44

Y - The Last Man 4 - Ring der WahrheitDer Schlüssel zum Überleben der Männer muss schnell gefunden werden, sonst können die letzten beiden männlichen Wesen, die die Katastrophe überlebt haben, ein Mensch und ein Äffchen, möglicherweise bald sterben. Außerdem muss das Leben des ersten männlichen Babys nach der Katastrophe bewahrt werden – ist es doch der erste Hoffnungsfunke auf eine bessere Zukunft.
Yorick Brown sucht Zuflucht in einer Kirche. Hier, so glaubt er, kann ihm nichts geschehen. Als letzter (erwachsener) Mann auf Erden ist er keineswegs in Sicherheit. Bisher haben viele Frauen ihn umbringen wollen, eine davon war seine eigene Schwester. In der Kirche wird er allerdings schon erwartet. Eine junge Frau hat die Kirche zu ihrem Versteck erkoren und ist bereit, diese zu verteidigen.

Yoricks Tarnung fällt. Und mit ihr fallen bald auch alle anderen Schranken. Yorick hatte seiner Verlobten, die in Australien weilt, eigentlich treu bleiben wollen, aber er ist auch nur ein Mann, wenn auch der letzte. Die junge Frau, Beth, ist ihm nicht böse deswegen, überhaupt nicht. Doch Yorick behält Recht. Wer sich mit ihm einlässt, bekommt häufig ungewollte Probleme. Bald schon brechen wieder Amazonen in sein Leben ein und bedrohen Beth. Wie gut, dass Yorick noch ein paar Tricks als Illusionist parat hat.

Es war einmal ein Mädchen namens Hero!
Hero hat sich immer zu starken Frauen hingezogen gefühlt, immer auf der Suche nach einem Vorbild. Sie verschiedene Stationen hin zur Erwachsenen durchlaufen, erster Sex, die große Liebe, ein erfüllender Beruf – und schließlich die Katastrophe. Mit dem Untergang der Männer starb auch der Mann, der ihr alles bedeutet hatte. Nach der Katastrophe war sie richtungslos, ohne Ziel, verzweifelt. Schließlich traf sie auf Victoria, die fehlgeleitete Anführerin der Amazonen, die durch ihren Hass auf Männer völlig verblendet war. Hero, die ihre Mutter suchte, fand einen Ersatz und verlor sich in einer Ideologie, die nie die ihre gewesen war. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Inzwischen ist Hero wieder auf der Suche nach Yorick, ihrem kleinen Bruder. Ihre richtige Mutter hat ihr den Auftrag gegeben, ihn zu finden. Noch ist Hero nicht geheilt. Immer noch bricht die hasserfüllte Stimme in ihr hervor, die ihr befiehlt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Feinde vorzugehen. Bald erreicht sie Kalifornien. Hier findet sie sich bald in einer Auseinandersetzung ehemaliger Agentinnen wieder.

Damit nicht genug: Yorick hat Anzeichen einer schweren Krankheit. Ist er infiziert? Holt ihn die Seuche am Ende doch ein?

Y – The Last Man geht in die 5. Runde. Der Ring der Wahrheit gibt viele Geheimnisse preis, lüftet einige Rätsel und ganz besonders das wichtigste überhaupt. Wie konnten ausgerechnet Yorick und sein kleines Äffchen die Seuche überleben, die auf einen Schlag ohne jede zeitliche Verzögerung alle männlichen Lebewesen des Planeten Erde ausgerottet hat?

Bist du da, Gott?
Mit dieser Frage betritt Yorick die Kirche. Autor Brian K. Vaughan lässt den jungen Mann nicht seinen Humor verlieren. Mit Yorick Brown hat Vaughan einen Helden geschaffen, der überaus sympathisch seinen Mann in dieser lebensfeindlich gewordenen Welt steht. Eine Regierung hat die USA zwar noch zu bieten, aber der Arm der Macht ist kurz geworden. Die Handlung verfolgt eine ausgewogene Mischung aus Einzelschicksalen, die beständig dabei sind und neu hinzukommen. Kleine Ausblicke zeigen oder lassen ahnen, was andernorts auf der Welt vorgeht.

Vaughan kann auch gemein genannt werden. Gerade mit diesen Ausblicken schürt er die Phantasie des Lesers. Beth (Yoricks Verlobte, die den gleichen Namen trägt wie die junge Frau, die Yorick in der Kirche kennenlernt) hat ihr Leben im Outback nicht aufgegeben. Ihre Forschungen führen sie weit in die Wildnis, wo sie auf einen Stamm ausschließlich weiblicher Aborigines trifft. In einem bedrohlichen Moment lässt Vaughan den Leser mit dieser Szene alleine zurück – und so auf den sprichwörtlichen glühenden Kohlen sitzen. Diesen kleinen Trick wendet er nicht gerade selten an, aber immer mit großem Erfolg.

Ungeheuer spannend sind die verschiedenen Gruppierungen geschildert, die kaum zu durchschauen sind und deren Bestreben erst ganz langsam deutlicher wird. So verhält es sich mit den Angehörigen des Culper Rings wie auch mit der japanischen Agentin, die schließlich … aber das soll nicht verraten werden.
Es lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass Vaughan völlig zu Recht einen Preis (Eisner Award) für diese Serie bekommen hat, die das herkömmliche Endzeit-Szenario in einem neuen Licht zeigt.

Als Zeichnerin ist wieder Pia Guerra zuständig. Was bereits in der vierten Ausgabe sehr auffiel, ist mit der fünften Ausgabe beweisfähig geworden. Guerra hat ihre Fähigkeiten geschärft und zeichnet besser. Als Tuscher ist immer noch José Marzán Jr. am Werk, doch er findet mittlerweile bessere Vorlagen vor. Guerra erprobt sich in unterschiedlichen (und auch nicht immer einfachen) Perspektiven. Vielleicht hat Vaughan auch seine Vorgaben ein wenig verändert, um eine spätere Verfilmung bereits optisch zu erproben. (Wie es heißt, arbeitet er an einer Drehbuchumsetzung – die dank der Masse des Materials sehr lang ausfallen muss.)

Die fünfte Ausgabe des Last Man lüftet ein wichtiges Geheimnis und gibt der Geschichte eine vollkommen neue Wendung. Die Reise von Yorick und seinen beiden Begleiterinnen ist noch lange nicht zu Ende. Jetzt geht die Fahrt an ferne Ufer. – Spannung pur mit hohem Einfallsreichtum gepaart: Spitze! :-D

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Freitag, 04. Mai 2007

Y - The Last Man 4 - Offenbarungen

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 19:16

Y - The Last Man 4 - OffenbarungenDie Jagd ist eröffnet. Wieder einmal sind Yorick, Agentin 355 und Dr. Mann auf der Flucht. Yorick hat seinen Spaß dabei, von Cowgirls verfolgt zu werden. Für Mann und 355 ist es bitterer ernst.
355 muss erneut unter Beweis stellen, wie kaltblütig sie in einer bedrohlichen Situation bleiben kann. Die Reise geht weiter, allerdings sind sie die Schwierigkeiten, die durch das Beisein des letzten Mannes entstehen, leid. Während Yorick bei einer alten Freundin und Kollegin zurückbleibt, wollen Dr. Mann und 355 dafür sorgen, dass der kleine Affe Ampersand die lebensrettenden Medikamente erhält. – Ampersand ist zwar ein nervtötendes Tier, aber immerhin scheint er auch das einzige männliche Tier (nach Yorick) zu sein.

Die ehemalige Agentin 711 ist zunächst sehr gastfreundlich. Das ändert sich jedoch über Nacht. Plötzlich findet sich Yorick in einem Sadomaso-Alptraum wieder. Fein kopfüber aufgehängt, an Händen und Füßen gefesselt, entpuppt sich Agentin 711 als Domina, die keinen Widerspruch duldet.
Aus dem vermeintlichen Sexspiel, für das Yorick keinerlei Interesse entwickeln kann, wird eine Reise in seine Erinnerungen und sein innerstes Selbst.

Dieser Trip ist allerdings nicht die einzige Hürde, die Yorick zu nehmen hat. In Arizona ist die Straße durch Überreste einer militaristischen Untergrundbewegung versperrt. Nichts und niemand, weder Hilfslieferungen noch sonstige Unterstützungen, konnte die teilweise verminte Landstraße passieren. Die Entscheidung fällt den drei Reisenden sehr schwer. Die Zeit drängt, wenn Dr. Mann mit ihren Forschungen noch etwas ausrichten will, dann muss es bald geschehen. Einen anderen Weg zu suchen, hieße, einen riesigen Umweg zu machen.
Dr. Mann erwägt, eine eigene Lösung auszuprobieren. Leider geht sie davon aus, dass in dieser Welt noch ausreichender Menschenverstand vorhanden ist. Nur haben die Waffen längst die Oberhand über den Verstand gewonnen. Dr. Mann bringt sie alle in Gefahr.

Die vierte Episode von Y – The Last Man besitzt den schönen Untertitel Offenbarungen. Das Fehlen von Männern hat Verhaltensblüten heranwachsen lassen, die niemand vorhersehen konnte. Y ist ein Road-Movie durch ein zusammengebrochenes Amerika als Abbild der gesamten Welt.

Yorick muss sich in dieser Folge erklären. Der berühmte einzige Mann auf der Welt glaubt immer noch an die große Liebe zu seiner Freundin, die sich leider auf der anderen Seite des Globus in Australien befindet. Angesichts der Probleme, in den ehemaligen USA von der Ost- zur Westküste zu gelangen, bedeutet die Reise nach Down Under eine lebenslange Aufgabe zu werden.
Trotzdem hat Yorick seine Hoffnung, die Freundin wiederzusehen, noch nicht verloren. Die Frage ist, warum? Als sich Agentin 711 mit Peitsche und Drogen in das Unterbewusstsein Yoricks hackt, erfährt auch der Leser einiges über den Mann und viele Fragen klären sich.
Es lässt sich nicht sagen, ob dieses Wissen um Yoricks Person gleich zu Beginn der Handlung als Hintergrundinformation des Autoren Brian K. Vaughan existiert hat, gleichwohl fügt es sich aber gut in die Handlung ein und klärt tatsächlich einige offene Fragen. Die Antworten sind logisch und treffend – realistisch, denn was als Traum eines Mannes im Witz klassifiziert wird, ist in Wahrheit unter diesen Verhältnissen nur noch beklemmend. Yoricks Gefühle, die im Mittelpunkt dieser Teilepisode stehen (und die sich später noch zeigen), werden für den Leser sehr glaubhaft dargestellt.

Ebenso realistisch ist das Land, wenngleich es etwas zu leer erscheint. Man könnte sich auch Flüchtlingsströme vorstellen, die durch das Land ziehen und mit der Sperre dieser wahnsinnigen Frauen kurzen Prozess machen. Wie es ausschaut, und auch in vorherigen Episoden geschildert wurde, bleiben die Menschen lieber an angestammten Orten, als ihr Glück in viel versprechenderen Landstrichen zu versuchen.
Realistisch ist auch die Gewalt, die sich wieder eingeschlichen hat und offen praktiziert wird. Der Westen ist wieder wild, wahrscheinlich wilder, als es die alten Siedler und Pioniere je gekannt haben. Vaughan beschreibt Land, in dem durch den Tod der Männer der Wahnsinn endlich seinen Durchbruch erleben konnte – ohne von den meisten überlebenden Frauen als solcher erkannt zu werden.

Zeichnerin Pia Guerra hat in dieser Ausgabe Verstärkung durch Goran Parlov erhalten, der ihren zeichnerischen Stil aber sehr gut aufgreift. Ein Unterschied ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen und könnte ebenso gut ein Experiment von Guerra gewesen sein.
Guerras Zeichenstil ist schnörkellos und wird von Inker José Marzán Jr. mit der gleichen Exaktheit umgesetzt. Dieser Effekt, wie auch die zugrunde sparsame liegende Kolorierung von Zylonol lässt einen halbdokumentarischen Charakter der Handlung entstehen. Nichts lenkt von der Geschichte ab. Man muss sich nicht in Details vertiefen, sondern kann die Handlung uneingeschränkt verfolgen.

Die Spannung steigt! Das Ziel des reisenden Trios rückt näher, doch mit jedem Schritt entweicht die Hoffnung ein Stück weiter weg. Ein gelungenes und schlüssiges Endzeitszenario mit einigen Rätseln im Hintergrund, die noch der Lösung bedürfen. Perfekte Unterhaltung.

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Donnerstag, 15. März 2007

Y - The Last Man 2 - Tage wie diese

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 21:14

Y - The Last Man 2 - Tage wie dieseYorick Brown und seine Begleiter müssen weiter in Richtung Kalifornien. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn die Verkehrsverbindungen sind alle zusammengebrochen. Eine Fahrt mit der Bahn muss teuer bezahlt werden und der Andrang ist groß.
Aber Yorick findet eine Lösung. Er kann ein Motorrad für eine Fahrt im Zug eintauschen. Ein teurer Preis, aber ihm und den anderen, Agent 355 und Dr. Mann, bleibt keine Wahl. Doch eine Zugfahrt ist nicht mehr lustig, schon gar nicht in den Tagen, in denen auf Erden nur noch einen einzigen Mann gibt.
Die Hobos, Vagabunden, die auf den Bahnstrecken halsbrecherisch aufspringen und durch das ganze Land fahren, wollen keine Fremden in ihrem Revier. Ehe sich die kleine Gruppe versieht, haben sie schon wieder Ärger am Hals.

Aus einer simplen Bahnfahrt wird ein Desaster.
Yorick und seine Freunde landen in der kleinen Ortschaft Marrisville. Der Ort bildet die absolute Ausnahme zu den sonstigen Zuständen im Land. Hier ist alles sauber und aufgeräumt. Der Strom funktioniert. Und die Frauen, die ihr Schicksal in diesem Städtchen meistern, betragen sich ordentlich. Alles scheint wunderbar zu sein. – Zunächst.

Die Amazonen haben die Jagd auf den letzten Mann noch nicht aufgegeben. Victoria, ihre Anführerin, ist voller Hass auf Yorick. Ihre Parolen klingen hassverzerrt und zeugen auch nicht von einem gesunden geistigen Zustand, allerdings vermag sie durch ihre Überzeugungskraft viele Frauen auf ihre Seite zu ziehen.
Unter ihren Anhängerinnen befindet sich auch Hero, Yoricks Schwester, die sich wie viele Amazonen aus Überzeigung die linke Brust entfernt hat. Wie die Amazonen in alten Zeiten verwendet auch Hero einen Bogen als Waffe. Obwohl sie während der Jagd zu ahnen beginnt, dass der Gesuchte ihr Bruder sein könnte, will sie nicht aufgeben. Sie ist Victoria geradezu hörig.

Yorick derweil ahnt nichts von dem heraufziehenden Sturm. Er genießt den Aufenthalt in Marrisville und ganz besonders die Zuneigung einer der Frauen. Da kommt er hinter ein Geheimnis.

Y –The Last Man 2 – Tage wie diese entführt in eine Welt, in der eben nicht mehr alles gleichmütig verläuft und geordnet ist, wie es die westliche Zivilisation gewohnt ist. In den Vereinigten Staaten herrscht das Chaos. Die Überlebenden, allesamt Frauen – bis auf Yorick und seinen kleinen Affen – schaffen es nicht, all die Zerstörungen, die durch den Tod der Männer entstanden sind, so schnell zu beseitigen. Andere Schwierigkeiten ergeben sich in der Verwaltung und in so simplen Selbstverständlichkeiten wie dem Fliegen. Nur ein Bruchteil der Frauen kann mit einer Flugmaschine umgehen. Überall liegen noch Tote herum, ganz besonders auch tote Tiere, denn das Sterben der Männer hat sich nicht nur auf die Menschen beschränkt. Seuchen drohen das Land zusätzlich ins Chaos zu stürzen.

Was Autor Brian K. Vaughan und Zeichnerin Pia Guerra hier zeigen, könnte eigentlich ein höchst frustrierendes Szenario sein – was es aus männlicher Sicht auch ist – in der Tat ist es aber hoch spannend, wie sich eine Welt ohne Männer entwickeln könnte. Diese starben alle in einem einzigen Augenblick. Das ist wenig realistisch, weshalb das Geheimnis, das letztlich hinter dieser Geschichte steckt, umso unheimlicher sein mag.
Nichtsdestotrotz haben die Beteiligten sich dazu entschlossen, das Problem auf der genetischen Ebene anzugehen. Ein Weg, von dem nicht klar ist, ob er zum Ziel führen wird.

Yorick ist mittendrin. Ein Mann, für den die Existenz zu einem Alptraum geworden ist. Als letzter Mann ist er ständig gefährdet. Er wird nicht nur von einer Seite her gejagt. Wie groß die Bedrohungen sind, weiß er nicht einmal. Nur der Leser ist darüber im Bilde. Es ist eines dieser Szenarien, bei denen man in einem Film ausrufen möchte: Pass auf!
Es funktioniert natürlich weder im Film noch im Comic, zur Spannungssteigerung genügt es allemal.
Vaughan kennt die unterschiedlichen Instrumentarien des Erzählens nur zu gut. Da trifft es sich, dass es zu einer Verfilmung kommen soll, denn die Gesetzmäßigkeiten dieser Erzählung folgen eng jenen Konventionen, die in den letzten Jahren bei populären Serien angewendet wurden.

Dramatisch sind natürlich die Verhältnisse der Figuren zueinander. Die Konfrontation in dieser Geschichte ist ungewöhnlich. Die Reaktionen sind stimmig. Aber das Thema ist noch nicht gänzlich zu den Akten gelegt. Vielleicht hat die Begegnung zwischen Yorick und Hero noch ein Nachspiel. Es wäre wünschenswert, denn eine Art Epilog zu dieser Begegnung fehlt noch.

Der Schluss ist ein Knaller – vor dem Hintergrund der Fakten der Handlung. Der nächste Schritt in der Geschichte wird auch dem Leser einen neuen Lösungsansatz des Geheimnisses geben.

Die grafische Umsetzung erfolgt gewohnt souverän durch Pia Guerra, die ihre Begabung auch im angehängten kleinen Sketch-Book zeigen kann. Ihr Stil ist schnörkellos, so dass man sich ganz auf die Geschichte konzentrieren kann. Auch die Farbe, von Pamela Rambo koloriert, nimmt sich auf ein Minimum an Verläufen zurück.

Science Fiction und Endzeit in einer gelungenen Mischung streng ausgerichtet auf die menschlichen Schicksale, ohne technischen Schnickschnack geradlinig erzählt. Sehr gut. :-D

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Dienstag, 20. Februar 2007

Y - The Last Man 1: Entmannt

Abgelegt unter: SciFi, Thriller — Michael um 18:34

Y - The Last Man 1 - EntmanntYorick führt ein kleines Telefonat mit seiner Freundin, die sich im Augenblick am anderen Ende der Welt befindet. Der junge Mann bestreitet sein Leben mehr schlecht als recht und hat sogar einen kleinen Kapuzineraffen bei sich aufgenommen, den er als Hilfe für Behinderte trainieren soll.
In einem Augenblick ist alles in Ordnung – oder besser, es ist so, wie jeder auf der ganzen Welt es gewohnt ist. Im nächsten Augenblick brechen alle Männer tot zusammen. Sie husten Blut, dann ist alles schnell vorbei.

Der Schock sitzt zunächst tief, als die überlebenden Frauen erkennen, dass sie nun in einer Welt ohne Männer leben. In einer Welt ohne Männer ist auch ihr Ende nicht mehr fern. Teilweise soll eine gewisse Ordnung aufrechterhalten werden. Das erweist sich jedoch als ziemlich schwierig. Nahrung ist rar, Leichen liegen überall herum. Die Verbindungen sind zusammengebrochen. Die Regierung hat kaum noch die Möglichkeit zu handeln. Der verbliebene Geheimdienst sucht das letzte weibliche Regierungsmitglied auf und macht sie zum Präsidenten.

Yorick unterdessen hat ganz andere Probleme, denn er hat als einziger Mann überlebt! Und sein Affe dürfte das letzte männliche Tier auf Erden sein. Der junge Mann unternimmt alles, um nicht entdeckt zu werden. Mit einer Gasmaske auf dem Gesicht macht er sich auf den Weg nach Washington. Dort hofft er seine Mutter zu finden. Aber insgeheim möchte er nach Australien, wo seine Freundin immer noch sein muss. Der Weg ist für den letzten Mann sehr gefährlich.
Die junge Frau, die ihm unterwegs begegnet und einen Müllwagen für Leichen fährt, will ihn nicht vergewaltigen, wie Yorick zunächst argwöhnt, sie will ihn verkaufen. Eigentlich ist abgesehen von seiner Mutter und einer amerikanischen Agentin namens 355, keine einzige Frau gut auf ihn zu sprechen.

In einem Land, in dem kaum ein Auto fährt, der Zug- und der Flugverkehr zum Erliegen gekommen ist, ist es schwer, jemanden zu finden, der sich versteckt hält. Trotzdem riskieren Yorick und 355 es und wollen die Wissenschaftlerin finden, die ihnen möglicherweise helfen kann.

Ein Männertraum wird wahr! Endlich kann der berühmte Spruch Und wenn du der letzte Mann auf Erden wärst … ausgetestet werden. Fast alle Frauen wollen den letzten Mann und tragen ihn auf Händen – nun, die Realität im Serienauftakt Y – The Last Man sieht vollkommen anders. Yorick und sein kleiner Affe Ampersand sind die letzten männlichen Lebewesen des Planeten Erde. In einem einzigen Moment sterben 48% der menschlichen Weltbevölkerung und jedes andere männliche Tier mit einem Y-Chromosom.

Autor Brian K. Vaughan zeigt, wie sehr ein solches Szenario zum Alptraum werden kann. Ähnliche Szenarien mit leergefegten Straßen kennt der SciFi-Fan aus Filmen wie Der Omega-Mann oder USS Charleston – Die letzte Hoffnung der Menschheit. In der von Vaughan beschriebenen Welt bricht schnell alles zusammen, da neben den Menschen auch die Tiere endgültig vom Aussterben bedroht sind. Warum dieses Endzeitszenario startet, wird noch nicht beantwortet. Mutmaßungen heizen die Phantasie der Leser an. Zwei Möglichkeiten wirken wahrscheinlich – aus der Sicht der Geschichte. Eine Möglichkeit davon ist Yorick selbst. Ist er der Auslöser der Epidemie? Oder sein Affe? Oder beide in Kombination? Oder gibt es noch eine andere Möglichkeit?
Vaughan lässt den Leser mit diesem Rätsel zurück, während er Yorick und 355 durch den Niedergang der Welt stolpern lässt.

Immer noch gibt es Machtkämpfe. Die Frauen sind bereit sich für einige verbliebene Regierungs- und Kongressposten zu schlagen und unterstützen ihre Argumente sogar mit Waffengewalt. Vaughan lässt nichts aus, nicht einmal jene Frauen, die den Verlust der Männer als Segen begreifen und sich als neue Amazonen sehen.
Mittendrin ist Yorick, der immer noch mit einer gewissen jugendlichen Naivität gesegnet ist und einem verlorenen Ehrgefühl hinterher trauert. Aber Ehre gibt es im Spiel ums Überleben nicht mehr zu verteidigen.

Pia Guerra bringt die Bilder dieser Geschichte zu Papier. Die Zeichnerin, die unter www.hellkitty.com Informationen über ihr Schaffen bereitstellt, schaffte mit Y – The Last Man ihren großen Durchbruch. Im Vergleich zur Galerie auf ihrer Homepage nimmt sie sich im vorliegenden Comic etwas zurück. Größere getuschte Schattenflächen sind selten. Schattierungen überlässt sie der farbgebenden Pamela Rambo.
Großartige Bilder wurden von J.G. Jones für die Cover der einzelnen Episoden angefertigt. Die Grundstimmung dieser Bilder kann sich in den Panels des Comics selbst nicht fortsetzen, aber Guerra gelingt es dennoch die Trostlosigkeit eines halb entvölkerten Amerikas einzufangen.

Ein gruseliges Szenario von Brian K. Vaughan in einer Zukunft ohne Männer. Die Endzeitstimmung wird sehr gut dargestellt und unterhält ungemein! :-D

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