Annihilus wurde geschlagen. Galactus’ einstige Herolde sind über die Galaxis verteilt, richtungslos, ziellos. Terrax, Stardust, der Silver Surfer und auch Firelord räumen in den Trümmern auf. Nicht alle Gefolgsleute von Annihilus sind vernichtet. So mancher glaubt sein eigenes kleines Reich errichten zu können.
Terrax ist ein Wesen, das mit seiner Axt denkt. Sicherlich ist er furchtlos und Kämpfer, wie es nicht viele gibt. Sicherlich gibt er nicht so leicht auf, aber sehr weit reichen seine Gedanken nicht und Konsequenzen sind ihm gleichgültig.
Anders verhält es sich mit Stardust, nicht humanoiden Ursprungs, erkennt er sehr wohl Konsequenzen, zieht Schlüsse, ist aber in seiner Gedankenlosigkeit, die seine Ratio überlagert, ebenso brutal wie Terrax.
Wer glaubt, der Silver Surfer würde sich eher menschlich verhalten, sieht sich gewaltig getäuscht. In den Tiefen des Alls kämpft er gegen Wesen, die seinem Herrn gefährlich werden können. Der Surfer selbst gerät an die Grenzen der Belastbarkeit.
Auch Firelord sucht den Kampf, doch er muss dafür weitaus weniger Mühen auf sich nehmen. Dieser Herold hält nichts von den Verträgen, die während des Krieges geschlossen wurden. Die Reste dieser Unholdarmee müssen endgültig kapitulieren oder sterben.
Empfindliche Verluste nahm auch das Nova-Corp hin. Genauer gesagt existiert nur noch einer in dieser intergalaktischen Eingreiftruppe. Richard Rider, genannt Nova, einst ein normaler Superheld der Erde, ist nun viel mehr. Seine Kräfte übersteigen das von ihm bekannte Maß bei weitem. Wie draußen zwischen den Sternen versucht er alleine die Aufgaben zu bewältigen, die eigentlich für ein ganzes Corps gedacht waren. Bald ist er am Ende seiner Kraft. Psychisch angeschlagen scheint er nur eine vernünftige Lösung zu geben: Urlaub auf der Erde.
Aber: Dort hat man nichts von dem Krieg im All erfahren. Und mehr noch: Richard weiß nichts von einem Civil War und davon, wie sich die Dinge in seiner Heimat geändert haben.
Fünf Wesen mit übernatürlichen Kräften erleben ihren ganz persönlichen Wendepunkt. Terrax, Stardust, Silver Surfer und Firelord, Herolde von Galactus stehen mit ihren doch ungewöhnlich übermenschlichen Problemen Nova gegenüber, der, zwar voller Erfahrung, im Herzen immer noch ein junger Mann und von Heimweh geplagt ist.
Unterschiedliche Autoren und Zeichner mit gegensätzlichen Zeichenstilen kommen hier mit diesen Episoden zusammen und stellen einen Prolog bereit, der alle Protagonisten an einen Startpunkt entlässt. Christos N. Gage und Stuart Moore haben die undankbare Aufgabe erhalten, sich mit den unsympathischen Charakteren abzugeben. Terrax besitzt wirklich keine Eigenschaft, die es erlauben würde, dass ein Leser mit ihm fiebert. Und Stardust ist so fremdartig, dass eine Identifikation mit ihm schwer fällt. Kurz, das Schicksal der beiden nimmt keinen Leser sonderlich mit.
Im Gegensatz dazu können der Silver Surfer und Firelord schon eher mitreißen. Einsame Rächer, konsequent und erbarmungslos und – im Falle des Surfers – auch bereit, die eigene Existenz zu opfern, um den Sieg davonzutragen.
Nicht umsonst sind die zuerst Genannten und die zuletzt Genannten auf dem Cover auf der jeweils anderen Hand von Galactus abgebildet. Wer die Andeutungen von Galactus aufmerksam liest, kann sich außerdem sicher sein, dass sich hier etwas zusammenbraut.
Zeichnerisch können in den Herold-Episoden besonders Andrea Di Vito und Scott Kolins überzeugen. Di Vito stellte sein Können schon im untergegangenen Crossgen-Universum unter Beweis und zeigte gleichzeitig damit, dass er mit phantastischen Stoffen hervorragend umzugehen weiß. Der Silver Surfer wird von ihm gewohnt exakt und mit einem guten Blick für schnelle Bewegungen gezeichnet. Maßgeblichen Anteil an den guten Bildern hat aber auch Paul Mounts, ein Kolorist, dessen Name häufig in Erscheinung tritt. Die Qualität seiner Arbeiten spricht einfach für sich.
Scott Kolins zeichnet einfacher, comic-hafter, aber immer noch aufwendiger als es zum Beispiel Giuseppe Camuncoli, in der Terrax-Episode macht. Durch die Kolorierung von June Chung, die auch die Bilder von Camuncoli veredelte, werden Kolins’ Grafiken richtig schick - das dürfte ein treffendes Wort dafür sein.
Der grafische Höhepunkt des vorliegenden Bandes ist aber die Geschichte um Nova. Hier stimmt einfach alles. Zeichnung (Sean Chen), Tusche (Scott Hanna) und Farbe (Guru EFX) ergeben ein Gesamtbild, das mittlerweile als neoklassisch bezeichnet werden könnte. Ähnliche Stile finden sich auch von anderen Zeichnern, besonders im Bereich der Superhelden.
Die Begegnungen von Nova mit Iron Man wie auch mit den (neuen) Thunderbolts stechen in dieser Episode hervor. Gerade das Zusammentreffen mit den Thunderbolts sollte für Überraschungen sorgen, denn Nova kann hier beweisen, wie stark er ist.
Ein guter Start in einen neuen wichtigen Abschnitt im Marvel-Universum. Über den Auftritt von Nova kann sich der Marvel-Fan nur freuen, da dieser Held hierzulande (und überhaupt) etwas zu kurz kommt.
