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Comic Blog


Donnerstag, 14. August 2008

Rising Stars - 3. Akt - Teil 2

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 19:18

Rising Stars - 3. Akt - Teil 2Viele Freunde sind tot. Von den einstigen Specials, jenen Menschen mit außerordentlichen Kräften, sind nur noch wenige übrig. John und Randy gehören zu den mächtigsten von ihnen. Beide haben einen Plan gefasst. So unterschiedlich die beiden Männer sind, so verschieden sind auch ihre Ideen für eine Zukunft. Randy jagte Verbrecher. Drogendealer zittern vor ihm. Er hat viele städtische Bezirke ruhiger, lebenswerter gemacht. Aber Randy will mehr. Er will in eine Position gelangen, die ihm die Möglichkeit gibt, wirklich und langfristig etwas zu verändern. Randy will Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden.

Die Begeisterung aller Beteiligten über diesen Plan – außer bei Randy, der es für einen genialen Plan hält – bewegt sich innerhalb sehr enger Grenzen. Randy hat es trotz seiner ruhmreichen Vergangenheit nicht leicht. Männer, die ohne Partei im Rücken für das Amt des Präsidenten kandidieren, haben es generell in den USA nicht leicht. Aber Randy gibt nicht auf. Wenn es nicht beim ersten Mal klappt, dann beim nächsten Mal. Oder dem nächsten Versuch. Und manchmal braucht es auch ein wenig Glück.

Eine Saga, die sich über Jahrzehnte erstreckt, findet ihr Ende. Ist es traurig, ist es hoffnungsvoll, was J. Michael Straczynski sich ausgedacht hat? In jedem Fall hat der bekannte Autor (Babylon 5, Spider-Man) versucht, auf einer realistischen Ebene zu bleiben. Was wäre, wenn es Superhelden tatsächlich gäbe? Diese Frage haben sich schon andere Autoren wie Alan Moore oder Garth Ennis gestellt. Die Ergebnisse waren eher zynischer Natur, eine Art Überspitzung bestehender Superhelden-Epen und –Serien.

Da die Helden der Rising Stars nicht alle mit einer stabilen Psyche ausgestattet waren, kam es auch zu Kämpfen untereinander. Die Specials, wie sie von der Bevölkerung genannt werden, sind stark dezimiert worden, nicht zuletzt auch durch ein Attentat militärischer Kräfte, die nun endlich ein Mittel gegen diese Überwesen gefunden haben.
Die Überschaubarkeit der übrig gebliebenen Charaktere ermöglicht eine höhere Konzentration und bestärkt die Faszination, die schon von Randy und John ausging. Um den unheimlichen Anteil an der Geschichte zu erhöhen, kommt ein Special ins Spiel, der bisher eher abseits stand – sogar aus überaus verständlichen Gründen.

Lionel kann mit den Toten sprechen. Oder besser, sie sprechen zu ihm, wollen all ihre Geheimnisse loswerden, sobald sie nur einen Zuhörer finden. Deshalb lebt Lionel sehr zurückgezogen an einem Ort, an dem niemand gestorben ist und reden kann. Der Ghost Whisperer erfährt Geheimnisse, die sonst nur wenige kennen, nachdem er eine Nacht auf dem Friedhof in Arlington zugebracht hat. Am Grab von John Fitzgerald Kennedy beginnt Lionel mit dem Zuhören.
Straczynski erörtet kurz, welche Geheimnisse gelüftet werden, lässt den Leser aber im Unklaren über die Antworten. Allerdings findet sich eine interessante Szene, in der Randy dem Kongress und den anwesenden Militärs erläutert, über welches Wissen er nun verfügt. Die Macht, die er dadurch besitzt, ist unglaublich.

Zunächst sieht alles nach einem spannenden, aber gut ausgehenden Finale aus. Aber ein Präsident, der seine Gefolgschaft in gewissem Sinne erpressen muss, damit sie ihm uneingeschränkt gehorcht, kann nicht wirklich glauben, dass er lange an der Macht bleibt. So beobachtet der Leser die aufkeimenden Intrigen hinter den Kulissen, ganz so, wie es auch schon Oliver Stone mit seinem Film JFK aufgezeigt hat.

Brent Anderson zeichnet auf einem gewohnt guten Niveau in dieser Ausgabe, doch er hat auch Höhen und Tiefen, was die Tuscheumsetzung seiner Bilder angeht. Die Handlung macht ihm auch seine Arbeit relativ leicht. Action gab es in den vorhergehenden Bänden reichlich, hier spielt es sich viel stiller, auch häufig in Räumen oder an Tischen ab. Anderson zeichnet einen langen Abschied von seinen Figuren, die sicherlich über die gleiche Tiefe verfügen wie alteingesessene Charaktere in anderen Comic-Universen.

Eine Frage, deren Antwort über allem anderen steht, muss noch geklärt werden. Woher kam die Kraft, die einige Menschen mit besonderen Kräften ausstattete? Und was soll aus ihr werden, wenn die Specials einmal nicht mehr sind?
Die Lösung, die sich Straczynski hierfür ausgedacht hat, ist schlüssig, schön und traurig.

Ein toller Schluss für eine sehr gute Superhelden-Saga der anderen Art. J. Michael Straczynski hat hier etwas ganz eigenes geschrieben, innovativ, schlüssig, erwachsen. Brent Anderson dokumentiert diese Geschichte, anders lässt sich sein Zeichenstil hier nicht besser beschreiben, versiert und mit viel Respekt für die Figuren. Sehr gut. :-)

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Freitag, 27. Juni 2008

Astro City - Local Heroes

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 20:24

Astro City - Local HeroesWie ist das eigentlich, wenn man in einer Stadt lebt, in der es von Helden und Schurken nur so wimmelt? Wenn man selber dem Tod von der Schippe springt, so gerade noch, weil wieder ein Haus explodiert oder ein Automobil durch die Luft segelt, um dann mit lautem Knall neben dir auf dem Asphalt zu landen? Wie das ist? – Anstrengend.
Aus der Sicht ganz normaler Menschen, die nichts mit Geheimidentitäten, Fliegen und Blitzen, die aus den Augen verschossen werden, zu tun haben, kann Astro City sehr anstrengend sein. Aber es kann auch der Ort sein, an dem man sein will, weil es nur dort lebenswert ist – obwohl es auch sehr kurz sein kann.

Kurt Busiek wirft einen Blick auf diese normalen Menschen und beginnt sogleich mit dem Türsteher eines noblen Hotels, einem Menschen, der jeden Tag Fremde kommen und gehen sieht. Aus irgendeinem Grund mag man glauben, dass Menschen, die nur am Eingang eines Gebäudes stehen, keine eigene Geschichte haben, doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Langsam blättert Busiek in der ersten Episode das Leben eines Mannes auf, der genau an den Platz gekommen ist, der zu ihm passt.
Vor vielen Jahren hatte Mr. Donacek seine ganz eigenen Erfahrungen mit Superhelden und Schurken. Eigentlich wollte er die Stadt verlassen, aber dann …
In diesen Momenten gibt es häufig ein Aber dann ….

Da ist Manny Monkton, der Comic-Verleger, der die Geschichten der Helden besser erzählen will, lesertauglicher. Manny ist ein alter Hase im Geschäft. Alte Hasen sind nur nicht immer sehr beliebt. Auch Manny nicht, denn er schert sich einen Dreck um die wahren Helden – noch weniger um die wahren Schurken – und so macht sich der alte Fuchs eine Menge Feinde, noch dazu welche, für die es ein Klacks ist, jemanden wie Manny zu beseitigen. Als Sally Twinings bei Bulldog Comics anfängt, hätte sie nicht gedacht, welche Erlebnisse ihr das einmal einbringen wird.
Kurt Busiek beschreibt den Alltag einer Comic-Autorin in Astro City mit einem Augenzwinkern und sicherlich nicht ohne einen Blick zurück (ohne Zorn). Und wie in jeder der vorliegenden Geschichten bringt er eine große Erzählfreude ein – und eine große Portion Gemeinheit.

Es fällt schwer, für sich selbst, als Leser, eine Abstufung zu treffen. Nicht immer verwendet Busiek diesen gnadenlosen Humor, manchmal nimmt er auch nur tragische Zutaten. Ein Schauspieler, der den Helden spielt, versagt völlig, obwohl er es wirklich nur gut meint. Ein Anwalt wird erpresst. Eine falsche Handlung würde den Tod seiner Familie zur Folge haben.
Hier sind die Local Heroes die wahren Helden, die, die eigentlich keine Chance haben, die, die wirklich Mut beweisen müssen. Das bezieht sich nicht nur auf die Normalos, sondern auch auf jene, die bereits ausgedient haben, im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber Busiek erinnert sich auch an die klassischen Helden, diejenigen, die einmal vom Lande kamen.

Wenn man wahnsinnig viele Helden gewöhnt ist, dann kann doch so ein Landheld doch nur ein Landei sein, oder?
Hier setzt der Humor wieder ein, so dass Busieks Taktik deutlich wird. Er liebt die Berg- und Talfahrt der Emotionen. So gelingt es ihm, nicht alle Facetten des Superhelden-Genres einzufangen, aber wenigstens sehr viele, vor allem solche, die sich in den klassischen Serien oder Universen eher selten finden, weil die Helden sich nur um sich selber drehen.

Brent Anderson zeichnet die einzelnen Episoden. In zwei Kapiteln wird ihm die Tuschearbeit von Will Blyberg abgenommen, doch am besten sind die Bilder dort, wo Anderson diese Arbeit auch selber macht. Ein sehr schönes Beispiel ist die im 50er Jahre Stil gezeichnete Episode Die schimmernde Rüstung, die gleichzeitig eine Hommage an die alten Zeiten des Comics ist, als die Helden tatsächlich noch einen schimmernden Charakter hatten und nicht in die Schlüpfrigkeit abdrifteten, wie es in der Episode Wo die Action ist angedeutet wird.

Atomicus wird aus einem Atomreaktor geboren und wird gleichfalls zum Zielobjekt einer ehrgeizigen Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als die Frau eines echten Helden zu werden. Das ist in manchen Teilen nicht nur traurig, sondern auch kitschig, weil der Leser der Erzählerin folgt und schließlich bei ihrer Resignation landet – und einer Zeit, die sie nicht versteht, da ihre Tochter ihre Homosexualität gestanden und so gar nichts mit glänzenden Helden am Hut hat. (Außer, dass sie selber einer ist.)
Das ist nicht nur feinfühlig gezeichnet, auch ebenso erzählt, weshalb sich hier ganz besonders zeigt, warum Busiek und Anderson ein gutes Team sind (fast so gut wie Busiek und Pérez).

Kleine Episoden formen ein großes Ganzes. Ernsthafter als die normalen Universen, immer mit einem kleinen Seitenhieb, mal herzlich, mal ironisch in einer schönen Aufmachung und tollen Covern von Alex Ross, dem Meister der Strumpfhosenhelden.

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Rising Stars - 3. Akt - Teil 1

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 16:44

Rising Stars - 3. Akt - Teil 1Jerry hat seinen Beitrag geleistet. Er hat mit seinen Kräften als lebende Fackel alle Kokainfelder abgebrannt. Ein Neuanbau kommt für die Kartelle einfach nicht mehr in Frage. Es ist zu kostspielig geworden.
Und doch wagt es wieder mal einer. Bloß weil sie denken, er würde es sich nun an Swimming Pools in der Wüste von Nevada gut gehen lassen, sollten sie nicht glauben, der alte Mann hätte es nicht mehr drauf. Es ist nur ein Gefallen, ein kleiner Rachefeldzug. Aber das, was Jerry im Dschungel von Bolivien erwartet, sind keine übermütigen Drogenbarone. Es ist eine Falle.

Eine große Traurigkeit durchzieht den gesamten 1. Teil des 3. Akts von J. Michael Straczynskis Saga um die Specials. Der letzte Akt nimmt seinen Lauf. Die Geschichte ist sehr ansprechend erzählt, aber sie ist nichts für jene Comic-Leser, die von einer Superhelden-Geschichte ein heiteres Superschurken-Verkloppen erwarten.

Wieder sind einige Jahre vergangen und die einzelnen Specials, die Menschen mit besonderen Kräften, haben ihre Aufgaben zur Verbesserung der allgemeinen Situation der Menschheit sehr ernst genommen. Atomare Abrüstung, Verbrechensbekämpfung, Drogenbekämpfung, verbesserte Techniken, Heilmethoden, Sammlung von Geldern zur Linderung von Nöten. Die Specials waren fleißig. Trotzdem werden sie nicht von allen geliebt. Ganz im Gegenteil.

In aller Ruhe erzählt Jason dem im Koma liegenden Freund die Geschichte der verbliebenen Specials, die allesamt gelitten haben. J. Michael Straczynski lässt den Leser dabei sehen, was Jason seinem Freund verschweigt oder auch schön redet. Das ist sehr elegant geschildert und in Comics nicht der Normalfall. Rising Stars ist nichts für nebenbei, dafür ist es nicht nur von seiner Erzählstruktur her angelegt, auch ist es unbequem.
2002 entstanden, gehört diese Geschichte mit zu den ernsthafteren Auseinandersetzungen mit dem Superhelden-Genre. Hier sind Menschen am Werk, die zufällig besondere Kräfte haben. Und es werden immer weniger.

Allerdings bringt die zahlenmäßige Verringerung der Specials auch den Nebeneffekt mit sich, dass die Kräfte der anderen im gleichen Maß steigen. Dies einmal mehr hier herauszufinden, ist traurig, der Nutzen daraus äußert sich im weiteren Verlauf in schlichter Rache. Einige Mächte, gar nicht einmal die so genannten Kriminellen, wollen es nicht zulassen, dass es einigen wenigen gegeben ist, selbsternannte Sheriffs zu spielen Darunter auch ein gewisser amerikanischer Präsident namens George W. Bush junior, der hier nur allzu gut, dank der zeichnerischen Fähigkeiten von Brent Anderson erkennbar ist.

Dieser Mann lügt. Und ich kann es beweisen.
Es gehört sicherlich einiges dazu, diese Worte dem mächtigsten Mann der Welt entgegenzuschleudern, noch dazu mit dem eigenen toten Freund auf dem Arm, spiegelt aber auch ein Zeichen der amerikanischen Zeit wider, in der das Volk seiner Regierung nicht mehr jedes Wort blind abkauft.
Brent Anderson, Zeichner und Tuscher in Personalunion, ist es zu verdanken, dass dieses Szenario auch optisch so gut gelingt. Jüngere Arbeiten von ihm finden sich auch in Reihe Astro City. Weitere Beispiele seiner Arbeit sind auch online einsehbar unter www.brentandersonart.com.

Es ist ein rauer Zeichenstil, sehr exakt, aber auch mit schnellen Strichen getuscht, fast skizziert. Die Menschen sind alle sehr individuell, fast als habe man mit realen Vorbildern gearbeitet. Brent Anderson, Jahrgang 1955, gehört zur alten Schule. Seine Bilder stehen in der Tradition eines John Buscema, Alan Davis oder Bruce Jones.
Seine Zusammenarbeit mit Chris Claremont gilt immer noch als ein Höhepunkt der Mutanten-Saga um die X-Men. Aber im Vergleich zu dieser älteren Arbeit hat er sich weiter gesteigert, ist er präziser geworden.

Einfach richtig gute und niveauvolle Superhelden-Unterhaltung von zwei Profis am Schreib- wie auch am Zeichentisch erzählt. In dieser komprimierten Komplexität ist es erstaunlich, dass sich noch kein Produzent für eine Verfilmung gefunden hat.

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