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Comic Blog


Mittwoch, 12. Dezember 2012

Marsch der Krabben – Erstes Buch

Filed under: Cartoon — Michael um 19:45

Marsch der Krabben - Buch 1 - Unter erschwerten BedingungenQuadratkrabben haben keine Namen. Warum auch? Meist begegnet man sich nur einmal im Leben und dann nie wieder. Wer also sollte sich einen Namen merken? Das Leben ist einsam und frustrierend für diese kleinen Quadratkrabben, die sich ihrer Frustration vollkommen bewusst sind. Außerdem werden sie noch gegängelt, von den wirklich großen Krabben. Eigentlich von allen. Menschen sind besonders schlimm. Und erst die Kinder. Kinder sind für die kleinen Quadratkrabben der Horror. Da heißt es Flucht, so weit die acht Beine tragen, so schnell wie möglich. Bis, eines Tages, ja, bis das Unvorstellbare geschieht!

Manchmal gibt es Überraschungen, die einfach begeistern: Sie sind neu, sie haben Pfiff, sind unglaublich unterhaltsam und besitzen einen hintergründigen Humor. Einmal mehr macht Arthur de Pins mit einem Comic auf sich aufmerksam, mit anderem Genre, vollkommen ungewohnten Figuren und einer tollen Idee. Der Marsch der Krabben, einer besonderen Art von Quadratkrabben, die Zeit ihres Lebens nur auf einer Bahn laufen können. In die eine oder die andere Richtung. Das erschwert die Begegnung mit anderen Quadratkrabben enorm. Die Möglichkeit einer Fortpflanzung scheint durch dieses Handicap kaum mehr gegeben zu sein.

Und dennoch schicken sich diese Krabben an, ihr Schicksal in die Hand (oder in die acht Beine) zu nehmen. Sie finden einen Trick, der es ihnen ermöglicht, die Richtung zu wechseln. Sie müssen dafür nur zu zweit sein. Und schon gelangen sie überall hin. Arthur de Pins erzählt diese Problematik mit einem beinahe schon unbekannten Humor, ebenso leicht wie absolut effizient, dass man nur den Hut ziehen kann. Die kleinen weißen Krabbler, so gesichtslos und ununterscheidbar sie auch sind, sind rigoros sympathisch, auch mitleiderregend, so dass die menschlichen Charaktere (die es gibt) fast zu störenden Nebendarstellern werden.

Unter erschwerten Bedingungen ist nicht nur der Untertitel des ersten Bandes dieser Trilogie, es beschreibt auch ein wenig die Arbeit von Arthur de Pins, der erneut als Autor, Zeichner und Kolorist den Band umsetzt. Die Arbeiten von ihm waren bisher in deutlich neuer Cartonn-Manier gezeichnet, auch koloriert, besaßen aber auch einen deutlichen eigenen Strich, mit dem sich Arthur de Pins von anderen Comic-Schaffenden abhob. Hier beschreitet er den Weg in besonders künstlerischer Manier, beinahe ein wenig 60er, fast ein wenig Pop Art.

Die Farbwahl ist eher sanft, zart zu nennen. Grell springen einem die Farben nur in ganz seltenen Fällen entgegen: Sonnenbräune ist hier gleichzusetzen mit Sonnenbrand, entsprechend leuchtend präsentieren sich die Badegäste am Strand. Arthur de Pins setzt keine Außenlinien, eher Farbtrennungslinien und reduziert selbst diese auf das Nötigste. Neben den Vergleich mit der Pop Art lassen sich zur Veranschaulichung des grafischen Stils auch Bilder heranziehen, die aus zurechtgeschnittenen farbigen Papieren oder Kartons entstehen. Aber De Pins schneidet sehr fein und mit stilsicherem Auge, fast schon modisch, ein Talent, das sich auch bei seinen anderen Veröffentlichungen zeigt.

Neben kleinen Begebenheiten wie den Begegnungen der Menschen am Rande der Krabbenschicksalswege und den Abenteuern, die sich besonders zuspitzen, wenn die kleinen Quadratkrabben auf der Flucht sind, ist besonders das Finale bemerkenswert, für das sich Arthur de Pins wirklich etwas ganz Besonderes hat einfallen lassen. Die Einführung hin zu diesem Höhepunkt erfolgt relativ spät, aber das ist egal. Selbst bei früherer Herbeiführung der Handlungsfäden, die hier zueinander finden, wäre das Ende so nicht vorherzusehen gewesen.

Ein Comic, der ein Lachen produziert, einen mit einem Schmunzeln am Ende entlässt, der überrascht, fröhlich stimmt: Arthur de Pins ist ein kleines Kunststück gelungen. Comic, Märchen, Abenteuer, Komödie. Herrlich! 🙂

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Sonntag, 09. Dezember 2012

DEAE EX MACHINA 1 – Jagd auf den blauen Jaguar

Filed under: Mystery — Michael um 18:43

DEAE EX MACHINA 1 - Jagd auf den blauen JaguarProfessor von Klumpp sieht den nächsten Krieg kommen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Nach den vernichtenden Schlachten des Ersten Weltkrieges will der Professor mit seinem Gefolge zu einer Macht werden, die sich gegen alle europäischen Staaten stemmt. Von Klumpp ist kein Wohltäter, vielmehr agiert er mit äußerster Brutalität, um an sein Ziel zu gelangen, die Sammlung jener Artefakte, die zusammengenommen, ein ungeheures Potential bilden, das selbst die Götter fürchten. So ist es ebenfalls nur eine Frage der Zeit, bis die drei Schicksalsgöttinnen aufmerksam werden und aus den himmlischen Gefilden hinab zu den Menschen reisen.

Man stelle sich vor, es ziehe sich eine Art Vorhersage durch die Zeiten. Was geschrieben steht, erfüllt sich. Die drei Schicksalsgöttinen Urd, Skuld und Verdandi haben nicht immer richtig aufgepasst (oder sie haben ihre Aufgabe nicht immer ganz ernst genommen) und die Menschen haben diese Nachlässigkeit nun auszubaden. Mehr oder weniger. Autor, Zeichner und Kolorist Erik hat fast ein eigenes Genre erfunden (oder wenigstens einen neuen Seitenarm). Eine Historienfantasykomödie, in der die Götter nicht verrückt sind, aber wie Kinder in den Zeiten herumstöbern und spielen, neugierig herumschleichen und kommentieren.

Das ist frisch erzählt und durch die unterschiedlichen Blickwinkel und Zeitsprünge unvorhersehbar, durchweg spannend und unterhaltsam. Erik bemüht die humoristische Erzählweise, will nicht gänzlich tragend und korrekt sein, obwohl Erläuterungen am Fuß der Seite über jeweilige neue Begriffe informieren. Kleine Prologe geben blitzschnelle Auskünfte über einige Charaktere (die Göttinnen sind besonders gelungen), bevor es tief in die Vergangenheit geht, hin zu einem Kampfaufmarsch der 20. Augusta. Römische Legionäre bekriegen germanische Barbaren und erleben eine fürchterliche Überraschung. Nun, fast, denn beileibe nicht jeder Römer will sich ausgerechnet durch fremde Götter ins Bockshorn jagen lassen. Bei einem Volk, dessen Götterhimmel bereits randvoll ist, mag das nur allzu verständlich sein.

Langsam bildet sich eine Grundlage heraus. Erik springt von der Römerzeit ins Jahr 1928, in die Epoche der Conquistadores, ins Reich der Schicksalsgöttinnen und wieder zurück in die zweite Hälfte der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, die heute so gerne mit dem Begriff der Goldenen Zwanziger belegt werden. Vordergründig bekämpfen sich die unterschiedlichen politischen Richtungen handfest auf den Straßen, während hinter den Kulissen mythologische Artefakte eine neue Macht hervorbringen sollen, bereit, die Welt einmal mehr ins Chaos zu stürzen.

Die episodenhafte Erzählung, die Stück für Stück zu einem sehr großen Gesamtbild zusammengefügt wird, nimmt den Leser mit. Entweder steht ein Rätsel im Vordergrund, Spannung oder auch ein humoristisches Kabinettstückchen. Am Ende steht eine klare Front aller Akteure, von denen es sicher scheint, dass sie nur gegeneinander werden agieren können. Eine schnell herbeigeführte tragische Wendung untermauert diesen Eindruck mehr als nur deutlich.

Erik arbeitet sehr stilisiert, künstlerisch, dekorativ. Auch könnten seine Bilder, in der Tuschearbeit, wie sie beinahe segmentartig zu nennen ist, von einem künstlerischen Druckverfahren inspiriert sein. So entsteht (wie auch in der Krimiserie Dede) eine sehr eigene Optik, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Die Charaktere sind den Figuren durchaus ins Gesicht geschrieben, in bester Hollywood-Manier, die Guten, die Bösen, die Helden, die Schönen, die Hässlichen. In der Darstellung der historischen Finessen der unterschiedlich gezeigten Epochen zeigt sich Eriks Feinarbeit.

Besonders hervorzuheben sind die römischen Abstecher, die mittelamerikanische Episode und die Einführung der beiden jungen Leute, Chris und Mo, die mit ihrem Doppeldecker einen waghalsigen Stunt vollführen, der in einem sehr schwarzhumorigen Finale gipfelt. So stilistisch eigen der Zeichenstil ist, so eigen ist auch die Kolorierung, die sich durch die Auswahl der Farben nach verschiedenen Comic-Werken zu einem kleinen Markenzeichen entwickelt hat. Grundsätzlich blasser, mit vornehmlich kalten Brauntönen und Blautönen nimmt sich die Kolorierung hinter den Zeichnungen zurück. Das ist zuerst gewöhnungsbedürftig, vergleicht man mit Publikationen, die mit dem Farbtopf nur so um sich schmeißen, konzentriert letztlich aber auch enorm den Lesefluss.

Ein sehr schönes Konzept, sehr frisch, sehr durchdacht, sehr sympathisch umgesetzt, vollkommen auf gelungene und intelligente Unterhaltung setzend. Es funktioniert auf jeder Ebene. Mehr davon! 🙂

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Das Nest 7 – Charleston

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:17

Das Nest 7 - CharlestonWas könnte einen Mann dazu veranlassen, sich den Bart abzurasieren? Sicherlich kann es nur eine hygienische Ursache dafür geben. Jedenfalls wird bestimmt keine Frau dahinter stecken. Und am allerwenigsten Marie. Nein, Marie, die fängt doch nichts Männern an. Und schon gar nicht mal eben so. So spricht es die versammelte und tratschende Männerschaft des Dorfes einhellig, lacht eifrig bereits beim bloßen Gedanken daran und ahnt gar nicht, wie sehr sie sich täuschen. Es ist eine neue Zeit angebrochen. Ganz langsam und schleichend, bringt sie laute und leise Veränderungen mit sich. Kleine Verwicklungen führen manchmal zu Späßen, auch deftiger Natur und die Freude breitet sich wieder aus. Nicht zuletzt Marie ist maßgeblich an diesem Umstand beteiligt, ist sie doch ins Dorf zurückgekehrt, ein fehlendes Rädchen, das endlich wieder an seinem Platz ist.

Man kann nicht direkt behaupten, dass Marie mit ihrer Rückkehr aus Montreal auch den Charleston mitgebracht hat. Niemand kann zum Tanzen gezwungen werden. Aber etwas hat sich verändert. Bei den Einwohnern des kleinen Dorfes. Und natürlich bei Marie. Sie hat ein Stück Freiheit aus Montreal mitgebracht. Marie lässt sich weniger einschränken, sie experimentiert, animiert. Der Charleston, ein Tanz, in jenen Tagen hoch beliebt, erreicht das Dorf und verwandelt kurzzeitig die Menschen und lässt sie den Alltag vergessen. So wie das Dorf den Neuankömmlingen aus der weiten Welt etwas geschenkt hat, so zeigt die Welt den Dörflern für einen Augenblick, wie das Leben auch aussehen kann.

Regis Loisel und Jean-Louis Tripp sind zurück im Nest. Einmal mehr gewinnen sie diesem doch sehr kleinen Flecken Erde neue Seiten ab. So abgelegen das Nest auch in Kanada versteckt liegt, so sehr finden Neuerungen doch den Weg dorthin. Das ist die eine Seite. Die andere Seite sind jene Menschen, die Männer des Dorfes, die viele Monate im Jahr einsam in der Wildnis verbringen, Bäume fällen und im Winter für den Sommer ranklotzen. Mit dem Einfall dieser zeitweise Fremden ändert sich ebenfalls vieles im Alltag des Dorfes. Kommt beides zusammen, ist das beinahe eine gesellschaftliche Revolution. Die allerdings nur sehr kurz währt.

In der 7. Folge der Reihe warten so Überraschungen auf den Leser, Verhaltensänderungen der bekannten Figuren, neue Geheimnisse, Wünsche deuten sich an. Es ist ein kleines Kunststück wie Loisel und Tripp ihre Dörfler doch noch immer ein weiteres Stück entblättern. In gemeinschaftlicher Arbeit haben sie nicht nur das Manuskript zur gesamten Serie verfasst, auch die Gestaltung geht einmal mehr beiden von der Hand. Die vier Tiere, die sich im Laufe der Zeit zusammengefunden haben, schaffen es hier in trauter Viersamkeit auf das Titelbild.

Stilistisch bewegen sich die beiden Künstler zwischen karikierend, niedlich, beinahe im Bereich naiver Kunst, aber auch intuitiv gezeichnet wirkend, obwohl ein starker kreativer Prozess der fertigen Seite vorausgegangen ist. Nahezu jede Figur drückt sich inzwischen durch ihre charakterlichen Eigenheiten aus, die ihr ins Gesicht, in die Haltung gelegt werden. Von heiter, freundlich, über verschroben, eigenbrödlerisch bis zu giftig, keifend ist scheinbar alles zu finden. Der Charleston wie auch die Bürgermeisterwahl des Dorfes bringt die Menschen auf ungewöhnliche Weise zusammen und lässt Szenen entstehen, die keiner Worte bedürfen und schlicht durch Haltung und Mimik erklären.

Eines der besten Beispiele ist die Anpassung eines Tanzschuhs, die in einigen Bildern eine kleine, feine Episode aus Menschlichkeit, Vertraulichkeit, auch Zärtlichkeit bereit hält. Es sind solche Szenen, die die Dörfler ein ums andere Mal einander näher bringen und auch neue Konstellationen schaffen.

Heiterer, sehr menschlich, mit Figuren, die sich entwickeln und wachsen und viele neue Facetten hervorbringen. Über den Tanz erreichen die Dörfler eine neue Dimension des Miteinander. Immer noch ein wenig nachdenklich, grundsätzlich vorbildhaft erzählt und illustriert. 🙂

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Dienstag, 04. Dezember 2012

Sasmira 1 – Der Ruf

Filed under: Mystery — Michael um 19:14

Sasmira 1 - Der RufEine alte Fotografie führt zum Ziel. Eine Frau lehnt an einem Baum. Aus dem Schatten heraus blickt sie durch das spielerische Treiben auf der Wiese dem Fotografen geradewegs an. Ein freundlicher Tag liegt über dem Landgut im Hintergrund. An einem der vielen Fenster steht eine Gestalt, offensichtlich männlich. Ein Wappen markiert den Ort. Unwiderstehlich werden Stanislas und Bertille von diesem alten Gemäuer angezogen, magnetisch geradezu, alles hinter sich lassend. Doch dort angekommen, finden sie sich nicht nur wieder, es erwartet sie auch etwas derart Ungewöhnliches, dass es ihre kühnsten Vorstellungen übersteigt.

Ein romantisches Geheimnis. Laurent Vicomte entwirft ein mysteriöses Szenario. Ein fantastisches Geisterrätselmärchen wartet auf den Leser. Zum Mitraten. Miterkunden. Träumen. Frankreich, so scheint es, besitzt eine romantische Seele. Schlösser, insbesondere im Gebiet der weltberühmten Loire, locken den träumenden Touristen. Landstriche wie die Auvergne sind nicht nur gallischfreundlichen Comic-Fans ein Begriff. Laurent Vicomte hat sich den geschichtsträchtigen Landstrich für seine Geschichte ausgesucht, wenngleich er ganz normal im modernen Paris beginnt, mit einem Todesfall und einem unerwarteten Geschenk.

Der junge Mann, Stanislas, der dieser alten Frau begegnet, die kurz darauf in seinen Armen verstirbt, ist von diesem Ereignis derart betroffen und beeindruckt, dass er nach einem Fund einer alten Fotografie in den Taschen der Toten mit Nachforschungen beginnt. Und Stanislas wird fündig. Zusammen mit seiner Freundin Bertille mündet seine Suche auf einem verfallen Herrensitz. Als wäre die Erkundung des verlassenen Guts nicht schon geheimnisvoll genug, geschieht bald etwas außergewöhnliches.

Laurent Vicomte beschreibt eine Handlung, von der sich einmal nicht genau sagen lässt, wann die Pfade des Realismus verlassen werden und wann die Traumwelt endgültig Besitz von den beiden Hauptfiguren ergreift. Dies geschieht so einfach und so leicht, dass während des Lesens noch einmal zurückgeblättert wird, um all die verschiedenen Vorzeichen zu suchen, die allesamt vorhanden waren, sich dann aber nach einer Weile erst wie Puzzleteile zu einem Bild vereinigen. Laurent Vicomte, der den sämtlichen Entstehungsprozess des Comic-Albums übernommen hat, als Autor, Zeichner und Kolorist, setzt sein romantisches Abenteuer mit zerbrechlichen Grafiken um.

Die Anklänge zur versteckten Handlung, unter der Dramaturgie, das Spiel zwischen den Geschlechtern, amouröse Tendenzen, sind von Beginn an vorhanden. Hieraus könnte ebenso gut eine französische Komödie entstehen. Dennoch wandelt es sich zu einem verklärten Blick auf andere gesellschaftliche Normen, eine nicht immer praktische, aber wunderbar anzuschauende Mode und eine Zeit, in der noch durch die Blume gesprochen wurde. Gerade der modische Teil der Bilder und die peinlich genaue Umsetzung lassen annehmen, dass Laurent Vicomte eine nicht geringe Begeisterung für ein historisches Ambiente besitzt. Allein das Anlegen eines Kleides, eine regelrechte Verpackung, durchaus auch erotischer Natur, ist ein Kabinettstückchen für sich.

Laurent Vicomte stellt den romantischen Bildern, in denen die Zeit still steht, die Geschwindigkeit fehlt, jene Nachforschungen in jüngeren Tagen gegenüber, denn Stanislas und Bertille können nicht einfach so aus dem Leben verschwinden, ohne dass jemand nach ihnen sucht. Immerhin das haben sie der verstorbenen alten Frau voraus, für die sich niemand zu interessieren scheint. Eine aquarellartige und markerleichte Kolorierung lässt den Eindruck alter Postkartenmotive entstehen.

Ein Anhang zeigt die Entstehung des ersten Bandes des Vierteilers mit zahlreichen Skizzen unterlegt. Wie modische Einflüsse, auch bei Möbeln, Frisuren und in der Architektur das Flair dieser Geschichte prägen wird hier ganz besonders deutlich.

Romantik pur, selten in dieser Art im Comic zu finden, mit sehr schönen Bildern unterstrichen. Laurent Vicomte erzählt mit sehr viel Herz und Freude an einer vergangenen gesellschaftlichen Epoche. 🙂

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Montag, 03. Dezember 2012

GOLIAS 1 – Der verlorene König

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:56

GOLIAS 1 - Der verlorene KönigDer Übungskampf der beiden Freunde Golias und Konios findet aufmerksame Beobachter. Golias nutzt den Moment der Unachtsamkeit seines Freundes und beendet den Kampf. Konios, dessen Blick an der Schwester des Golias hängen bleibt, kann nur verlegen lächeln. Aerena hingegen, das Mädchen, der die Aufmerksamkeit des Konios gilt, rümpft die Nase über den interessierten jungen Mann, kann allerdings nur schwerlich darüber hinwegtäuschen, dass hinter den ablehnenden Worten auch eine gewisse Sympathie steckt. Ihr Vetter Varon beobachtet das Geschehen voller Misstrauen.

Helden werden nicht geboren. Helden beschreiten einen Leidensweg. Golias, der Königssohn, muss alles verlieren, um ins Abenteuer zu finden. Und wie stets, wenn Helden sich aufmachen, damit das Gute siegt, scheint der Kampf bereits zu Beginn verloren zu sein. Dabei sieht es zunächst gut aus. Als Wunschkind in die königliche Familie geboren, könnte Golias den traditionellen Weg bis zum Thron beschreiten. Würden nicht in der Jugendzeit die Intrigen heranreifen, die sein Leben sehr bald in ein Chaos stürzen werden. Serge Le Tendre, hierzulande bekannt von Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, rüstet als Autor seinen Helden mit jugendlichem Ungestüm aus, Kraft, auch Intelligenz, doch die Leidenschaft übermannt den Königssohn leider im falschen Augenblick.

Es ist bezeichnend, dass dieser jungen Mann durch Verteidigung in die Ecke gedrängt wird und nicht der Angriff es ist, der ihn ins Verderben stürzt. Sein Einsatz zur Rettung seiner Schwester ist der Auslöser für den Niedergang seiner Familie. Der Held muss nicht nur ein wenig verlieren. Er muss alles verlieren. Autor Serge Le Tendre hält sich strikt an diese Vorgaben, lässt Golias nur ein paar wenige Freunde und eine letzte, sehr vage Möglichkeit, um die Lebenssituation zum Guten zu wenden.

Es sind nicht die Könige, die Alten, die das Schicksalsrad in Bewegung setzen, es sind die Jugendlichen und eine Mixtur aus Liebe, Trieben und Eifersucht, die sämtliche Figuren der Tragödie näher bringen. Aerena, die Schwester von Golias, und Varon, der Vetter, sind aneinander geschmiedet. Aerena will keine Beziehung zum dem etwas schmierigen jungen Mann. In verschiedenen Schlüsselszenen werden gerade durch diese beiden die Weichen für das weitere Drama gestellt.

Da die Geschichte nicht, wie vielleicht dem Genre-Fan aus anderen Publikationen her bekannt, mit wilden Kämpfen die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern das familiäre Geflecht immer dichter webt, kann sich Zeichner Jerome Lereculey regelrecht in die einzelnen Charaktere versenken und mit zahlreichen Emotionen spielen. Optisch dem Realismus verschrieben, auch dem Perfektionismus, gehört Jerome Lereculey zur Oberliga europäischer Comic-Künstler. Seine Arbeit ähnelt aber auch etwas denen eines Brandon Peterson oder Steve Epting (die beide in fantastischen Themen bei CrossGen arbeiteten).

Im Realismus von Jerome Lereculey blinzelt aber auch ein klein wenig der heitere Strich aus der Disney-Ecke hervor, der besonders bei Ganoven und einer ganz bestimmten Kreatur sichtbar wird. Die Strix, eine kleine giftige Echse, die auch dem Star Wars Universum entsprungen sein könnte (Stichwort: Salacious Crumb), fällt aus dem Rahmen, der ansonsten sehr naturgetreu gestalteten historischen Kulisse. Auch im Gauner Bolos, dem einzigen Menschen, der die Strix anfassen darf, ohne gebissen zu werden, finden sich eher humorvolle Ansätze in der Darstellung.

Die Kolorierung von Stambecco, sehr gedeckt und besonders in nächtlichen Szenen besonders schön anzuschauen, malt ein feines Bild eines südlichen Griechenland, paradiesisch zuerst, später immer düsterer und höllischer werdend.

Ein schönes Historienabenteuer, fesselnd erzählt und mit zwei treffend sympathischen Hauptfiguren, Golias und Konios, versehen. Der Auftakt des mehrteiligen Abenteuers liest sich flüssig, ist wunderbar anzuschauen dank des technisch versierten und sehr talentierten Zeichners Jerome Lereculey. 🙂

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Donnerstag, 29. November 2012

OGREGOD 2 – Ohne Zukunft

Filed under: SciFi — Michael um 19:13

OGREGOD 2 - Ohne ZukunftAlle für alle und jeder für sich. Sobald die Jugendlichen auf dem schwimmenden Baumstamm Platz gefunden haben, ist jeder darauf bedacht, sich festzuhalten und am Leben zu bleiben. Als die kleine Erwise, Tochter des Diktators, ins Wasser fällt, denkt niemand auch nur im Traum daran, sie aus den Fluten zu ziehen. Einzig Niphan, ausgerechnet der Nichtschwimmer der Gruppe, traut sich in die hohen Wellen und rettet sie mit Hilfe seines Hundes und unter dem Einsatz seines Lebens.

Alejandro Jodorowsky wird sicherlich die eine oder andere Jugendliteratur kennen. In der Science Fiction, feinsinnig wie auch absurd, ist er daheim. Nun scheint es, als habe er auf geniale Weise beide Genres gemischt und fährt in einer Art fort, die er bereits in Alef-Thau praktizierte. Märchenhaft. Groß. Mit genauem Blick auf den Charakteren. Und einem Einfallsreichtum, der sich keine Grenzen auferlegt. Die acht Jugendlichen, so hochnäsig wie lebensunerfahren, beginnen mit einer Zusammenarbeit, die doch immer wieder von Störungen begleitet wird. Keiner von ihnen ist es gewöhnt, Befehlen zu gehorchen. Oder hat gar eine gewisse grundsätzliche Vernunft entwickelt.

Ohne es so recht zu bemerken, werden sie in Aufgaben verwickelt, die sie kaum ohne Hilfe lösen können. Ihr Sklave, der vierfüßige und blauhäutige Zeland, und der Roboter, Otto-6, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite, nicht immer gerne und nicht immer ist ihre Hilfe völlig offensichtlich. Ganz besonders Zeland verbirgt ein Geheimnis. Zoran Janjetov, Zeichner und Kolorist in Personalunion, ist eine Entdeckung des Science Fiction Comic. Durch ihn werden die Ereignisse besonders lebhaft, realistisch und wirken wie aus einem Film abgezeichnet.

Der Wechsel zwischen einer sehr natürlichen, wilden Naturumgebung mit teilweise gigantischen Kreaturen und einer faschistischen Militärdiktatur übelster Sorte in einem Perry-Rhodan-Ambiente bietet eine reiche optische Spannung. Dort, wo die einzelnen Charaktere des Jugendabenteuers mitreißen, faszinieren auf der anderen Seite die Breitwandoptiken eines interstellaren Staates im Aufstand. Ist für das Titelbild ganz offensichtlich gleich die Bleistiftskizze koloriert worden, verwendet Zoran Janjetov für die Umsetzung der Innenzeichnungen sehr feine Tuschestriche und erreicht das Volumen der Figuren durch plastisch erscheinende Kolorierung. Vor den mit Füllmustern gefärbten Hintergründen unterschiedlichster Art heben sie sich deutlich hervor.

Zoran Janjetov nähert sich in seinen Entwürfen auch dem Universum eines Incal oder dem Ableger der Metabarone an. Stilistisch wird der Realismus selbst in der Karikatur gesucht, ohne besonders zu überspitzen. Beispielhaft kann der Leser sich vorstellen, ein Jack Palance oder Lee Van Cleef hätte den Diktator in dieser Geschichte gespielt, bei einer Größe von 1,20 Meter und einem halb so großen Hut. Demgegenüber stehen manche verschörkelte, organisch anmutende Strukturen, wie sie auch ein H. R. Giger hätte entwerfen können. Zum guten Schluss fließt noch die Fantasie des Alejandro Jodorowsky ein, die kleine Portion Wahnwitz, aber gegenüber anderen Publikationen gemäßigt und mit einer großen Anzahl Augenzwinkern.

Die beiden auch getrennt voneinander lesbaren Handlungsstränge können beide gleichzeitig, aber auch getrennt ihre Fans finden. Die bunt zusammengewürfelte Truppe der Jugendlichen, die ohne einander nicht weiter kommen, bietet viele Überraschungsmomente, ganz besonders auch optisch. Gigantomanie ist hier Trumpf. Die Übergröße weicht in den Erzählteilen der Diktatur den Massen, Aufmärschen, Kämpfen und einer Vielzahl von Charakteren. Aus der Menge der Geschichten von Jodorowsky ragt diese auf sehr bestimmte Elemente konzentrierte Handlung stark heraus und fesselt von Anfang bis Ende.

Eine Space Opera im besten Sinne. Alejandro Jodorowsky zeigt in der Fortsetzung von OGREGOD, wo seine Stärken liegen und erhält mit Zoran Janjetov einen Zeichner an seiner Seiten, der seine seltsamen wie wunderbaren Einfälle mit stilsicherer Hand umzusetzen versteht. Klasse. 🙂

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Dienstag, 27. November 2012

Zombillenium 1 – Gretchen

Filed under: Cartoon — Michael um 20:47

Zombillenium 1 - GretchenDer junge Mann hat ganz offensichtlich irgendwelche Schwierigkeiten. Höchstwahrscheinlich haben sie mit Geld zu tun, ansonsten käme er kaum auf die Idee, eine Bank zu überfallen. Andererseits hat noch kein Räuber mit einer vorgehaltenen Banane einen erfolgreichen Überfall durchführen können. Nur ein Spaßvogel also? Kurze Zeit später spielt das alles keine Rolle mehr. Der junge Mann landet vor und unter einem Auto und die Insassen des Fahrzeugs beschließen, den jungen Mann kurzerhand mitzunehmen. Ebenfalls kurz zuvor dachte der jungen Mann noch, sein Leben könne kaum schlimmer werden. Derlei Annahmen können, wie es sich hier wieder einmal zeigt, sehr täuschen.

Arthur de Pins hat mit seinen sehr verschiedenen Veröffentlichungen Aufmerksamkeit erregt. Frische Ideen, eine eigene Form der Gestaltung, plastisch, bunt und mit sehr unverwechselbaren Charakteren. Bisher geht Arthur de Pins seine Themen humoristisch an. Sei es das menschliche Paarungsverhalten, Lieblingssünden, oder auch die Abenteuer kleiner quadratischer Krabben, Marsch der Krabben,, der Grundtenor ist heiter, etwas absurd, liebenswert. Zombillennium entführt in einen ganz besonderen Vergnügungspark. Hier arbeitet nur, wer ein Dämon ist, ein Zombie, ein Vampir, Werwolf, auf jeden Fall eine Kreatur des Bösen, der Nacht ist. Dem am Genre Grusel oder Horror interessierten Leser dürfte klar sein, dass der Ulk hier in Serie daherkommt.

Gretchen, nicht nur der Untertitel des vorliegenden Bandes, sondern auch der Name der weiblichen Hauptfigur. Abgeklärt, abgehärtet, erfahren, kaltschnäuzig, cool, extrem schwer aus der Fassung zu bringen und mit einem schwarzen Herz aus Gold versehen, steht Gretchen bereit, um dem Neuling in Zombillenium mit gutem Rat, manchmal auch mit Tat zur Seite zu stehen. Arthur de Pins arbeitet mit einer modernen Zeichentrickoptik, die häufig den Anschein hat, sie sei insgeheim auch mit einem 3D-Programm entworfen und dann doch flächig koloriert worden.

Puppenhafte Figuren, auch durchaus ein wenig muppet-haft anmutend, karikierend gezeigt, überzeugen darüber hinaus mit wahnwitzigen Einfällen. Ein Zombie wirft nicht den Fehdehandschuh, sondern auch gleich die ganze Hand hin. Ein untoter Michael-Jackson-Imitator bringt die unsterbliche Tanznummer aus Thriller, samt roter Ledermontur. Wenn Vampir und Werwolf sich nicht einigen können, welcher Art denn der Neue werden soll, dann kann so ein Hals schon einmal ziemlich zerbissen aussehen. Und sogar der bekannteste Zauberschüler der Welt bleibt nicht unerwähnt.

Die Geschichte besitzt zeitweilig einen leichten Anarcho-Dogma-Charme (Kevin Smith lässt grüßen). Der Humor wie auch die Art der Bilder ist so leicht, auch vollkommen unangestrengt, dass auch Kinder ihren Spaß an der Geschichte haben können. Dies wird ganz besonders deutlich, wenn eben diese Zielgruppe mit ihren Eltern in Zombillennium unterwegs ist. Stilistisch sind sämtliche Zeichnungen zerbrechlich zu nennen, an die Hercules-Variante von Disney erinnernd mit einem schönen Anteil von Scooby Doo darin. (Auf seiner Homepage kann im Animationsbereich auch verglichen werden.)

Arthur de Pins hat sich mit seinen Ideen eine ganze eigene Ecke innerhalb des Mediums Comic erarbeitet, ein Künstler, der eigene Wege beschreitet, ohne mitzulaufen. Herausragend ist der leichte Humor, eine witzige Erzählweise über die ganze Länge der Geschcihte und ein tolles Gesamtbild. Mehr davon. 🙂

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Link: Homepage Arthur de Pins

Samstag, 24. November 2012

Der rote Falke 10 – Auf ein Glas, Kamerad

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:43

Der rote Falke 10 - Auf ein Glas, KameradDie Einkleidung des maskierten Recken geht schnell vonstatten. Eine Brustbinde verhindert, dass der Maskierte sein wahres Geschlecht verrät. Ariane de Troil befindet sich in einer ungewöhnlichen Ausbildung, ohne so recht zu bemerken, wie die Schlussprüfung aussehen wird. Regen kündet eine unwirkliche Nacht an, in der Ariane eine Erfahrung macht und diese ganz im Sinne ihrer Lehrer meistert. Doch das ist erst der Auftakt zu einem noch viel ungewöhnlicheren Leben.

Die Geburt eines Helden. Eine ungewöhnliche wie auch zögerliche Geburt. Autor Patrick Cothias erzählt von den Geburtswehen seines roten Falken nicht wie von einem strahlenden Helden. Die junge Frau, die sich zu einem maskierten Rächer entwickelt und sogar dem König die Stirn bietet, hat sehr viel verloren, bevor sie den Entschluss in die Tat umsetzte und ein geheimes Leben führte. Patrick Cothias gibt ihr aber nicht nur eine Tragödie auf dem Lebensweg mit, nicht nur Intrigen, die sie zum Äußersten treiben, es sind freundlich meinende Gaukler, die ihr den weiteren Weg weisen, ohne ihr dieses Ziel zunächst zu nennen.

So wird Ariane de Troil zu einer Heldin wider Willen. Der Geist ist erschöpft, das Herz nur noch mit Mitleid angefüllt, für sich selbst wie auch für andere. In einer längeren Sequenz, arrangiert wie auf einer Theaterbühne, zerbricht die jungen Frau ganz offensichtlich endgültig. Der Übergang erfolgt leise. Es ist nach dieser Tortur, die Ariane de Troil erfahren musste, keinesfalls befreiend, allenfalls erschütternd. Allerdings sollte der Leser auch das Schicksal des roten Falken bis zu diesem Punkt verfolgt haben. Sonst wird dieser Höhepunkt, in gewissem Sinne ein Vorabschluss kaum beeindrucken.

Marco Venanzi, der die Reihe als zweiter Zeichner übernahm, gestaltete ab dem 7. Abenteuer, Verwandte Seelen, den Zyklus, der sich von der reinen Abenteuergeschichte der bisherigen Bände in ein handfestes Historienabbild wandelt und auch den Finger in die Wunde einer krankenden Gesellschaftsordnung legt, in der ein Adel wie ein Geschwür da französische Volk umklammert hält und mehr mit sich beschäftigt ist als mit allem anderen.

Ist der farbliche Aufwand des Titelbildes größer als auf den Seiten des Innenteils, sind die Zeichnungen der Geschichte selbst doch ähnlich zart und zerbrechlich wirkend. Das Leben bei Hofe, auch in den eher feineren Gegenden von Paris wird vertauscht mit der Halbwelt der Gaukler, später derjenigen der Ausgestoßenen, der Kranken und Verkrüppelten, die keinerlei Platz mehr in der Gesellschaft haben und am Rande im Zwielicht leben. Entsprechend atmosphärisch fällt ein langer Abschnitt im ersten Teil der Geschichte aus. Ariane begegnet einem fürchterlich verunstalteten Anführer der Ausgestoßenen, der sie mit schlimmsten Drohungen einschüchtern will. So dialoglastig und bühnenartig diese Sequenz aus ausfällt, so weist sie auch den größten Anspruch auf (und ist einfach schön).

Die ersten Einsätze des roten Falken sind Blitzeindrücke zu nennen. Es formiert sich eine Legende. Wo der Falke nächtens zuschlägt, spielen kleine Kinder mit Holzschwertern bei Tage die Legende nach. Der schnelle Wechsel solcher und anderer kleiner Szenen leitet zum endgültigen Finale über, in eine weitaus prächtigere Sequenz als jene erwähnte Schlüsselfolge, dafür aber umso prächtiger inszeniert und noch spannender, geht es doch um nichts anderes als die Demaskierung des roten Falken. Bleibt sein Geheimnis gewahrt oder nicht?

Einer der schönsten Bände der Reihe. Patrick Cothias zieht alle Register der menschlichen Gefühle und erzähl die Tragödie der Ariane de Troil fort, wendet sie hin zum Husarenstück mit einem fein inszenierten Schwenk. Schön. 🙂

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Oder bei Finix Comics.

Freitag, 23. November 2012

Der rote Falke 3 – Verabredung bei Chantilly

Filed under: Abenteuer — Michael um 21:06

Der rote Falke 3 - Verabredung bei ChantillyAriane de Troil macht aus ihrer Fechtkunst kein Geheimnis. Für eine Frau ihrer Zeit steht ihr solch männlicher Zeitvertreib jedoch nicht zu Gesicht. Ariane ist es gleich. Für sie gilt es nur, ihre Ehre zu verteidigen, ganz besonders gegen derart aufgeplusterte Gesellen wie ihr Gegner einer ist. Nicht viele gibt es, so hat es den Anschein, die Ariane in der Fechtkunst überhaupt das Wasser reichen können. Bevor sie sich verraten kann, verlässt Ariane die hochwohlgeborene Gesellschaft bei Hofe und macht sich auf zu einem neuen Husarenstück des roten Falken.

Verabredung bei Chantilly. Schnee hält das Land im Griff, doch Gold muss transportiert werden. Für den roten Falken wird die Beute wie auf dem Silbertablett serviert. Zwar gilt es mit einer stattlichen Anzahl von Soldaten fertig zu werden, aber der Haudegen bricht seine Aktion nicht übers Knie und hat im Vorfeld alles genau durchdacht. Sehr zum Ärger der Offiziere, die sich kurz zuvor noch über den maskierten Banditen lustig gemacht haben.

Der Falkenkäfig und Die Werwölfe setzen die Episoden in diesem vorliegenden dritten Band der Reihe fort. Ist auch die zweite Episode von einem gewissen Ganovencharme geprägt und einem ordentlichen Zweikampf, so fällt die dritte Geschichte über eine Räuberbande im Wolfspelz deutlich düsterer aus. Der rote Falke steht Gegnern gegenüber, die so gar nichts Galantes mehr an sich haben und weit entfernt sind von höfischem Gehabe. Allerdings muss er sich so auch nicht mit besonders durchdachten Fallen oder Intrigen herumschlagen. Stattdessen ist die große Brutalität weitaus offenkundiger.

Patrick Cothias befindet sich hier noch in der episodischen Phase des ersten Zyklus. Kleine Abenteuer, im Stile der Entstehungszeit erzählt, lose verknüpft, vermitteln weiterhin ein Bild des roten Falken, wie es französische Kostümfilme sicherlich mitprägten. Unterhaltung steht hier noch im Vordergrund, ein wiederkehrendes Gerücht kündet von der Vergangenheit des roten Falken, es geht aber noch nicht derart in die Tiefe und ist weitaus weniger tragisch als der zweite Zyklus um die Vorgeschichte von Ariane de Troil.

Andre Juillard besitzt, will man einen Vergleich mit dem später die Reihe übernehmenden Marco Venanzi ziehen, einen frechen Strich, der auch die Szenerie, insbesondere die Hauptfigur der Ariane de Troil prägt. Sie ist zwar weiblich, aber auch ausgesprochen spitzbübisch. Unter der Maske geht der Effekt verloren. Die Darstellung der Frau jedoch wirkt ungeheuer frech und erinnert optisch ein wenig an Marlene Jobert (Musketier mit Hieb und Stich. Jedenfalls wäre sie in einer Rollenumsetzung optisch perfekt gewesen.

Der nötige Strich sitzt, er karikiert auch die herrschende Klasse ein wenig, überzeichnet. Hier blitzt der französische Humor der bemäntelten Degenfilme sehr stark durch, so dass man sich als Leser nur zurücklehnen und heiter genießen kann. So darf Abenteuer ausschauen und fesseln.

Spannend, kurzweilig, so setzt das Team Cothias und Juillard die Reihe fort. Gut, aber noch nicht mit der Tiefe und Tragik erzählt, mit der Cothias die Vorgeschichte des roten Falken angeht. 🙂

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Mittwoch, 21. November 2012

SAGA VALTA – Buch 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:18

SAGA VALTA - Buch 1Die Übermacht ist zu groß und so bleibt dem Mann nur die Flucht. Doch der Weg kann eine Hilfe sein, wäre er für den Flüchtigen nicht ebenso gefährlich wie für die Verfolger. Am Ende stehen sich zwei Mann gegenüber. Der Verfolger ist voller Hochmut und ahnungslos, der Verfolgte ist bereits schwer verletzt, tödlich sogar und kann nur noch auf Gnade hoffen, die der Mensch vor ihm niemals gewähren wird. Aber das mächtige Geschöpf, dessen Gliedmaßen unzählbar scheinen, so ohne Mitleid, einzig von Neugier angetrieben, brennend vor Hass auf die Menschen, aus der Dunkelheit auftauchend, könnte die unvermutete Rettung sein.

Und ewig lockt das Weib. Autor Jean Dufaux kennt die klassischen Mechanismen eines Dramas sehr gut und er versteht es, seine Figuren regelrecht in die Falle zu locken. Ein tapferer Mann, Valgar aus Valta, verliert seine Frau und seinen neugeborenen Sohn. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat er die falsche Frau gewählt, begehrte sie doch ein anderer, der mächtiger war als er. In jenen fernen Tagen, über die Jean Dufaux hier erzählt, ist auf diese Weise Ärger festgeschrieben. Valgar, eigentlich ein ehrlicher Mann, im Kampfe erfahren, hat einen Schwachpunkt, der Frau heißt, obwohl er sich stark genug glaubt, Reizen zu widerstehen, wenn sich um die Frau eines anderen handelt. Das würde gelingen, gäbe es nicht andere, die in der Ränkeschmiede die besseren Handwerker sind.

Im ersten Teil der zweibändigen Geschichte ist die Handlung bereits derart dicht verwoben, so dass eine tolle Charakterzeichnung eröffnet und ein dunkles Land mit starken Kriegern und finsteren Mächten auf den Seiten abzeichnet. Sei es Ogerth, der Vielarmige, eine Kreatur, die selbst im Bereich der Fantasy gesucht werden muss, oder die Gierschlünde, durchaus gleichzusetzen mit mehr oder minder modernen Untoten, denen sich die Menschen mit List und Tücke entgegenstellen, um sie besiegen zu können.

Ist die erste Hälfte des vorliegenden Bandes sehr von Auseinandersetzungen geprägt, sind von da an die Weichen gestellt und das Drama nimmt seinen Lauf. Die Intrigen werden gesponnen, geheime Absprachen, die so auch bei Shakespeare hätten vorkommen können. Es ist eine Geschichte, die in ihrer Machart gleichermaßen auch Fans von Der 13. Krieger begeistern könnte.

Mohamed Aoumri besitzt eine tolle Strichführung und so erinnert nicht nur der angeführte Held optisch an Buddy Longway, auch der grafische Stil geht in die Richtung von Derib, ist allerdings feiner ausgeführt. Will man grafische Vergleiche im fantastischen Bereich suchen, wird man bei Eric Stalner (Die Legende von Malemort) fündig. Mancher Strich ist so zart, dass er einer Radierung entstammen könnte. Feine Schraffuren geben Tiefe und Volumen, viele Zeichnungen würden sogar ohne Farbe funktonieren.

Die Kolorierung, von Benbk, ist einerseits mit Flächen und Verläufen angelegt, erhält aber auch durch feine Sprühpunkte Struktur und wirkt weniger glatt, der sehr natürlichen Tuschearbeit angepasst. Besonders schön sind gerade solche Bilder, die das schlichte Leben zeigen, Landschaften, Jagden oder Begrüßungen und Zusammenkünfte und nur erzählende Texte unterlegt sind. In dieser Saga Valta dominieren erdige, natürliche Farbtöne, unaufgeregt, oft in einer goldenen Stimmung, manchmal stürmisch blau, eine Mischung, die bereits sehr gut auf dem Titelbild abzulesen ist.

Atmosphärisch stimmig, ein reines Menschendrama mit ein paar wenigen fantastischen Einflüssen, die eigentlich vernachlässigbar sind. Die menschliche, dramatische, auch tragische Komponente ist dicht erzählt, packt und führt den Helden in eine ausweglose Situation. Bis zum abschließenden zweiten Band. 🙂

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