Donnerstag, 10. Juli 2008
Ein Krieg scheint nicht mehr abwendbar zu sein. Frankreich hat halb Europa gegen sich aufgebracht. Nach einem kurzen Bürgerkrieg muss es sich nun gegen äußere Feinde wehren. Während es in die spanischen Lande vorstößt, nähern sich immer mehr feindliche Armeen von Osten und bedrohen schließlich sogar Paris.
Doktor Julièn Sauniere interessiert der Krieg nur am Rande. Er hat wahrlich andere Probleme. Bei seinen Nachforschungen ist er zwischen die Fronten von Aristokratie, Kirche und Inquisition geraten. Nicht nur, dass ihn ein Golem angegriffen hat, nun schmort er auch noch in einer Zelle, nachdem Pater Calvet ihn an die Inquisition verraten hat.
Nachdem Calvet sieht, wie die Kirche mit Sauniere umspringt, bereut er seinen Verrat und befreit den Doktor. Doch zu welchem Preis! Sauniere unterdessen gibt nicht auf. Noch ist das Geheimnis um die Merowinger-Könige nicht vollends gelüftet, noch ist die Abstammungslinie seit Jesus Christus weiter im Dunkeln. An der Seite von Genevieve Tournon, einer früheren Geliebten und jetzigen Freundin, macht er sich auf den Weg nach Südfrankreich. Aber weiterhin ist es keine leichte Spurensuche. Nach seiner Flucht haben seine Feinde die Verfolgung noch einmal intensiviert.
Der optische Wechsel ist komplett vollzogen. Im vorliegenden 4. Band von Rex Mundi hat Juan Ferreyra den Zeichenstift in der Hand.
Das Ergebnis ist ein grafischer Leckerbissen geworden. Normalerweise ist eine Lobrede des Autors, in diesem Falle Arvid Nelson mit Vorsicht zu genießen, aber hier erwachen die frühen 30er Jahre eines alternativen 20. Jahrhunderts zu einem geradezu unheimlichen realistischen Leben.
Unheimlich ist hier besonders der kalte Schrecken, der hier vermittelt wird. Der Anführer der Inquisitoren verbirgt sein Gesicht hinter einer silbernen Maske (siehe Titelbild). Bei Hofe ist alles Pomp und Glanz, aber die Taten sprechen eine andere gnadenlose Sprache, die sich in der Bombardierung von Schloss Versailles, der Ermordung des Königs und dem europaweiten Krieg äußert. Der unheimliche Killer, den Sauniere bereits tot glaubte, trägt einen weißen Anzug.
Diese Kühle prägt auch die Politik Frankreichs. Der neue selbst ernannte Führer, der Herzog von Lorraine, wähnt sich selbst als neue alte Stimme von Gottes Gnaden, mehr noch als direkter Nachfahre von König David und Jesus Christus.
In dieser Welt, in der neben dem Glauben auch die Magie lebendig ist, könnte eine solche Abstammungslinie nicht nur die Politik in ihren Grundfesten erschüttern, auch die Kirche käme ins Wanken, würde sie allein diesen Gedanken zulassen. Allein deshalb ist Sauniere zu einem unliebsamen Zeugen geworden, der zum Schweigen gebracht werden muss.
Arvid Nelson (u.a. Hellgate London) hat die Geschichte zwar vielschichtig aufgebaut und erzählt so, dass man auch als Leser nichts verpassen sollte, dafür ist jedoch eine Welt entstanden, in die es sich so richtig hineinfühlen lässt. Durch kurze Einschübe, Zeitungsartikel und Kriegsjournale erfährt der Leser von der Lage Frankreichs. Immer verändert sich die ehemalige Monarchie zu einem faschistischen Staat. Nelson und Ferreyra zögern auch nicht, mit den obligatorischen Zeichen eines faschistischen Staates zu spielen, wie sie hinreichend aus den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt sind.
Obwohl sich beide Handlungslinien, die von Lord Lorraine und Sauniere diesmal nicht begegnen, steigt die Spannung von Seite zu Seite. Denn ob sie wollen oder nicht, dass Schicksal beider Männer ist miteinander verknüpft und letztlich werden oder fühlen sich wenigstens beide von jenen verraten, die sie liebten oder vertrauten.
Doch während der eine nach der Wahrheit sucht, jagt der andere nur der Macht hinterher. Am Ende bleibt nur verbrannte Erde.
Als Zugabe finden sich in der 4. Ausgabe von Rex Mundi nicht nur ausgezeichnete Cover-Interpretationen verschiedenster Künstler, sondern auch eine kleine Geschichte, die die erste Zusammenarbeit von Nelson und Ferreyra darstellt. Sauniere und Tournon haben in dieser auch magischen Welt eine Begegnung mit einem Horror-Wesen, das allseits beliebt und bekannt ist im Genre. Kurz und dennoch überraschend macht das Pärchen eine sehr eigenständige Erfahrung mit dieser Kreatur.
Grafisch hinreißend und gruselig realistisch in Optik und Erzählung sind hier alternative 30er Jahre entstanden, die einfach packen. Der vierte Band dürfte der bisher beste der Reihe sein, aber das ließ sich von jedem Nachfolgeband behaupten. Noch sind einige Rechnungen offen. Sauniere hat die Kirche im Nacken. Das verspricht auch für die Zukunft noch ein spannendes Szenario.
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Mehr Informationen zur Serie (mit Ausblicken) unter www.rexmundi.net.
Stichwörter: arvid nelson, juan ferreyra
Freitag, 27. Juni 2008
John Fowler hat es eilig, weil er wieder mal zu spät zum College kommt. Heute sind Ausgrabungen auf dem Campusgelände angesetzt. Daran wäre nichts außergewöhnliches, würden diese Grabungen nicht auch ein uraltes Skelett zutage fördern.
Der Fund weckt in John wahnsinnige Kopfschmerzen. Seinen Freunden bereitet das Skelett weniger Kopfzerbrechen, allenfalls brüten sie darüber, wie sie Professor Hawkins, der die Grabungen überwachte, wieder einmal einen Streich spielen können. Die Lösung ist einfach: Man nehme das alte Skelett und setze es auf Hawkins’ Bürostuhl.
Das ist ein Spaß! – Jedenfalls, solange man nicht dabei erwischt wird. Und John wird erwischt. Für Professor Hawkins ist diese Untat der willkommene Vorwand, um diesen Fowler endlich loszuwerden. Aber ganz so einfach wird es dann doch nicht. John erhält unerwartete Unterstützung, über die er sich zunächst wundert. Nach einer Weile lichten sich die Schleier – keiner der Schüler, auch nicht Johns Schwester, ist auf das vorbereitet, was sich bald in ihrer aller Leben verändern wird. Ein altes Erbe wirft seine dunklen Schatten und Albträume voraus.
Jugendliche Charaktere werden in dieser Fassung der Ereignisse um das Aufbrechen des Höllentores in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. In bester Manga-Manier von J.M gezeichnet, aber in europäischer Lesefolge inszeniert, entsteht hier in schwarzweißer Bilderfolge eine Geschichte, die den anderen Abenteuern des Hellgate London von Ian Edginton und Steve Pugh in Sachen Spannung nicht nachsteht, sich aber an ein jüngeres Publikum richtet.
Wie in einem Jugendbuch entschlüsseln sich die Geheimnisse um die Familie Fowler. Die drei Kinder, John, Lindsey und der kleine Tyler erhalten nach dem Fund des unbekannten Skeletts schließlich einen Hinweis, der sie auf den Dachboden ihrer Wohnung führt und dort …
Es ist interessant, wie Arvid Nelson, der Autor, die Geschichte konzipiert. Diese Kids gehören zur Computerspielgeneration. Wenn ein Monster sich ihnen in den Weg stellt oder eine seltsame Kreatur aus einem Wolkenwirbel nach ihnen greift, rennen sie nicht automatisch fort. Irgendwie haben sie das alles schon einmal gesehen. Und deshalb kassiert so ein Monster dann auch eine saftige Abreibung.
Nelson nimmt die Geschichte nicht allzu ernst. Er will unterhalten. Er kennt seine Leser und weiß, was sie mögen. So wird der kleine Tyler auch einmal mit seiner Lieblingsserie abgelenkt: Mighty Ninja Magical Cyber Assault Team Dangar.
Auf einen Blick in die Serie müssen wir leider verzichten (obwohl der Titel verdammt neugierig macht), aber auf die guten alten nimmersatten Wiedergänger müssen wir nicht verzichten.
In einem anderen Kontext würd ich sagen, sie sähen cool aus. So viel Zeit bleibt Lindsey noch zur Analyse, bevor Hellgate London seinen Jugendbuchcharakter endgültig hinter sich lässt und John mit seinem Dachbodenfund zeigt, was er so alles kann.
Die Spannung schaukelt sich immer weiter auf. Am Ende …
Das soll natürlich nicht verraten werden, aber J.M legt mit seinen Zeichnungen, mit denen er qualitativ auf Augenhöhe eines Hiroki Endo rangiert, recht drastische Bilder vor, die auch auf diese Weise denen von Endo in nichts nachstehen.
Man gewöhne sich nicht zu sehr an die Charaktere, denn nicht alle werden es bis zum Ende schaffen. Die Konstellation, die Arvid Nelson schafft, lässt einige weitere unerwartete Wendungen für die nächsten Abenteuer erwarten. Ein gelungenes Horror-Abenteuer mit Bildern von J.M, dass keine Spielevorlage nötig hätte.
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Stichwörter: arvid nelson, j.m
Dienstag, 18. März 2008
Der Arzt Julien Saunière verabschiedet seinen Bekannten, den Rabbi, am Bahnhof. Für den Mann ist es nicht mehr sicher in Paris. Saunière selbst wird von der Inquisition überwacht. Der Rabbi lässt den Arzt ungern alleine mit den Problemen zurück. Aber es ist besser so, denn auch die politische Situation verschlechtert sich.
Frankreich will alte Grenzen zurecht rücken und sich wieder das einverleiben, was ihm einmal im heutigen Einflussbereich des Emirates Cordoba in den angrenzenden Gebieten Navarra, Aragon und Kastilien gehörte. Von englischer Seite, von Lord Churchill, erhält Frankreich Zuspruch für diese Ideen – sofern man von französischer Seite die englischen Bemühungen und Expansionen in Arabien und der Levante toleriert. Schnell kommt der französische Lord Lorraine mit Churchill zu einer Einigung.
Von all dem ahnt Saunière zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Er ist viel mehr damit beschäftigt, Licht in das Dunkel verschiedener Nachforschungen zu bringen.
Symbolik, altertümliche Kunst, Legenden und Mathematik spielen eine wichtige Rolle bei der Spurensuche. Das Geheimnis des Heiligen Grals? Wie lautet es? Welche Rolle spielt die Politik in dieser Angelegenheit? Gehen am Ende das Geheimnis und die aktuellen politischen Ereignisse Hand in Hand?
Fest steht, dass verschiedene Templerfamilien die Familie von Lord Lorraine unterstützen. Saunières Neugier wird unerträglich. Und er wagt einen mutigen Schachzug. Indem er der Inquisition all sein Wissen offenbart, hofft er auf entsprechende Unterstützung durch den Klerus.
Als die Spur in die Katakomben führt, scheint die Marschrichtung klar zu sein, insbesondere nachdem ein alter Bekannter wieder in Erscheinung tritt. Aber Saunière täuscht sich. Ganz so einfach, wie er zunächst annahm, ist die Lösung dann doch nicht zu finden.
Rex Mundi - Wir schreiben das Jahr 1933. Die Welt ist anders als wir sie kennen, sie ist anders als unsere Geschichtsschreibung uns hinterlassen hat. Die Kirche ist ein wichtiger Machtfaktor in den christianisierten Reichen. An der Grenze Frankreichs beherrscht das Emirat Cordoba das uns bekannte Spanien. Portugal existiert nicht einmal als eigenständiger Staat. Frankreich, England, Preußen sind auf Kolonialisierung aus. Russland ist riesig. Die islamischen Staaten wie das Ottomanische Reich, das kalifat der Almohaden, das Sultanat der Abbasiden und das Reich der Safawiden teilen den vorderen Orient untereinander auf.
In diesen schwierigen Zeiten stößt der Arzt Julien Saunière auf ein Geheimnis, dass für ein neues Frankreich einen Wendepunkt herbeiführen könnte. Politik und Mystik, auch Religion genannt, werden ineinander aufgehen, sollte das Geheimnis ans Licht kommen. Damit nicht genug. Eine noch geheimnisvollere Macht geht im Hintergrund um, eine Macht mit echten magischen Fähigkeiten. Ein normaler Mann wie Saunière droht zwischen den einzelnen Machtblöcken zerrieben zu werden, wenn er nicht sehr klug und besonnen handelt.
Ein Autor wie Dan Brown kann sich angesichts der Vorstellungskraft von Arvid Nelson und Zeichner Eric J, den Erfindern von Rex Mundi warm anziehen. Hier liegt der Geschichte eine hochkomplex geschilderte Gesellschaft zugrunde. Diese Welt ist außerdem so groß, dass dem Erfindungsreichtum und dem dramatischen Geschick, insbesondere von Autor Nelson eigentlich kaum Grenzen gesetzt sind.
Die Vermischung realer geschichtlicher Figuren und Ereignisse mit dieser fiktiven Welt macht aus ihr einen äußerst faszinierenden Stoff.
Inquisition und politische Machthaber wirken nicht oft derart bedrohlich. Sieht man einmal von der Spur, die Saunière verfolgt ab, ist es allein ungeheuer spannend, die Winkelzüge von Herzog Lorraine zu verfolgen, wie er Stück für Stück sein Netz aufspannt, aus dem es für die Beteiligten letztlich kein Entkommen mehr gibt.
Eric J, Mitinitiator dieser Reihe, für dessen Umsetzung sich anscheinend auch Hollywood interessiert (Ein entsprechendes Interview fand im September 2006 statt. Eine Umsetzung könnte 2009 erscheinen. Johnny Depp würde in die Rolle von Julien Saunière passen. Man darf weiterhin gespannt sein. Im Laufe des Jahres dürfte dazu mehr zu erfahren sein. Infos werden sich bestimmt unter www.rexmundi.net, der Homepage zur Serie finden lassen.), wird im Verlauf des Bandes von den Zeichnern Jim Di Bartolo und Juan Perreyra abgelöst. Bartolo weiß hier eine Spur besser zu gefallen als Eric J (natürlich immer auch Geschmackssache), weil seine Charaktere etwas ausdrucksstärker aussehen. Auch Perreyra kann da nicht mithalten, obwohl er um verstärkten Realismus bemüht ist und seine Zeichnungen technisch ausgereift und schön sind. Ohne Vergleichsmöglichkeit zu Bartolo wäre er toll, im direkten Vergleich fängt er die Atmosphäre nicht so gut ein.
Was Perreyra allerdings im besten Sinne und für jeden erkennbar wunderbar gelingt, ist ein ungeheuer schönes Titelbild im Jugendstil, für das ein Künstler wie Alfons Mucha Pate gewesen sein könnte.
Mystische Spannung, politische Intrigen, ein Spiel mit der Zivilisation in einer parallelen Entwicklung zu der unseren, glänzend inszeniert von Arvid Nelson und Eric J. Eine Top-Serie, die jeden Thriller-Fan begeistern kann.
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Stichwörter: arvid nelson, eric j, jim di bartolo
Samstag, 26. Mai 2007
Dr. Julien Saunière hat die Attacke des Fremden dank der Hilfe seiner jugendlichen Freunde überlebt. Mit kindlichem Wagemut haben sie den unheimlichen Angreifer in die Flucht geschlagen. Juliens Verletzung ist vernachlässigbar. Deshalb nimmt er seine Ermittlungen auch sogleich wieder auf.
Seine alte Freundin, die Ärztin Dr. Tournon, hat etwas herausgefunden, das sie wegen ihrer Freundschaft zu Julien ihm nicht vorenthalten möchte. Der seltsame Spruch Et In Arcadia Ego ist der Wahlspruch der Lorraines, einer alten und sehr mächtigen Adelsfamilie in Frankreich. Die Erkenntnis aus dieser simplen Tatsache ist einfach: Sollte der Hochadel in die unheimlichen Vorkommnisse verwickelt sein, kann es sehr gefährlich werden – noch gefährlicher als es ohnehin schon ist.
Aber wer zur Hölle baute Salomons Tempel in der Pariser Kanalisation nach?
Ungeachtet der Gefahren und der Inquisitoren auf den nächtlichen Straßen von Paris dringt Julien wieder in die Katakomben der Stadt vor. Die Geheimdokumente, die er vorfindet, erzählen eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit reicht und die Erinnerungen an die Tempelritter wachrufen. Während Julien seine Nachforschungen betreibt und sehr bald den Unmut einflussreicher Persönlichkeiten auf sich zieht, gärt es auch in der Politik. Stimmen, die sich lange Zeit gegen den Kolonialismus Frankreichs ausgesprochen haben, da eine aggressive Expansion nur kriegerische Auseinandersetzungen nach sich ziehen kann, drehen ihre Fahne plötzlich in den Wind. In Frankreich brechen neue Zeiten an. Die Falken in den Spitzen der Politik haben die Oberhand gewonnen.
Von all dem wähnt sich Julien unberührt, aber er irrt sich gewaltig. Die Mächtigen haben in streng geheimen Zirkeln ihre Macht seit alters her bewahrt und vermehrt. Und sie sind immer noch süchtig nach mehr Macht. Wie es ausschaut, sind sie die Arbeit im Geheimen Leid und wollen sich und ihre Ziele endlich offenbaren.
Mehr noch: Wo der Adel seine Spielchen treibt, kann sich die Kirche nicht lange zurückhalten, zumal Julien in ihre Kreise eindringt. Der Doktor hat in ein Wespennest gestochen, er spielt ein Spiel, das er noch nicht vollends versteht. Sein Einsatz ist sein Leben.
Die Edition rund um Rex Mundi geht in die zweite Runde. Der unterirdische Fluss zeigt dem Leser eine alternative Welt, die sehr an unsere erinnert und auch viel mit ihr gemeinsam hat. An verschiedenen Stellen des Zeitstranges kam es zu Abweichungen. Sieht man einmal von den Einflüssen der Magie in dieser Welt ab, wäre eine Entwicklung dieser Art nicht undenkbar gewesen. Rex Mundi ist ein Mystery-Thriller im besten Sinne. Nicht nur die Jagd nach dem Heiligen Gral fasziniert letztendlich, sondern es fesseln auch die Intrigen, die politische Situation und die zahlreichen Hintergrundinformationen, die auf ähnliche Weise eingewoben wurden, wie es der Mystery-Fan vielleicht von Das geheime Dreieck her kennt.
In den hier zusammengefassten 6 Kapiteln entwickelt sich die Hauptfigur Dr. Julien Saunière weiter. Sein Verhalten wird bedächtiger. Die verschiedenen Ereignisse haben ihn vorsichtiger werden lassen. Wer uralte Computerspiele kennt, kann sich bei Juliens Nachforschungen in Tunneln und den Rätseln, die er lösen will, an Adventures erinnert fühlen. Auf den Spuren der Mystery-Welle, die von Veröffentlichungen wie Sakrileg und Illuminati eingeläutet wurde, weicht Rex Mundi sehr schnell von ausgetretenen Pfaden ab und geht einen vollkommen eigenen Weg.
Allein die Beschreibung dieser Welt, die Julien enorme Probleme bereitet, weil ein eigener Kopf (ohne Macht) hier nicht gern gesehen ist, erzeugt enorm viel Spannung. Die Möglichkeit, die Wort- und Bilderrätsel mitzuverfolgen, bildet die nächste Stufe der Spannung. Die Aufbereitung der Vergangenheit ist glänzend hinzugefügt.
Die Vielfalt der Informationen erlauben ähnlich wie in einem gut konstruierten Thriller keinerlei Unaufmerksamkeiten. Jedes kleine Stück komplettiert das Puzzle oder vervollständigt die Fährte zum nächsten wichtigen Teil.
Juliens Nachforschungen zusammen mit dem Rabbi sind ein gutes Beispiel. Allein in wenigen Szenen entfaltet der Autor Arvid Nelson eine derartige Komplexität, dass es beinahe schon wie ein Streifzug durch antike Geschichte und Religion wirkt. Glaubt man sich als Leser auf der sicheren Spur und rätselt mit, wird im nächsten Augenblick ein Krimi daraus, in dem schaurig entstellte Leichen gefunden werden. Julien grübelt darüber nach, ob der Mörder vielleicht ein Golem sein könnte. – Ob das tatsächlich der Fall ist, soll hier natürlich nicht verraten werden.
Was mich persönlich sehr fasziniert, ist die Gestaltung der französischen Gesellschaft und daraus resultierend die Gestaltung einer ganzen Welt. Die Aufteilung der herrschenden Schicht in König, Robe und Schwert ist mit all ihren Facetten einfach stimmig. Die Rückblicke, die an wahren Begebenheiten angelehnt sind, sorgen für einen realistischen Hintergrund. So gibt es ein Wiedersehen mit dem Mann mit der eisernen Maske, dem Untergang der Templer und auch mit dem kleinen Korsen, der es hier nicht zum Kaiser von Frankreich schafft, sondern (freilich von der Geschichte abweichend) in einem Verlies sein Leben lässt.
Eric J zeichnet in eleganten Formen. Seine Figuren haben etwas Unechtes, etwas von Schaufensterpuppen, dank ihrer Eleganz heben sie die Geschichte auf eine höhere Stufe als einen herkömmlichen Thriller. Auf Hollywood-Ebene würde man von einem Hochglanz-Krimi reden. Aber die gesamte geschilderte französische Gesellschaft mit ihrem Adel, Klerus und den Gilden ist hier bereits durch Nelson auf Hochglanz getrimmt. Es wird in einigen Szenen sehr deutlich, wie sehr naserümpfend sich die gezeigten Franzosen über dem Rest der Welt stehend wähnen. Die doch optisch sehr dunkle Darstellung der Bilder, durch Jeromy Cox, schafft eine Atmosphäre aus Antiquiertheit und Big Brother-Gefühl. Ein gutes Beispiel für diese Stilelemente sind die in Masken auftretenden Inquisitoren, deren starre Gesichter alles zu sehen scheinen, an venezianische Karnevalsmasken erinnern und doch keine Gefühlsregung verraten.
Für Mystery- und Thriller-Fans ist diese kleine Reihe ein Muss. Wer nach einer wirklich herausragenden Erzählung in diesem Genre sucht, wird Rex Mundi lieben.
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Stichwörter: arvid nelson, eric j, jeromy cox, rex mundi
Mittwoch, 31. Januar 2007
Dr. Julien Saunière ist auf seine Art ein guter Mensch in dieser Welt. Es kommt vor, dass er Menschen für kleines oder auch gar kein Geld behandelt. Er hilft oft und gerne. Doch der Tag, an dem er sich entschloss, Pater Marin zu helfen, gehört zu den schwärzesten seines Lebens.
Tief unter der Stadt ist Pater Marin für die sorgsame Aufbewahrung wichtiger kirchlicher Manuskripte verantwortlich. Eines Tages geschieht etwas Seltsames. Marin schreitet in die Tiefe. Noch nie hat er selber die verborgenen Räume betreten. Der Geruch, den er riecht, ist teuflisch, schwefelig – und ein Manuskript fehlt. Dr. Saunière ist der einzige Mensch, dem Marin vertrauen kann. Saunière verspricht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Bald schon bereut er diese Zusage.
Die erste Spur führt in ein schlimmes Viertel. Pater Marin hatte Kontakte, die einem Pater nicht zustehen. Die Frau, die im Kontakt zu ihm stand, hat ihre Aufgabe, die ihr bei dem Diebstahl aufgetragen war, ebenfalls längst bereut. Der Anblick, der sich Dr. Saunière bei ihrem Fund bietet, geht unter die Haut.
Eigentlich ist für Saunière zu diesem Zeitpunkt auch der Fall erledigt. Er ist schließlich kein Kriminalist. Fälle wie dieser wird die Inquisition auf den Plan rufen. Niemand, der bei klarem Verstand ist, wird sich in Ermittlungen der Inquisition einmischen. Aus dem guten Vorsatz wird allerdings nichts, denn ein geheimnisvoller Killer geht in Paris um.
Eine alte Liebe meldet sich in Saunières Leben zurück. Leider kann er ihr nicht die Aufmerksamkeit widmen, die ihr zustünde. Der Doktor ist bald kein Ermittler mehr, sondern ein Gejagter, dessen Leben an einem seidenen Faden hängt.
Rex Mundi nimmt den Mystery-Kenner auf eine Reise in eine andere Welt. Sie kommt uns bekannt vor, aber irgendwie hat sie sich nicht so entwickelt, wie wir es gewohnt sind.
Verschiedene große Reiche teilen die Welt unter sich auf. Das Emirat Cordoba, Frankreich, das Preußische Reich, das Heilige Römische Reich, das Vereinigte Königreich und viele andere. Die katholische Kirche hat ihre weltliche Macht niemals verloren und wirkt stets an allen wichtigen Bereichen des täglichen Lebens in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit. Berufe sind in Gilden organisiert. Undenkbar einer vernünftigen Arbeit nachzugehen, ohne einer Gilde anzugehören.
Und es existieren Magie und Hexerei. – Und wer weiß, was es sonst noch gibt und sich lieber hinter den Kulissen versteckt.
Inquisition erklärt dem Verbrechen den Krieg.
Diese Welt ist unheimlich und von Autor Arvid Nelson hervorragend beschrieben. Als Leser kann es einem nur kalt den Rücken hinunterlaufen bei der Vorstellung, eine Institution wie die Inquisition könne in der heutigen Welt noch eine derartige Macht besitzen und sogar als eine Art Polizei fungieren. Der andersartigen Aufteilung dieser Welt fügt Nelson viele uns bekannte Versatzstücke hinzu. Im Hintergrund der Handlung keimt ein großer Konflikt zwischen den Weltreligionen heran. Der Islam scheint bereit zu sein, sich noch weiter auszudehnen. Außerdem sind die großen europäischen Staaten immer noch auf Kolonisation ausgerichtet. In Frankreich melden sich Stimmen, die den europäischen Nachbarn ihre Erfolge auf diesem Gebiet nicht gönnen.
Aber bislang weigert sich der französische König noch, diesen Stimmen zu folgen. – Die politische Situation, die sich in Gesprächen und Zeitungsartikeln äußert, ist ebenso spannend wie der unheimliche Kriminalfall, dem Dr. Saunière nachgeht.
Auf der anderen Seite ruft uns Nelson die Geheimbünde des Altertums ins Gedächtnis. Der Einfluss solcher Geheimbünde wird heute immer wieder angeführt, in der beschriebenen fiktiven Welt sind sie überhaupt nicht von der Hand zu weisen und finstere Realität. Die Magie, die hier etwas verschwommen im Spiel ist, wird von Kapitel zu Kapitel zur größeren Bedrohung. Wie sich letztlich ins Bild setzt, ist gruselig gelungen. – Wenn das Böse auf jegliche Worte verzichtet, ist seine Wirkung auf den Leser oder Zuschauer meist noch effektiver. So ist es auch hier.
Grafisch teilen sich Zeichner EricJ und Kolorist Jeromy Cox die vortreffliche Gestaltung. Sie tanzen durch die unterschiedlichsten Seitenaufteilungen und Perspektiven. Die düstere Welt schlägt sich auch in den Bildern nieder. Dunkle Farben sind hier vornehm, die Inquisition trägt glänzende Masken, während ausgerechnet der Engel des Todes in Weiß gekleidet ist. Arvid Nelson kann sich voll und ganz auf EricJ verlassen, denn streckenweise kommt die Geschichte mit dem allernotwendigsten Text aus.
Ein außerordentlich gelungener Mystery-Thriller, dessen Düsternis toll durch die Grafiken unterstrichen wird! Wegen seiner Ansiedlung in einer Parallelwelt ist er für viele Überraschungen gut.
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Stichwörter: ericj, arvid nelson, jeromy cox